Sinnhaftigkeit des Futsalländerpokals 2017

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Entsprechend der Tradition zur Analyse des Länderpokals (2014, 2015, 2016), möchten wir auch in diesem Jahr (leider etwas verspätet) die Entwicklungen „analysieren“, besonders da sich der Futsalländerpokal  als Stimmungs-und Entwicklungsbarometer für die ganze Gemeinschaft etabliert hat. Auch in diesem Jahr waren daher alle relevanten „Persönlichkeiten“ des Futsalsports in den Hallen in Duisburg-Wedau anwesend.  Mit Hamburg, Bayern, Westfalen hatte das Turnier einen starken Dreikampf an der Spitze. Bis auf einige Ausreißer zu Beginn des Turniers, waren die Ergebnisse recht ausgeglichen. Als Grundaussage kann daher an dieser Stelle schon ausgesprochen werden was viele dachten: der Länderpokal war wieder ein Erfolg auf allen Ebenen. Nichtsdestotrotz sollte weiter an der Optimierung gearbeitet werden, weshalb wir uns nachstehend ein paar Punkte zur Analyse „rauspicken“ möchten.

Rahmenbedingungen

Durch die Einrichtung einer reinen Futsalhalle wurden die Wettbewerbsbedingungen nochmals verbessert. Die neue Futsalhalle ist zwar weiterhin kein Ort optimaler Spiel- und Akkustigbedingungen, aber trotzdem ist es die erste reine Futsalhalle Deutschlands, was das Futsalherz einfach höher schlagen läßt. Organisatorisch wurde das Turnier wieder prima durchgeführt und Videoaufnahmen waren nach den Spielen zeitnah abrufbar. In Zukunft wäre vielleicht eine Online-Live-Tabelle sehr hilfreich um das Turnier zu verfolgen. Auch könnte in den anliegenden Verbänden mehr Werbung für das Turnier gemacht werden, damit mehr Zuschauer Futsal Erleben und Wissen in die Vereine mitnehmen. Auch ein Live-Stream wäre eine tolle Erweiterung für die Futsalgemeinschaft. Etwas enttäuschend verlief die Gewinnerzeremonie. Es wirkte alles sehr leidenschaftslos und zu aller Enttäuschung war noch nicht einmal der Siegerbanner für das Jahr 2017 neu bedruckt worden und musste provisorisch in einer spontanen Bastelminute „aktualisiert“ werden. Hier hätten man sich eine bessere Vorbereitung und mehr Kreativität gewünscht.

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Deutschlands erste reine Futsalhalle

Sichtungscharakter

Aufgrund der fortgeführten Kommunikation als Sichtungsturnier muss sich das Turnier auch an diesem Maßstab messen. Im vergangenen Jahr hatten wir diskutiert, ob nicht die Verschiebung des Fokuses auf ein Eventturnier mehr Potenzial bietet. Dass der Länderpokal vorerst als Sichtungsmaßnahme weitergeführt wird, kann sicherlich weiterhin mit fehlenden vergleichbaren Leistungs- und Ligastrukturen in Deutschland begründet werden und ist durchaus plausibel. Wenn man sich für den Sichtungsschwerpunkt entscheidet, müssen die Zugangsbedingen jedoch auch dementsprechend angepasst werden.  Wie auch in den vergangenen Jahren, erscheint daher eine Beschränkung von Spielern ohne deutschen Pass und Altersgrenzen naheliegend. Innerhalb der Community wird dahingehend auch die Meinung eindeutiger und Beschränkungen werden – zusammen mit der neu gegründeten Kommission – wohl in Abstimmung mit den Landesauswahltrainern bis zum Länderpokal 2018 diskutiert. Immerhin hat sich  mit Blick auf die Statistik der Anteil der Spieler mit einem deutschen Pass von 85% in 2014 auf 89% in diesem Jahr verbessert. Es ist dabei jedoch festzuhalten, dass gerade die besseren Spieler der Teams keine deutschen Pässe besaßen und damit Spielzeit von Spielern mit Nominierungspotenzial besetzen. Im Bayrischen Team spielten die brasilianischen Vertreter nahezu das ganze Turnier durch – dies ist zwar für das Niveau eines Eventurnieres erwünschenswert und nachvollziehbar, erscheint jedoch als unpassende Sichtungsstrategie. Auch der Altersdurchschnitt hat sich nach unten verbessert. Trotzdem waren zahlreiche Spieler über 30 Jahre alt – das Entwicklungspotenzial dieser Spieler oft ausgeschöpft. Problematisch dabei vorallem, dass gerade die älteren Spieler mehr Futsalerfahrung besitzen und daher – aus Sicht der Trainer – zurecht mehr Spielzeit erhalten. Eine offizielle Beschränkung würde daher den Auswahltrainern eine passende Rechtfertigungsbasis (Nichtberücksichtigung von  guten aber nicht sichtungsrelevanten Spielern) vor den Vereinstrainern im Verband geben und die Nominierung aus Sicht des DFB „lenkbar“ machen. Die Beschränkung auf Spieler mit deutschen Pass und ein maximales Alter von 25-27 je Spieler sollte eine durchsetzbare und realistische Möglichkeit sein. Bei der Rekrutierung aus reinen Futsalligen, wäre ein geringeres Maximalalter (z.B. maximal U21 wie von einigen Verbänden gefordert)  kaum realisierbar, soll das Niveau beim Länderpokal gehalten und ausgebaut werden.

