Die Zukunft der Futsalsichtung in Deutschland

Wir freuen uns eine neue Kraft in unserem Team begrüßen zu dürfen. Der Futsalromantiker gibt sein Debüt bei Mister Futsal mit dem Thema Futsalsichtung.

Futsal ist zurzeit in aller Munde. Obwohl in der Szene vorab kontrovers über Organisation des Events, Nominierungen des Kaders, Zusammenstellung des Funktionsteams und Führung des DFB-Teams diskutiert wurde, lieferte die DFB-Fünf zwei solide Spiele mit erfreulicher Kulisse und respektablen Ergebnissen ab. Soweit so gut. Doch was nun? Abwarten und Beobachten? Wie sehen die nächsten Schritte aus? Einige momentane Leistungsträger sind nahe oder bereits über 30 und somit mit geringem Steigerungspotenzial. Wie rückt Qualität nach? Wie wird sie entdeckt und gefördert? Wie kann man möglichst schnell kostengünstig stetige Erfolge mit reinen Amateuren (denn das sind nahezu alle Spieler) erzielen?

Da ein flächendeckender, bundesweiter, verbandsübergreifender, einheitlicher Spielbetrieb fehlt, findet ein Großteil der Sichtung künftiger Nationalspieler beim Landesauswahlturnier in Duisburg statt. In den vergangenen drei Jahren schafften es etliche Spieler ins Notizbuch der Scouts. Diese wurden nach und nach in den bisherigen Lehrgängen des DFB auf einen 18er Kader reduziert. Was immer wieder auffiel: Körperlich und technisch starke (Fußball-)Spieler wurden geladen, doch fehlte es einigen von ihnen an Erfahrungen im geregelten Futsalspielbetrieb.

Im kommenden Jahr steht ein weiteres Landesauswahlturnier an, doch das genaue Ziel dessen ist unklar. Die nun bestehende Nationalmannschaft geht bereits wenige Wochen nach dem Turnier in die erste EM-Qualifikationsrunde. Gravierende Änderungen im Kader sind – sportlich gesehen – nicht wahrscheinlich, somit werden die vermeintlich neu gesichteten Spieler bestenfalls zu Perspektivspielern. Die Frage bleibt im Raum, was der DFB mit diesen Spielern zu tun gedenkt.

Ein Ansatz wäre es, weitere DFB Förderlehrgänge zu schaffen. In solchen Förderlehrgängen besteht die Möglichkeit die eigene Spielphilosophie zu vermitteln und zu erproben und technisch-taktische Feinheiten zu erarbeiten und zu verbessern, so dass neue Spieler nicht wieder „bei null“ anfangen müssen. Zusätzlich wandert neuer Input in die Vereine und es kommt zu weiteren Verbesserungen in der lokalen Vereinsarbeit, wovon letztlich auch der nationale Wettbewerb profitiert. Dazu bestünde die Möglichkeit, kurzzeitig eine B-Mannschaft zu gründen, ähnlich dem „Team 2006“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Spieler_im_Team_2006 ). Dabei handelte es sich um eine Perspektivmannschaft im Hinblick auf die damalige Fußballweltmeisterschaft im eigenen Lande. Hieraus gingen damals Spieler wie Mario Gomez, Arne Friedrich, Timo Hildebrand, Robert Enke oder Tim Borowski hervor.

Ähnlich wie auch beim großen Bruder Fußball sollte auf längere Sicht ein Unterbau für die A-Nationalmannschaft geschaffen werden. In einer U-Nationalmannschaft kann man Spieler bereits in jungen Jahren fördern und an die A-Mannschaft heranführen. Da Futsal in Deutschland bislang eine Seniorensportart ist und die Akquirierung jugendlicher Futsalspieler in Seniorenmannschaften verbandspolitisch schwierig ist, wäre zunächst eine U21 denkbar. Durch die frühzeitige Ausbildung von jungen Spielern könnte man somit zügig einen homogenen Spielerpool schaffen und gleichzeitig auch indirekt das Niveau der regionalen Wettbewerbe weiter anheben.

Mangels Bundesliga und flächendeckendem Spielbetrieb, sowie fehlender bundesweiter Ganzjahres-Jugendwettbewerbe wird sich das Scouting vorerst weiterhin auf das Landesauswahlturnier stützen. Hier wäre es perspektivisch sinnvoll, eine Altersbeschränkung einzuführen, so dass zunächst bspw. eine Mindestanzahl an U21 Spielern im Kader einer jeden Landesauswahl sein müssen. Hier würde nun zweigleisig gesichtet: Einmal für die U21 und dann für die A-Mannschaft plus Perspektivspieler.  Somit könnte man zeitnah und zügig mit der Ausbildung von jungen und arrivierten Spielern beginnen. Später wäre es wichtig – ähnlich dem Fußball – diese Landesauswahlturniere gänzlich in den Nachwuchsbereich zu verlegen.

