mundosala.es zum deutschen Futsal (Übersetzung)

Ein interessanter Artikel aus dem Ausland zum Stand des deutschen Futsal ist gestern veröffentlich worden. Auf mundosala.es, einer der relevantesten Blogs in Spanien zum Thema Futsal, hat Hugo Arribas (@hugarri) die Situation in Deutschland analysiert. Da der Artikel auf spanisch erschienen ist, wollen wir euch hier eine deutsche Übersetzung bieten, um euch den Blick von Außen auf Futsaldeutschland zu ermöglichen.

Originalartikel: El difícil camino del fútbol sala alemán

Der schwierige Weg des deutschen Futsals

Eine Analyse zu der Situation, die der deutsche Futsal aktuell erlebt.

Europameisterschafft nach Europameisterschaft, Weltmeisterschaft nach Weltmeisterschaft; jedes Mal gibt es eine Schussfolgerung, die sich wiederholt: Das internationale Niveau des Futsals ist kontinuierlich am wachsen. Allerdings gibt es neben viel Licht, leider auch noch viel Schatten.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind drei Länder hinter den Erwartungen geblieben: England, Frankreich und Deutschland. Drei Nationen, die über ein enormes wirtschaftliches und sportliches Potential verfügen und darüber hinaus über historische und gefestigte Fußballverbände verfügen (nicht umsonst haben alle mindestens einmal die Weltmeisterschaft im Fußball gewonnen). Desweiteren zählen deren nationalen Wettbewerbe zu den wichtigsten in der Welt. Demnach besitzen diese Nationen theoretisch ein perfekten System, in dem sich junge Sportarten wie der Futsal, die dort noch keine Tradition besitzen, nachhaltig entwickeln können.

In den letzten Jahren haben sich die drei Länder sehr unterschiedlich entwickelt. Und dies gilt sowohl für deren Nationalmannschaften als auch für die jeweiligen nationalen Wettbewerbe. In den nächsten Abschnitten werden wir die Auftritte der jeweiligen Nationen bei internationalen Wettbewerben (WM & EM) analysieren.

Frankreich konnte sich auf Grund einer schlechteren Tordifferenz nicht in der Vorrunde zur Euro 2014 qualifizieren, obwohl sich die Franzosen mit hohen Siegen gegen San Marino und Gibraltar durchsetzten. Für die Euro 2012 konnte sich die französische Mannschaft für die Qualifikationsrunde qualifizieren, allerdings belegten sie dann den letzten Platz in einer Gruppe mit Spanien, Kasachstan und Aserbaidschan. Für die Weltmeisterschaft in Thailand 2012 konnten sich die Franzosen ebenfalls die Vorrunde als eine der besten Gruppenzweiten überstehen. In der Qualifikationsgruppe konnten sie sich aber nicht gegen Portugal, die Slowakei und Litauen durchsetzen.

Für England lief die Vorrunde für die Qualifikation zur Euro besser. Als Gruppenerster setzten sich sich gegen Litauen und Zypern durch. Doch in der nächsten Runde mussten sie sich mit 0 Punkten gegen Slowenien, Ukraine und die Türkei geschlagen geben. Für die Euro 2012 schafften die Engländer nicht die Vorrunde zur Quali, bei der sie Estland schlagen, aber dafür gegen Mazedonien und Georgien verloren. Ein ähnliches Bild gab es bei der Qualifikation zur WM, zu der sie sich trotz eines zweiten Platzes nicht gegen Lettland, Zypern und San Marino durchsetzen konnten.

Unabhängig von der schwachen Leistung ihrer Nationalmannschaften ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich beide Nationen in Zukunft für die Finalrunde bei einer EM durchsetzen, da sich ihre jeweiligen nationalen Wettbewerbe gut entwickeln und höchstwahrscheinlich die Anzahl an Teams für die Endrunde von 12 auf 16 angehoben wird.

bild mundefutsal.es

Länder mit Nationalmannschaften – Ausschnitt aus dem Originalartikel von mundofutsal.es

Vollkommen anders verhält sich die Situation in Deutschland, den dort passiert eigentlich gar nichts. Deutschland ist ein schwarzes Loch, wenn es um den Futsal geht und besitzt dabei nicht mal eine Nationalmannschaft.

Die Deutschen sind damit eines von zehn der 54 Verbände der UEFA, die keine Nationalmannschaft besitzen, wenn man die Qualifikationsrunde zur letzten EM als Grundlage benutzt. (Weitere Nationen: Deutschland, Österreich, Schottland, Wales, Irland, Nordirland, Island, Färör Inseln, Luxemburg und Lichtenstein).

Es ist schon sehr bemerkenswert, dass Länder wie Andorra, Malta, San Marino oder gar Gibraltar über Nationalmannschaften verfügen und Deutschland nicht. Um zu verstehen, wieso die Situation so ist, haben wir Informationen aus erster Hand eingeholt.

Steffen Bonnekamp, Trainer von Futsalicious Essen [und der FVN-Auswahl], hat gegenüber Mundo Sala die schwierige Situation des Futsals in seinem Land erklärt. In den Worten von Steffen gibt es zwei Hauptprobleme: Der Amateurcharakter der Sportart und Hindernisse durch die Verbände.

