Ansätze zur Futsalentwicklung durch die Basis

 Das Jahr 2016 war ein Jahr mit deutlichen Entwicklungsfortschritten seitens des Dachverbandes DFB. Die neugegründete Nationalmannschaft traf sich zu mehreren Lehrgängen und präsentierte sich und den deutschen Futsal in Hamburg als zukunftsträchtig. Auch absolvierte 2016 „die Nationalfünf“ die ersten Pflichtspiele in der EM-Qualifikation. Dazu wird Futsal von 2017 an als Modul (zunächst in einzelnen Verbänden zur Probe) in der Fußballtrainerausbildung, zur Lizenzverlängerung C und B, angeboten. Kurz vor dem Jahreswechsel dann sogar die Nachricht eines Futsalleistungszentrums in Duisburg, (welches sich im Nachhinein als „internes“ Zentrum des Fußballverband Niederrheins entpuppte), gekoppelt mit weiteren Entwicklungszielen im neuen Masterplan 2017 und einer eigens gegründeten Futsalkommission.

Von oben gibt es also einige, prägnante Fortschritte, die nun nach Aktivität an der Basis – zur Förderung der Quantität und Qualität im Futsalsport – verlangen. Denn statt des immer angesprochenen Futsalbooms ist eher eine Stagnation in der Entwicklung an der Basis auszumachen. Es ist doch schließlich die Basis, die einen geregelten Futsalspielbetrieb in Deutschland – durch (neue) Vereine und Spieler – und damit letztlich auch die Landesverbände mit den Landesauswahlteams, die Nationalmannschaft und damit auch den DFB füttert – erst ermöglicht. Futsal in Deutschland soll folglich, wachsen nur wer für das Wachstum verantwortlich ist, ist unklar. So sagt die Basis, die Verbände müssen Futsal forcieren und die Verbandsseite nimmt hauptsächlich die Basis in die Pflicht. Eine Pattsituation wobei die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte liegt. Nur solange die Grabenkämpfe andauern und die Verantwortung weiter hin- und hergeschoben wird, geschieht nichts weiter als Stagnation und Rezession.

In diesem Artikel sollen Fördermaßahmen für Qualität und Quantität durch die Basis beschrieben werden, die das Fundament in Futsaldeutschland stärken und von „unten“ her ausbauen könnten.
 

Werbung

Der naheliegenste und wohl schon am meisten praktizierte Punkt ist sicherlich Werbung. Viele Vereinsspieler  und Funktionäre stehen im ständigen Dialog mit potentiellen Interessenten und lassen nahezu keine Möglichkeit aus, um Futsal zu erklären und promoten. Einige Vereine setzen Annoncen in Zeitungen, ins Internet, kleben Plakate oder machen Aushänge an Universitäten, um auf sich aufmerksam zu machen. Dazu werden bereits Sponsorentermine wahrgenommen oder Präsentationen in Fußballvereinen und Verbänden gehalten. Viele Clubs führen darüber hinaus Homepages oder Profile in sozialen Netzwerken. Besonders hier wird viel geworben, doch meist bleiben die Informationen in der Community oder im Bekanntenkreis „hängen“, da häufig nur Futsalfans, Futsalspieler oder futsalaffine Bekannte diese Informationen überhaupt erhalten. Einige wenige Vereine nutzten auch schon lokale Radiostationen oder regionale Fernsehsender als Plattform.

Werbung ist immer mit viel Einsatz und häufig auch mit Kosten verbunden und nur ein Bruchteil dessen, was eingesetzt wird, zahlt sich hinterher aus. Doch der Clou dabei ist hartnäckig zu sein, einen langen Atem zu beweisen und vor allem langfristig zu denken. Nur langfristig angelegte Projekte/Aktionen/Werbemaßnahmen helfen dem Wachstum und haben Chancen auf Nachhaltigkeit. Kurz angelegte, hektische  und wenig durchdachte Werbeaktionen sind in vielen Fällen wenig erfolgsversprechend. In jedem Verein sollte daher im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit clever und ausreichend geplant werden, welche Maßnahmen von wem wie durchgeführt werden. Besonders der Einsatz von Ressourcen (Geld, Manpower, Materialien) ist wohlüberlegt zu planen und koordinieren. Verteilte Last ist in diesem Fall halbe Last. Kontakte zu anderen Clubs oder dem Landes- bzw. dem Regionalverband sind sicherlich sinnvoll, um sich bei Planungsvorhaben Tipps, Kniffe, Material und Unterstützung zu erfragen.