Zusätzlich sollten bereits jetzt die DFB U15 – und U17 – Futsalwettbewerbe zur Sichtung junger Talente genutzt werden, um diese Spieler ggf. schon in den regelmäßigen Wettbewerb und in neu einzurichtende Sichtungslehrgänge zu überführen.

Um eine langfristige Talentförderung effektiv zu gewährleisten, muss Futsal in den DFB-Stützpunkten verbindlich als seperate Sportart integriert werden. Auch hier würde man wieder zweifach profitieren: Die Ausbildung junger Fußballer bekäme durch Futsal neue technische und taktische Möglichkeiten und gleichzeitig können talentierte Futsalspieler an der Basis für den Futsalsport – trotz fehlender Jugendwettbewerbe – gesichtet, gewonnen und gefördert werden. Doch zunächst müssen dafür dringend Widerstände gegen Futsal auf verbandspolitischer Ebene beseitigt werden. Immer noch kursieren Vorurteile, dass Futsal als Konkurrenzprodukt zum Fußball den Fußballvereinen die Mitglieder abziehe. Dass aber gerade Fußballvereine durch Gründung einer Futsalabteilung ebendiese Spieler und sogar neue hinzugewinnen können scheint unbekannt.

Obwohl die Verwandtschaft zum Fußball (offensichtlich) da ist, ist Futsal nicht dasselbe wie Fußball.  Inhalte, Techniken und Taktiken bauen zwar rudimentär aufeinander auf, sind aber letztlich zu verschieden, um sie nebenbei zu vermitteln. Futsal ist letztlich ein eigenes Spiel mit speziellen technischen und taktischen Anforderungen an Spieler und Trainer. Daher sollte zum Beispiel jeder regionale Fußballverband eine hauptamtliche „Futsalstelle“ schaffen, die sich ausschließlich mit der Materie Futsal beschäftigt und nicht parallel noch vielfältige andere Sportarten vermittelt und koordiniert. Dazu sollte Futsal dringend aus der Schiene „Freizeit- und Breitensport“ geholt werden, damit die Seriosität steigen kann.

Fazit: Es gibt vielfältige Möglichkeiten zur Talentförderung, sofern Geld vorhanden ist, doch ist das momentan im Futsalsport nicht der Fall. Somit wird es – realistisch gesehen – noch einige Zeit dauern, bis solche wegweisenden Dinge wie:

  • regelmäßiger, flächendeckender Spielbetrieb im Senioren- und Juniorenbereich,
  • Futsal als eigene Sportart in die DFB-Stützpunkte integrieren,
  • eine landesweite Bundesliga
  • und schließlich eine Professionalisierung

eingeführt werden. Doch wäre es fatal nun erst einmal abzuwarten und die gerade entstandene Aufmerksamkeit, um die zweifellos gelungene Nationalmannschaftspremiere, verhallen zu lassen. Um international schnell und zielstrebig voran zu kommen, muss der DFB im jungen Erwachsenen- und Perspektivbereich eine große, flächendeckende Qualitätsoffensive in der Spielerausbildung durchführen. Wenn es der DFB wirklich ernst meint mit der deutschen Futsalentwicklung, dann sollten nun dringend  erkennbar-zielführende Schritte folgen, damit die „abgefahrenen Züge“ nicht gänzlich aus dem Fokus verschwinden. Das langfristig viel Geld in die Hand genommen werden muss, um sich in der internationalen Spitze zu etablieren steht außer Frage. Doch wird es irgendwann auch zurückfließen. Am Ende bleibt der Satz: In der Jugend liegt die Zukunft!

Advertisements

3 Kommentare

  1. Futsal wird es in Deutschland auf ewig nicht leicht haben. Es fehlen die Anreize, man würde durchaus Talente finden und fördern aber kurzfristig würden diese zum Fußball abwandern und sei es nur die Regionalliga. Teilweise bekommt man ja schon ab der Bezirksliga Geld dafür, was der Futsal lange nicht ermöglichen wird.
    Oder die Talente wandern in den Ausland, wie bereits in Egland der Fall ist, in Südeuropa bekommt man wohl schon in der zweite oder dritte liga ein kleines Taschengeld, vor allem nutzt man dort das Niveau um besser zu werden und aufzusteigen.
    Wird es hier leider nicht geben.
    Wenn Vereine irgendwann in der Lage sein werden gutes Geld zu zahlen werden sie wohl ausländische Spieler vorziehen.