Im Unterschied zu England oder Frankreich besitz Deutschland keine „Bundesliga“ (bzw. nationalen Wettbewerb/Liga). In England wird seit einigen Spielzeiten eine nationale Liga in drei Gruppen ausgespielt (Nord, Mitte und Süd), während in Frankreich vor kurzen der Schritt von zwei zu einem überregionalen Oberhaus vollzogen wurde. Im Gegensatz dazu ist der einzige Wettbewerb, der in Deutschland vom DFB ausgetragen wird, der DFB-Futsal-Cup, bei dem acht Mannschaften im K.O.-Modus gegeneinander antreten. Die Teilnehmer werden anhand von den Gewinnern verschiedener Regionalligen oder anderer Turniere kleineres Maßstabes ermittelt, wenn diese Region über keinen Ligabetrieb verfügt. Der Sieger des Turniers erhält den einzigen Startplatz zur Qualifikation für den UEFA Futsal Cup.

Obwohl es seitens des DFB theoretisch der Wille vorhanden ist, eine Art „Bundesliga“ zu kreieren, gibt es für diese noch keinen festen Termin, wodurch die vorhandenen Teams vom guten Willen ihrer Verbände abhängig sind, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Aktuell werden in nur sieben der 21 Landesverbände in Deutschland eine ordentliche Futsalliga ausgetragen, da für die meisten eine Austragung eine zu große Belästigung ist, die nicht eingegangen werden möchte.

Das Fehlen einer „Bundesliga“ ist eines der Hauptargumente in der Diskussion zur Rechtfertigung einer Nationalmannschaft. Dies steht allerdings im vollkommenen Gegensatz zu den Vereinen und Spielern, die sogar eine Facebook-Seite gegründet haben, die auf die Unterstützung aller Beteiligten hofft, um das große Ziel zu erreichen. Ein weiteres Argument, so Steffen, könnte sein, dass der DFB, der daran gewöhnt ist, immer um die Titel als Favorit zu kämpfen und diese auch zu gewinnen, keine Nationalmannschaft stellen mächte, die in den ersten Jahren keine Chance auf hohem Niveau hat und so das „Prestige“ des DFB aufs Spiel setzt.

José Vicente Mañanes, Torhüter von Arcebansa Zamora, hat vor zwei Jahren während eines Erasmus-Programms bei den Lions Düsseldorf gespielt und die Eindrücke von Steffen bestätigt. Der Amateurcharakter der Teams, im Zusammenhang mit dem Fehlen eines nationalen Wettbewerbs sowie das Ausbleiben von Sponsoren (wegen des fehlenden Niveaus), verhindert die Ankunft von ausländischen Spielern und Trainern, die das Niveau des deutschen Futsals anheben. Nach derzeitigem Stand könnten als Beispiel die besten deutschen Teams wohl in der unteren Hälfte der dritten oder vierten spanischen Liga spielen.

Dieser Umstand ist komplett entgegengesetz zu dem, was in Frankreich und Endland geschieht, bei denen viele ausländische Spieler und Trainer (vorrangig Spanier) Einsatz finden. Herauszuheben ist speziell der Transfer von Javi Rodriguez (ehm. Kapitän der spanischen Nationalmannschaft) zum amtierenden englischen Meister. Ebenfalls zu nennen sind Marcelo, Carlos Muñoz oder José Carlos in England oder Busquets, Nacho Pedraza, Frois und Juanito in Frankreich, um einige zu erwähnen. Das sind Transfers, die dem englischen und französischen Futsal eine gute Zukunft bescheren können.

In Deutschland hat man dafür nicht den Eindruck, dass man Fortschritte sondern sogar Rückschritte macht. Bis vor zwei Jahren hat der DFB eine „nicht-offizielle“ Nationalmannschaft jedes Jahr berufen, in der die besten Spieler der jeweiligen Regionen, unabhängig von der Nationalität, berufen worden. Dies wurde als Vorläufer der Nationalmannschaft erachet. Leider wird dieses Team nicht mehr berufen.

Ein weiterer Aspekt den Steffen nennt, ist die Einstufung des Futsals als Freizeit- und Breitensport, also eine Stufe unter anderen Sportarten wie Fußball, Basketball, Handball oder Volleyball. Dies erschwert den Vereinen, auf Subventionen zu hoffen oder zum Beispiel ausreichend Hallenzeiten zu erhalten. Außerdem darf man nicht die Popularität des „deutschen Hallenfußballs“ vergessen, die dort große Hallen füllt solange die Fußballliga in der Winterpause steckt.

Trotzdem war die vergangene Saison eine historische für den deutschen Futsal. Der amtierende deutsche Meister, die Hamburg Panthers, erreichten als erstes deutsches Team die Hauptrunde des UEFA Futsal Cup. Leider wurden die Hanburger Letzter dieser Runde (14-1,4-2,1-6). Kurioserweiße war es auch das erste Mal, dass es ein englisches Team in die Hauptrunde geschafft hat, obwohl die Ergebnisse komplett andere waren, da sich Baku United fast bis in die Elite Runde spielte. Denn eines steht fest: Es ist nicht das gleiche mit Chema Jiménez auf der Bank und mit Toñete, Carlos Muñoz, Arnaldo, Betinho und Marcelo aufzulaufen, als mit Ceylani, Labiadh, Lindener, Meyer und Onur Ulusoy. Wenn du nicht wettbewerbsfähig bist, ist es nunmal schwierig dich zu entwickeln.

Was meint ihr dazu? Was meint ihr zu dieser externen Einschätzung? Trifft sie voll ins „Schwarze“? Und was kann der deutsche Futsal tun, um die Situation zu ändern? Lasst es uns in den Kommentaren erfahren!

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