% Futsalspieler Deutschquote Alter
2014 59.0 85.0
2015 55.0 86.0
2016 61.0 88.0 25.4
2017 67.0 89.0 24.4
  Alter Deutsch Ausländer Deutschquote Futsalspieler
Würtemberg 25.5 8 4 0.67 12
Südbaden 22.9 12 0 1.00 0
Südwest 24.1 12 0 1.00 4
Westfalen 25.6 12 0 1.00 12
Mittelrehin 25.1 10 2 0.83 12
Mecklenburg 23.7 12 0 1.00 12
Hessen 25.1 9 3 0.75 12
Hamburg 25.6 11 0 1.00 12
Brandenburg 26.5 10 1 0.91 10
Baden 23.5 12 0 1.00 9
Berlin 25.6 10 2 0.83 12
Bayern 27.1 6 5 0.55 11
Bremen 26.8 11 1 0.92 12
Niedersachsen 24.4 12 0 1.00 12
Rheinland 23.8 12 0 1.00 1
Saarland 18.5 12 0 1.00 0
Thüringen 21.9 8 2 0.80 0
Sachsen-Anhalt 23.4 9 2 0.82 0
Niederrhein 26.0 8 4 0.67 12
Schleswig-Holstein 24.1 11 1 0.92 6
Sachsen 23.8 12.00 0 1.00 5
Mittelwert 24.4 10.42 1.28 0.89 7.9

Futslwachstum in Deutschland

Besonders erfreulich war der Anstieg von Spielern aus aktiven Futsalvereinen (67%). Trotzdem haben auch dieses Jahr wieder Verbände mit reinen Fußballern teilgenommen. Obwohl gerade diese Teams mit jüngeren Perspektivspielern antraten, verliert sich die Teilnahme doch im „Nirgendwo“, da diese jungen Spieler – selbst wenn nach dem Länderpokal der Wunsch nach mehr Futsal entsteht – keine Vereine zur Ausübung der Sportart in der Nähe existieren. DFB und Landesverbände sind daher weiterhin aufgerufen, mehr Anreize für die Schaffung neuer Futsalvereine/Futsalteams zu tun. Auch hier könnte der Ländeprokal Ausgangpunkt von Anreizen sein, z.B. durch eine Mindestquote von gemeldeten Futsalspielern. So bekommen Verbände ohne aktuelle Ligen Anreize, in neue Strukturen zu investieren. Klar ist, dass etwas getan werden muss an der Basis, denn das Futsalwachstum in Deutschland kommt an seine Grenzen.