 

Turniere/Testspiele

Ein weiser Philosoph sagte sinngemäß, dass das durchdachteste Wort etwas tatsächlich Erlebtes nicht gleichwertig umschreiben könne. Daher ist der Selbstversuch immer noch das beste Mittel, um nachhaltig zu überzeugen. So wurde bspw. im FLVW eine Vielzahl an Werbungsturnieren für Fußballvereine angeboten, die großen Zulauf fanden und schlussendlich das Ligasystem der dortigen Westfalenliga formten. Mit viel Engagement seitens der Basis und entsprechender Werbung des Verbandes wurden viele Spieler gewonnen, und etliche Vorurteile gegen Futsal widerlegt. Auch Showevents, wie der „Kampf um die Hallenkrone“  – bei dem der in dem Fall westdeutsche Futsalmeister den Dortmunder Hallenstadtmeister forderte und schließlich bezwang, zogen nicht nur das mediale Interesse auf sich.

Von einzelnen Futsalteams wurden Testspiele gegen sich in der Saisonvorbereitung befindenden Fußballteams vereinbart und durchgeführt. Fast immer waren die Resonanzen positiv und bestehende Vorurteile konnten abgebaut werden. Um Turniere zu veranstalten braucht es vor allem zahlreiche Helfer. Auch hierzu empfiehlt es sich, auf den Erfahrungsschatz anderer Vereine zurückzugreifen. So können Turniere auch mit anderen Vereinen gemeinsam ausgerichtet werden. Der Landesverband sowie der Fußballkreis sollte ebenfalls helfend mit einbezogen werden. Einzelne Testspiele vorzubereiten sind weniger arbeitsintensiv. Speziell zur Winterzeit haben Fußballmannschaften Hallenfußballturniere vor sich und nehmen Testspielanfragen in der Regel an. Auf Initiative seitens der Fußballvereine sollte nicht gewartet werden, denn diese würden von allein äußerst selten auf den Gedanken kommen, gegen ein Futsalteam zu testen. Gleich ob Turnier oder Testspiel, das Regelwerk sollte stets futsalspezifisch ausfallen und keine Kompromisse wie bspw. große Tore, Bruttospielzeit, fünf Feldspieler oder das Spiel ohne 4 Sekunden-Regel zulassen.

 

Informationsveranstaltungen/Trainingseinheiten

Die meisten Futsalspieler haben eine Fußballausbildung hinter sich und gehören somit einem Fußballverein an. Auf diese ehemaligen Vereine sollten eben jene Ehemalige und Futsalrepräsentanten aus den Futsalvereinen zugehen und eine Informationsveranstaltung mit anschließender Ausprobierphase anbieten, die das Spiel Futsal Schritt für Schritt verdeutlicht und erklärt. Meistens liegen die Schwierigkeiten und Vorurteile der Fußballvereine in der Unkenntnis der Regeln. Durch (im besten Fall) gefährliches Halbwissen wird der Futsal mystifiziert und stößt somit auf Ablehnung. Die Erklärung einerseits mit der anschließenden Erprobung wird viele Aspekte der Kritik verstummen lassen.

Eine gute Quelle an neuen Spielern könnten auch diejenigen Spieler sein (gleich ob Senioren oder ältere Junioren), die in ihren Fußballvereinen häufig bis immer nur auf der Bank schmoren müssen, oder solche, die aus fußballtechnischer Sicht aussortiert werden/wurden. Häufig sind diese Kicker enttäuscht vom Fußball auf dem Großfeld und sind oftmals auch offen für Neues. Gerade vermeintlich „gescheiterte“ Fußballer haben es gerne, wenn man sich um sie bemüht und sind offen für eine neue Herausforderung. Wenn diese Spieler durch Futsal im Verein blieben, gäbe es beim Fußballverein, dem Spielers und einer möglichen Futsalabteilung nur Gewinner.

