Quo vadis Futsaldeutschland?

Wohin geht die Futsalreise in den nächsten Jahren? Nach der abgelaufenen Saison kann man sehr gespaltener Meinung sein. Zum einen gab es das langersehnte Debüt der Futsalnationalfünf. Auf der anderen Seite scheint sich in den Verbänden inklusive Spielbetrieb jedoch wenig zu tun. Wir möchten daher mal auf die verschiedenen Ebenen Futsaldeutschlands schauen und die Entwicklung analysieren. Stehen wir vor einem Boom, sind wir in einem Boom oder kämpfen wir weiterhin um das nackte Überleben?

Internationale Ebene

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Das erste „Trainingsspiel“ der deutschen Fünf in Georgien

Beginnen wir mit dem besten Signal der abgelaufenen Saison: es gab ein erstes „offizielles Trainingsspiel“. Paul Schoman, Fred Michalsky, Daniel Gerlach und Wendelin Kemper – das Trainer-Quartett – haben nach einem mehrstufigen Auswahlprozess einen sehr überzeugenden Kader zusammengestellt. Der selektierte Kader machte einen sehr einheitlichen Eindruck – ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt in der weiterhin kleinen Community. Die deutlichen Ergebnisse gegen Georgien mochten den einen oder anderen Neuling überraschen. Im Gespräch mit erfahrenen Trainern konnte der Leistung der DFB-Fünf einige positive Aspekte abgewonnen werden. Nun ist jedoch klar, wie weit Deutschland noch vom internationalen unterem Mittelfeld entfernt ist. Im direkten Vergleich mit ausgebildeten Futsalspielern waren die Defizite deutlich und greifbar. Bewegungsprofile und Technik sind noch zu sehr an das Fußballspiel angelehnt, wodurch sich gegen eine erfahrene Mannschaft keine Freiräume erspielen lassen. Leider muss daher an dieser Stelle resümiert werden: Entwicklung zur Nationalelf gut, eine Weiterentwicklung im technischen Bereich ist in den letzten Jahren jedoch kaum beobachtbar. Ein möglicher Grund könnte sein, dass  die meisten Spieler in den Vereinen nicht ausreichend technisch, sondern taktisch, geschult werden oder nebenbei noch Fußball spielen. Hier herrscht leider noch Stillstand in Futsaldeutschland.

Weiteres internationales Highlight: der UEFA-Futsal-Pokal. Auch dieses Jahr konnten sich die Hamburg Panthers wieder in die Hauptrunde spielen. Leider erzielten die Hamburger dieses Jahr mit Null Punkten und -25 Toren das schlechteste Abschneiden aller Teilnehmer des Hauptfeldes. Für eine Mannschaft, die seit nunmehr drei Jahren nahezu unverändert zusammenspielt und in Deutschland dominiert, eher ein Zeichen für Stillstand. Sicherlich war die kurzfristige professionelle Trainerverstärkung hilfreich. Ohne jedoch ganzjährig mit einem ausgebildeten Futsaltrainer zu arbeiten und das parallele Fußballspielen durch den Fokus auf Futsal zurückzufahren, ist auch für die nächste Spielzeit eine Verbesserung nicht zu erwarten.

Nationale Ebene

Das größte nationale Event war auch dieses Jahr wieder der Futsalländerpokal. Wie bereits analysiert (https://misterfutsal.de/2016/01/31/sinnhaftigkeit-des-laendesauswahlturniers-2016-sichtung-oder-event/) befindet sich dieser jedoch in einem Sinnstreit. Aufgrund unterschiedlicher Zielfunktionen von Verbänden, gestaltete sich die Sichtung nicht immer optimal. Jedoch war es bedeutsam zu sehen, wie wichtig das Event für die Community ist – alleine schon zum Erfahrungsaustausch zwischen Spielern und Trainern. Daher ist das Turnier wie in den vergangenen Jahres als ein großer Erfolg zu sehen. Jedoch ist auch hier Reformbedarf notwendig, möchte man die Effizienz des Turniers erhöhen. Zum Vorjahr hat sich daher die Stellung des Turniers kaum verbessert.