Zweitspielrecht

Offiziell sind Spieler mit einem Futsalpass nur für den Verband spielberechtigt, in welchem das Futsalspielrecht liegt. Jedoch wurde diese Regelungen wieder mehrfach umgangen, indem das Fußballspielrecht für die Nominierung in einem anderen Verband genutzt wurde. Gegen die Ausnutzung eines Fußball-Zweispielrechts sprechen drei Argumente. Zum einen wird die Leistung von betroffenen Teams und Spielern wieder in einem negativem Licht diskutiert. Dies hilft weder der Freude am Turnier noch einer adäquaten Wertschätzung der Spielerleistung. Zum anderen wird durch Zweitspielrechte die Futsalsituation in Deutschland künstlich verzerrt – es wird Futsalwachstum suggeriert wo eigentlich keines ist.  Drittens ist anzumerken, dass Spieler die es im Heimatverband qualitativ nicht in den Kader schaffen (nicht zu den 12 besten der Verbandes zählen), wohl kaum Potenzial für die Nationalfünf haben. Es besteht also keine Notwendigkeit diesen Spieler unbedingt zu sichten. Es wäre bedeutsam, die Zweitspielregelung vor dem nächsten Länderpokal transparent und deutlich zu kommunizieren.

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Volle Halle im „Finale“

Futsalaussprache und -diskussion

Auch in diesem Jahr war keine größere Aussprache bzw. Diskussion der Futsalverantwortlichen von DFB und der Landesverbände mit der Basis geplant. Einzig der Vermerkt auf dem Programm „Aussprache“ suggerierte eine Diskussionsrunde mit den Auswahltrainern. Diese Aussage wurde jedoch relativ schnell durch den neuen Vize-Vorsitzenden der Kommission Futsal, Jürgen Stebani, relativiert. So wäre das Wort „Aussprache“ missverständlich formuliert. Angedacht war lediglich eine Diskussion zur Zukunft des Länderpokals – nicht jedoch zur Futsalentwicklung im Allgemeinen. So wurden elementare Themen nur sehr kurz und ohne konkrete Antworten angesprochen. Fest steht jedoch, dass ein Länderpokal 2018 geplant ist. Änderungen des Länderpokals sollen dabei in Abstimmung zwischen Auswahltrainern und Kommission stattfinden. Wie eine derartige Partizipation an der Gestaltung des Länderpokals jedoch konkret funktionieren soll, wurde nicht gesagt. Wichtig war hingegen die Aussage an die Basis, dass JEDER seine Anregungen per E-Mail an die Kommission (Bernd.Barutta@dfb.de)  richten kann – ein wichtiges Signal an die Basis und sehr erfreulich.

22.Team

Auch in diesem Jahr war wieder ein 22. Team zur Aufstockung notwendig, um den Modus durchzuführen. Zum Bedauern vieler Auswahltrainer wurde jedoch wieder eine eher unattraktive Mannschaft ausgesucht. Vorab standen verschiedene anderen Optionen zur Diskussion, welche vielleicht für die Zukunft überlegt werden können: das DFB-Nationalteam, eine U21 Auswahl oder eine Auswahl aller Spieler ohne deutschen Pass. Jeder dieser drei Optionen erscheint attraktiver als ein unbekanntes Team aus dem Ausland. Auch könnte aufgrund des sehr umfangreichen Spielplans überlegt werden die Teilnehmer zu reduzieren. Denkbar wäre, Verbände ohne eigene Futsal-Verbandsliga auszuschließen. Auch wäre ein Auf- und Abstieg der Letztplatzierten denkbar: der letzte oder die letzten drei Teams setzen ein Jahr aus. Beide Optionen würden zusätzlichen Anreiz zum Futsalwachstum in Deutschland schaffen.