Auch der berechtigte Kritikpunkt, dass Futsal den Fußballvereinen die Spieler entzieht, kann durch das Eröffnen einer eigenen Futsalabteilung im Fußballverein entgegengewirkt werden. Unter Umständen können bereits exisiterende eigenständige Futsalvereine durch eine Fusion mit einem bestehenden Fußballverein strukturelle wie personelle Vorteile erhaschen und die Hallenzeitsuche könnte einfacher werden. So geschehen bei Bayer Uerdingen, Holzpfosten Schwerte, Fortuna Düsseldorf, Wuppertaler SV, Werder Bremen, Hamburger SV, FC St. Pauli, Hannover 96, Eintracht Braunschweig…) Gerade im Jugendbereich sind meist nur die Trainer vorbelastet. Kindern und Jugendlichen macht das Spiel mit dem sprungreduzierten Leder oftmals Spaß, denn ihnen ist es gleich, ob sie Hallenfußball traditionell oder nach Fifa-Regeln spielen. Die Hauptsache für sie ist, dass sie überhaupt kicken dürfen. Es empfiehlt sich erneut eine Vernetzung mit anderen Futsalvereinen in Bezug auf Planung, Durchführung und Auswertung der Veranstaltungen.

 

Wissensaustausch/Patenschaften

Viele Futsalteams bleiben in der Trainingsarbeit in ihren eigenen Reihen. Wer einen gut ausgebildeten Trainer an der Hand hat, hat Glück, wer über Wissensquellen verfügt, ebenfalls. Alle anderen haben Pech. So wird Mannschaft A mit talentierten Spielern und fundiertem Wissen in der Liga meist besser dastehen, als Team B mit talentierten Spielern ohne Wissen.  Das ist zwar kurzfristig gut für Mannschaft A, jedoch werden sie sich irgendwann nicht mehr steigern können, denn sie haben keinen adäquaten Gegner, der sie fordert. Die Folge ist Stagnation. Daher ist es langfristig gesehen unabdingbar, sein Wissen mit anderen Teams zu teilen und ihnen gleiche Entwicklungschancen zu bieten. Wenn der Gegner besser wird, muss ich mich selber steigern, um mithalten zu können.

Der Wissenstransfer kann in einem Symposium der Trainer beginnen. Hierzu treffen sich alle Trainer einer Liga, referieren und diskutieren taktische, methodische und spielerische Aspekte. Dabei ist der Punkt diskutieren sehr wichtig, denn nur so formt man eine einheitliche Sprache und räumt ggf. Missverständnisse aus. Dies fordert die Bereitschaft zu geben, aber auch zu nehmen. Auch wenn anfangs nur zwei Trainer kommen, ist das schon ein Gewinn. Darüber hinaus sollten Patenschaften für neue Teams eingerichtet werden. So nimmt ein bestehender Verein Kontakt zu interessierten oder neu gegründeten Teams auf und bietet seine Hilfe im Aufbau an. So kann strukturell und auch inhaltlich geholfen werden und Konstanz geschaffen werden. Zudem fördert solch ein Patenmodell den sozialen Aspekt im Sport. Auch der Verband sollte im Bereich Wissensaustausch einbezogen werden. In den meisten Verbänden sind mittlerweile futsalaffine Mitarbeiter, die zumindest Kontakte vermitteln können.

Futsal in der Schule/ im offenen Ganztag

Kinder sind unsere Zukunft und das auch im Futsal. Daher bieten sie die ideale Zielgruppe. Gerne spielen Jungen und Mädchen Fußball, doch kommen viele mit dem stark springenden Fußball nicht zurecht oder entwickeln Angst vor Kollisionen mit dem Spielgerät. Hier bietet sich der Futsalball und somit das Spiel Futsal an. Im Elementarbereich der Grundschule können im Sportangebot der offenen Ganztagsbetreuung Arbeitsgemeinschaften (AG’s) eingerichtet werden. Dazu müssen Grundschulen gezielt angesprochen werden, ob Interesse an einer solchen AG besteht. Voraussetzung für den AG-Leiter ist lediglich ein Übungsleiterschein. In den weiterführenden Schulen ist die Einführung einer AG durch außenstehende nicht so ohne weiteres möglich. Dennoch war jeder einmal auf einer Schule. Hier können ehemalige Sportlehrer angesprochen werden und zu Spielen eingeladen werden. Im Idealfall wächst das Interesse an Futsal hin zur fachlichen Weiterbildung.