Fútbol Sala- Gol cómico- la final de la Liga alemana parecía un partido amateur Marca.com

Marca.com berichtet über das Finale

Dann war da noch die deutsche Meisterschaft. Nach dem letztjährigen Finale vor 2500 stimmungsfreudigen Zuschauern, sprach der eine oder andere schon von einem großes Schritt. Was sich jedoch diesmal bei nicht ausverkaufter Halle und nur 1500 Zuschauern zeigte: das letztjährige Ergebnis war getrieben von der herausragenden Kulisse eines Clubs. Ohne Holzpfosten Schwerte fand man sich – zuschauer- und stimmungstechnisch – wieder auf dem Niveau von 2013. Spielerisch, sowohl technisch wie taktisch, waren ebenfalls keine großen Fortschritte erkennbar. So war es auch nicht verwunderlich, dass sich die spanische Zeitschrift „Marca“ unter der Überschrift „la final de la liga alemana parecía un partido amateur“ (Finale der deutschen Meisterschaft wirkt wie eine Amateurpartie) über das spielerische Niveau amüsierte. Auch schaffen es die Clubs noch nicht die Euphorie aus den DFB-Meisterschaftsspielen in die Liga zu „holen“. So war es auch nicht verwunderlich, dass Hamburg Panthers, nun unangefochtener Serienmeister in Deutschland, im ersten Saisonspiel gegen Futsal Hamburg wieder vor weniger als 50 Zuschauern spielte. Bei einigen der DFB-Zwischenrundenspiele waren noch nicht einmal 100 Fans in den Hallen. Auch dies deutet leider nicht auf einen nationalen Boom hin.

Regionale Ebene

Mit der Bremenliga gibt es nun mehr eine Futsalliga mehr. Ansonsten sind jedoch nur marginale Ligenerweiterungen zu beobachten. Auch weiterhin bleiben ganze Landstriche futsalfrei. Die Zahl der Clubs wächst auf niedrigem Niveau. Ein Boom würde sich anderes äußern.  Die Hürden für neue Clubs sind weiterhin zu hoch. Größtenteils sollen neue Clubs hohe Kautionssummen abgeben, eine eigene Abteilung aufbauen und dann noch Schiedsrichter und Fahrtkosten selber tragen. Ohne die Einstiegshürden deutlich und gleichmäßig in allen Verbänden herunterzufahren, wird sich hier auch in Zukunft wenig tun. Die einzigen Vereine die einsteigen, sind namenhafte Fußballvereine, um sich ein Stück am Kuchen zu sichern. Diese Entwicklung ist als einzige positive in Bezug auf die regionale Entwicklung von Futsal zu treffen. Gerade 1860 München hat gezeigt, wie man mit einer geplanten Social-Media-Kampagne auf sich und den Futsal aufmerksam machen kann. Es kann gehofft werden, dass diese namenhaften Vereine auch andere Abteilungen und Vereine zur Gründung von Futsalteams bewegen.

Verbandsebene

Und auf der Verbandsebene? Kaum Veränderungen. Auch weiterhin wird ein einheitliches Trainerausbildungssystem vermisst. Auch ist es unverständlich, dass das Team um Bernd Barutta nicht endlich durch weitere Mitarbeiter vergrößert wird. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass der DFB sich den Wachstumsschub mit gleichbleibenden Mitteln „herbeiwartet“. Wie auch in der Realwirtschaft gilt jedoch, ohne Investments gibt es kein Wachstum. Auch in den Landesverbänden wird weiterhin mit Geld für weitere Futsalverantwortliche gespart. Wer also sollte eine Verbesserung herbeiführen? Die Clubs, die weiterhin größtenteils von aktiven Spielern geführt werden? Des Weiteren konnten sich nur wenige Landesverbände von der Fußballspielordnung lösen – ein Muss für die Zukunft. Aus Verbandsebene daher ganz klar das Fazit: von nichts kommt nichts – und schon gar kein plötzlicher „Boom“ von dem die Verantwortlichen gerne jedes Jahr aufs Neue „philosophieren“.

Fazit

Quo vadis? Im letzten Jahr leider wenig, mit kleinen „Hüpfern“. Große Veränderungen werden weiterhin vermisst. Teilweise liegt dies an mangelnden Investitionen von Seite des DFB und der Landesverbände. Wie man am Spiel der Nationalfünf erahnen kann – ohne ein flächendeckendes Futsalkonzept inkl. Futsal-Trainerausbildungssystem und systematisch-subventionierter  Jugendarbeit ist der Weg zu Europas Futsalmittelfeld in dieser Geschwindigkeit kaum aufzuholen, zumal sich andere Verbände auch stätig verbessern. Ein Futsal-Boom? (??) Auch dieser bleibt weiterhin aus. Vielleicht sollten wir uns alle von diesen blinden „Hoffnungen“ und inhaltsleeren Sprüchen wie „Futsal hat Potenzial“ verabschieden und realisieren, dass große Sprünge und Wachstum nur mit harter Arbeit möglich sind. Potenzial kommt nur durch eingesetzte Arbeit und nicht durch Hoffnungen. Um diese „Arbeit“ zu induzieren, wäre ein Signal durch DFB und die Landesverbände sehr wichtig: eigene Futsalorganisationseinheiten, separiert von der Fußballsparte. Ohne derartige große Strukturumbrüche könnte auch im nächsten Jahr das Fazit zur Entwicklung lauten: „Stets Bemüht“.

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