Turniermodus und Fehlanreize

Das Hammesmodell hat sich im Groben über die letzten Jahre etabliert. Eine recht unmotivierende Eigenschaft besitzt das System jedoch. Wenn ein Team das erste Spiel sehr hoch verliert, dann tritt dieses Team in den kommenden Runden immer gegen den Schwächsten der Punktkategorie (gleiche Punktanzahl) an. Thüringen konnte sich so durch zwei sehr hohe Niederlagen am Ende auf Platz 14 spielen, da man die Punkte in drei Spielen gegen die beiden letzten und den viertletzten holte. Der Anreiz bei einer drohenden Niederlage im ersten Spiel auf hohes Risiko zu gehen und eine höhere Niederlage zu risiken ist somit gegeben. Die Aussagekraft des Hammesmodells in den unteren Rängen ist somit ebenfalls fragwürdig. Es könnte stattdessen überlegt werden die Team mit der gleichen Punktzahl nicht gegen den Tabellennachbarn spielen zu lassen, sondern den Besten einer Punktekategorie gegen den Schlechtesten, den Zweitbesten gegen den Zweitschlechtesten usw. antreten zu lassen. Eines – und das ist das wichtigste – liefert das Hammesmodell jedoch: einen verdienten Sieger und spannende Partien zwischen den besten Teams.

Spielqualität

Es wird immer deutlicher welche Verbände mit Spielern aus reinen Futsalligen spielen und welche Verbände noch mit überwiegend Fußballern antreten. Die Arbeit in den Futsalvereinen ist daher deutlich sichtbar gewesen . Der technische und taktische Vorsprung von „reinen“ Futsalspielern hat wieder einmal die Bedeutung von reinen, regelmäßigen Futsalligen deutlich gemacht. In der Spitze waren besonders die individualtechnischen und -taktischen Fortschritte jedoch nicht mehr so groß wie in den letzten Jahren, weshalb auch kaum neue Spieler auf sich aufmerksam machen konnten. Teamtaktisch war zu merken, dass sich zahlreiche Trainer mit der Grobthematik Futsal beschäftigt haben, auch wenn die nicht Futsal erprobten Spieler dies nur in begrenztem Maße umsetzen konnten. Auch nutzten zahlreiche Verbände einstudierte Standards, was auf eine ausführliche Vorbereitung hinweist. Aus Sicht eines Futsalenthusiasten, wurde abermals das „Flying-Goalkeeper-Spiel“ – eigentlich die Königsdisziplin des Futsals – zu häufig als Brechstange genutzt, wodurch die Spiele wieder durch unattraktive „empty net“-Tore entschieden wurden.

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Zusammenfassung

Der Länderpokal zwar zweifelsohne wieder ein Futsalhöhepunkt in Deutschland. Auch dieses Jahr haben sich die Spiele qualitativ verbessert, wenn jedoch mit geringerem Qualitätsanstieg  als in den letzten Jahren. Es war wieder ein gut organisiertes Event, welches jedoch noch Besser für die Bekanntmachung der Sportart genutzt werden könnte. Livestreaming wäre sicherlich eine passende und mögliche Option, das Turnier noch besser zu nutzen. Für eine effizientere Sichtung erscheinen Änderungen in den Teilnahmeregularien unausweichlich. Auch wird weiterhin eine Plattform für den Austausch von Meinungen und Entwicklungen vermisst. Hier könnte endlich eine „Futsaltagung“ Abhilfe schaffen. Das Turnier zeigt: Futsal hat Potenzial, aber der Boom lässt auf sich warten. So wirkte auch die Ansage „Aufnahme von Futsal in das Olympiaprogramm“ etwas „übermotiviert“ und sorgte bei Futsalinsidern eher zu einem Schmunzeln – aber ohne Träume keine Entwicklung.

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ein Kommentar

  1. Andreas Hölscher · · Antwort

    Sehr geehrte Herren,

    wir möchten Sie darüber informieren, dass der Sichtungslehrgang vom 19.-21. Februar 2017 aufgrund einer personellen Veränderung im Trainerbereich nicht sattfinden wird.

    Für Paul Schomann, der in den Ruhestand eintritt, wurde als neuer Nationaltrainer Marcel Loosveld verpflichtet. Aufgrund des Wechsels in der sportlichen Leitung ergibt sich auch eine Veränderung in der Jahresplanung. Wir werden Sie zu gegebener Zeit über die Jahresplanung informieren. Des Weiteren wird Ihnen Marcel Loosveld sein Konzept in naher Zukunft auch persönlich vorstellen.

    Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und verbleiben

    mit freundlichen Grüßen,
    DFB

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