 

Workshops für Kinder/Jugendliche/Studierende

Viele Jugendliche kicken gerne im Nachmittagsbereich und besuchen Jugendtreffs, Jugendcafés oder Jugendzentren sowie Ferienprogramme und Ferienfreizeiten. Auch hier sollte Kontakt aufgenommen und Futsal als Workshop angeboten werden. So können neue Spieler an den Futsal herangeführt werden oder gar gefunden werden. Besonders jugendliche mit Migrationshintergrund kennen Futsal bereits aus ihrem Heimatland. Ihr vorhandenes Wissen und ihre Spielerfahrungen können im Futsalverein gut gebraucht werden. Folglich sollten diese in Futsalvereine gebracht werden.Im günstigsten Fall können neue Teams gewonnen werden. Beste Beispiele sind hier der MCH Sennestadt oder Bestia Lotte. Beide Teams haben/hatten Anschluss an Jugendeinrichtungen. Ebenfalls ist das Potential an einer Hochschule nicht zu unterschätzen. Besonders hier gibt es immer wieder interessierte Studierende (speziell Migranten), die Futsal kennen oder kennenlernen möchten. Im Bereich des Hochschulsportes können Futsalkurse angeboten werden und dadurch das Spiel an sich vorgestellt und letztlich auch Interessierte Spieler gewonnen werden. Einige bekannte Beispiele sind sicherlich der UFC Münster, Futsal Panthers Köln, HRSW Kleve, Futsalicious Essen und UFC Paderborn.


Fazit

Selbstredend hätten Verbände die Geldmittel und den Einfluss, um schnell Veränderungen und Verbesserungen herbeizuführen, doch werden die Sportpolitik und die Gemächlichkeit demokratischer Reformprozesse in Deutschland unterschätzt. So ist für viele Leute in der Futsalbasis die Schwerfälligkeit einer Entscheidungsfindung ein berechtigter Kritikpunkt, der die vielen engagierten Einzelkämpfer vielerorts ausbremst, lähmt und auslaugt. Am besten müssen – aus Sicht der Basis – Veränderungen und Fortschritt sofort erkennbar sein, doch das kann kein Verband ad hoc gewährleisten.

Fakt ist, die Weiterentwicklung von Quantität und Qualität im Futsal ist ein gleichgewichtetes Ziel für den DFB und die Basis. Dieses gelingt weder nur vom Fundament noch allein von der Spitze der hierarchischen Verbandsstruktur. Doch gemeinsam geht es stetig aber langsam voran. Wenn die Basis weiter erfolgreich am Fortschritt schrauben möchte, sind Austausch und Vernetzung regional wie überregional unabdingbar. Zurzeit gibt es viele Einzelkämpfer, die versuchen, Ideen und Pläne zur Weiterentwicklung zu verwirklichen, doch Einzelkämpfer ermüden schnell.

Werbung, Informationsveranstaltungen, Turniere, Testspiele, AG’s und Workshops bringen alle einen Haufen Arbeit mit sich. Doch ist in allen Fällen eine gemeinsame Planung und Durchführung für den Einzelnen weniger Arbeit und Stress. Bestehende Konzepte können ausgetauscht und angepasst, Präsentationen ergänzt und verfeinert, Broschüren überarbeitet und Turniere gemeinsam ausgerichtet und beworben werden. Verteilte Last ist angenehmer zu tragen und die Community rückt näher zusammen.

Wissensaustausch im fachlichen Sinne bildet eine wichtige Basis zur Verbesserung der (Trainings-)Qualität. Diejenigen, die neue Quellen erschlossen haben und Lehrgänge besucht haben, sollten ihr Wissen schnellstmöglich mit anderen teilen, damit darüber (auch kontrovers) diskutiert werden kann. Doch das fordert auch die Bereitschaft ein, zum Austausch zu erscheinen und aktiv mitzudiskutieren. Viele Trainer beklagen, dass sie einige Inhalte schon mehrmals gehört haben, doch die Diskussion und die Auffassung anderer dazu kennen sie nicht. Zudem schadet es in keinster Weise, wenn man einzelne Inhalte auffrischt und sie auch mehrfach hört, denn so bleiben sie länger im Fokus. Es geht also nicht immer darum etwas bahnbrechend Neues zu erfahren, sondern sich mit dem vorliegenden Thema kritisch auseinanderzusetzen, es zu vertiefen und schließlich dieselbe Sprache zu sprechen. Der Schlüssel liegt in der Gemeinsamkeit. Es gibt viel zu tun, packen WIR es GEMEINSAM an!.

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