„The Big Short“: Warum auch kleine Futsaltorhüter weltklasse sind

Der Torhüterhimmel der vergangenen Futsal-Weltmeisterschaft in Kolumbien wurde einem der kleinsten geschenkt: Nicolas Sarmiento. Mit gerade einmal 1,68m überzeugte der Argentinier durch perfektes Stellungsspiel, Bewegungsprofile und großen Einsatz. Der Keeper von Palma Futsal war einer der Hauptfaktoren für den Gewinn des Weltmeistertitels. Viele können bzw. konnten es nicht glauben, als die Kommentatoren die Körpergröße des Keepers erwähnten. Mit 1,68m reicht es im Fußball kaum für die U14-Kreisauswahl. Im Futsal hingegen scheint es keine perfekte Größe zu geben, wenn wir uns die besten Keeper der Welt mal anschauen (Tabelle).

Name Nation Größe Geburtsjahr
Nicolas Sarmiento Argentinien 168cm 1992
Bebè Portugal 173cm 1983
Tiago Brasilien 173cm 1981
Stefano Mammarella Italien 176cm 1984
Higuita Kazachstan 180cm 1986
Gustavo Russland 183cm 1979
Juanjo Spanien 185cm 1985
Carlos NANEZ Kolumbien 187cm 1986
Paco Sedano Spanien 190cm 1979

Trotzdem ist oft an verschiedenen Ecken (gerade bei Futsaleinsteigern) zu hören, dass bestimmte Keeper zu klein wären. Mit Blick auf die obere Tabelle ist dies widerlegt. Doch warum spielt die Körpergröße eines Futsaltorhüters eine geringere Rolle als im Fußball oder Handball bzw. warum sollten Trainer kleinere Torhüter ebenfalls fördern?

Die Torgröße

Einer der Hauptgründe ist sicherlich die Größe des Futsaltors. Im Gegensatz zu einem Fußballtor, deckt auch ein kleiner Torhüter problemlos Latte und Posten so ab, dass ein Ball nur schwer zwischen Finger und Posten/Latte passt. Im Fußball kann ein Torhüter dahingegen gar nicht lang genug sein, da das Tor schlicht zu breit ist. „Lange“ Bälle die hinter einem kleinen Torwart ins Netz fallen gibt es im Futsal auch selten. Während im Futsal kleinere Keeper (besonders durch kürzere Beine) Bälle in den Ecken des Tores schlechter erreichen, so sind kleinere Torhüter jedoch oft flinker. Statistisch gleichen sich die Nach- und Vorteile aus. Ein großer Keeper hält vielleicht einen langen Ball ins Eck, dafür kann er den Ball zwischen den Beinen schlechter abwehren. Auch kann ein kleiner Keeper  einfacher durch einen Lobball überwunden werden, dafür ist er flinker wenn der Angreifer den Torwart umlaufen möchte. Einfach gesagt: Agilität und Reichweite halten sich in der Bedeutung der Ballabwehr die Waage, weshalb jede Körpergröße ihren Vorteil hat.

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Nicolas Sarmiento

Die Technik

Der Futsalkeeper agiert eher passiv und versucht selten einen Ball aktiv und bewusst abzuwehren. Zu 90% ist der Körper richtig zu positionieren, sodass der Ball am Körper „abprallt“. Gerade durch diese Standardtechnik im 1 vs. 1 (Kreutzstellung) wird die fehlende Körpergröße weniger relevant, da vor allem der Oberkörper die Einschussfläche abdeckt. In der Kreutzstellung haben größere Keeper natürliche eine größere Spannweite der Arme und können mehr Fläche abdecken. Jedoch sind kleinere Keeper schneller in der Armbewegung und können Bälle nah am Körper besser blocken. Außerdem: im Bestfall sollte der Gegner 1m beim 1 vs. 1 vor dem Torwart stehen – so nah am Gegner erscheint jeder noch so kleine Torwart unüberwindbar.

Selten hohe Bälle

Im Fußball muss der Torhüter vor allem für die Strafraumbeherrschung groß sein. Im Futsal gibt es jedoch selten „Flanken“ und selbst wenn, haben die Angreifer kaum Zeit Geschwindigkeit für den Absprung aufzunehmen, weshalb diese nicht so hoch springen können wie im Fußball. Die Abwehr wird so auch für kleinere Keeper möglich, zumal der Ball nicht weit „weggefaustet“ werden muss, sondern nur ins nahe Aus zu lenken ist.

Abwürfe und Feldqualitäten wichtig

Im Futsal greift der Torhüter besonders durch seine Abwürfe in den Angriff ein. Dabei wird häufig der Hüftwurf eingesetzt. Dabei ist es umso besser, je flacher der Ball auf den Boden trifft, damit der eigene Spieler den Ball optimal kontrollieren kann. Größere Torhüter haben jedoch einen größeren Abstand zum Boden, weshalb kleinere Keeper flacher abwerfen können. Im Gegensatz dazu, haben größere Keeper größere Hände und weite Hochabwürfe können präziser durchgeführt werden. Des Weiteren sind kleinere Spieler wendiger im Feld und als fünfter Spieler ist diese Aufgabe im Futsal sehr häufig gefordert. Im Gegenzug dazu, haben größere Keeper einen Vorteil bei Herauslaufen, um einen hohen Ball mit einem Kopfball vor dem gegnerischen Pivot abzuwehren.

Alter

Neben den Abweichungen in den durchschnittlichen Körpergroßen fällt auch das durchweg höhere Alter bei Futsaltorhütern der Weltspitze auf (Tabelle). Gerade im Futsal ist durch die passive Abwehr von Schüssen das Gefühl für die Situation und das Stellungsspiel der entscheidende Faktor zum Erfolg. Diese Fähigkeiten beruhen auf Lernkurven, wodurch ältere Keeper jüngeren und agileren Keepern überlegen sein können. Ein Futsaltorwart kann so ohne Probleme bis 40 auf internationalem Topniveau spielen.

Zusammenfassung

Futsal ist für kleine wie große Torhüter eine Chance, denn die Nachteile eines kleinen/großen Körpers werden sehr gut durch Vorteile des kleinen/großen Körpers kompensiert. Somit hat ein großer Torhüter keinen so überragenden Wettbewerbsvorteil wie im Fußball. Die Körpergröße ist daher für einen Futsalkeeper eher nachrangig. Kleine Torhüter sollten daher genauso gefördert werden. Vielmehr sollte der Torhüter Agilität, Koordinationsschnelligkeit, Körperspannkraft, Abwürfe, das Fußspiel und die richtigen Grundtechniken beherrschen.

Ein Grund warum viele Futsalkeeper zwischen 1.70 und 1.80 sind, ist oftmals auch die Ausselektion aus dem Fußball. Viele Torhüter versuchen sich erst im Fußball, wobei im Jugendalter irgendwann feststeht, dass die Mindestgröße von 1.80m nicht erreicht wird, wodurch diese Keeper in den Futsal wechseln.

Am Rande: Auch die Futsaltorhüter bekommen für die Wahl zum besten Torhüter der FIFA-Weltmeisterschaft einen goldenen HANDSCHUH –  No comment 🙂

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Sarmiento mit dem goldenen Handschuh

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ein Kommentar

  1. Große Torhüter haben natürlich den Vorteil, dass sie einschüchtern und direkt für den Angreifer ein größeres Hindernis suggeriert. Definitiv und aus eigener Erfahrung trügt der erste Eindruck auch häufig. Kleine Torhüter also immer gern gesehen und aufgrund der häufigen Flinkheit am Boden auch Potential für die Spitze! Toller Bericht DW

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