    Grüße

  2. Wir sollen und können uns nicht mit dem Fußball vergleichen. Die Nationalmannschaft ist ein Meilenstein. Aber die wenigsten werden in der Nationalmannschaft spielen. Die wenigsten werden in einer Bundesliga als Profi spielen. Wichtig ist die Stärkung der Basis. Wir brauchen mehr Mannschaften die in einem ganzjährigen Spielberg spielen. Wir brauchen Spieler die lieber in der Halle als Draußen spielen. Für die das Geld an zweiter Stelle steht. Wir brauchen einen ganzjährigen Spielbetrieb um diese Spieler in unseren Sports einzubinden.

  3. Hallo, ich bin viel auf http://www.fussball.de aktiv, weil ich im Amateurfußball mit der Kamera unterwegs bin und zu Spielen Fotos und Videos hochlade. Auch informiere ich mich auf dem Portal viel über Ergebnisse in verschiedenen Ligen.
    Ich habe hier unter „Webseite“ mal den Link zur „Futsalliga West“ eingegeben, siehe auch hier
    (http://www.fussball.de/spieltagsuebersicht/futsalliga-west-deutschland-herren-futsal-regionalliga-herren-saison1617-deutschland/-/staffel/01S6Q2GEN4000000VS54898EVTAHLVK3-C#!/section/stage)
    Wenn Ihr den Link aufruft, wird die Ligaseite angezeigt. Klickt dort mal oben (weißer Untergrund) auf „Ligen“, dann öffnet sich das Menü zum Einstellen der Ligen. Dort mal unten auf „Futsalliga West“ klicken, dann wird angezeigt, welche Futsal-Ligen es in Deutschland noch gibt.
    Es erscheint nur „Futsal-Regionalliga-Süd“. Da ist man erst einmal verwundert. Wo sind denn die anderen, fragt man sich.

    Nur wer sich etwas bei fussball.de betr. Einstellen der Liga bzw. Turniere usw. auskennt, versteht wahrscheinlich, warum das so ist.

    Als erstes wird oben „Deutschland“ oder der Landesverband eingestellt. Nur diese beiden Ligen betreffen mehr als einen Landesverband.

    Stellt man „Niedersachsen“ ein, „Futsal-Ligabetrieb“ und „Herren“ kommt man zur NFV Futsal Liga. Klicken und man sieht, dass diese Liga in 2 Gruppen gespielt wird: Staffel Harburg und Staffel Süd

    Dann fragt man sich, wie ist das denn in den östlichen Bundesländern, die spielen doch auch Futsal. Mit Einstellung z.B. Sachsen usw. und Futsal-Ligabetrieb wird nichts angezeigt.
    Unter Deutschland gibt es nur die beiden o.g. Ligen. Wo ist also der NOFV?

    Ich wähle „Deutschland“ und „Turniere“ und „Herren“ und dann sehe ich „NOFV-Pelada-Pelada-Futsalliga“
    http://www.fussball.de/spieltagsuebersicht/nofv-pelada-futsal-liga-deutschland-turnier-herren-saison1617-deutschland/-/staffel/01SQFGFLBC000000VS54898DVST1TP7K-C#!/section/matches

    Dort gibt es die Gruppe Süd und Nord.

    Aber warum werden diese Spiele als „Turnierre“ und in Niedersachsen als „Futsal-Ligabetrieb“ eingestellt? Es scheint mir das Gleiche zu sein.

    Und so hat man keinerlei einheitliche Übersicht, wo denn die Herren in Deutschland überhaupt Futsal spielen.

    Nach Klick auf „Ligen“ gibt es ganz links unter „Ligen“ seit einiger Zeit „Top-Ligen“. Da gibt es den direkten Zugang zur 1., 2. und 3. Liga sowie zu den fünf Regionalligen und DFB-Pokal und Frauen-Ligen.
    Da wäre es doch gut, wenn es dort unter „Top-Ligen“ noch „Futsal-Ligen“ geben würde und alle Ligen, ob nun unter Deutschland oder einem Landesverband aufgeführt und egal ob als Futsal-Ligabetrieb oder Turnier eingestellt, dort mit Direktlink aufgeführt wäre. So hätte man jedenfalls mal eine Übersicht und könnte direkt darauf zugreifen.

    Ich habe bisher nicht verstanden, dass hier in den Berichten teilweise von Auf- und Abstieg geschrieben wird. Wo gibt es denn mehrere Ligen? Ich kenne nur die hier von mir erwähnten.

    Gruß aus Göttingen (Ort der Austragung des ersten DFB-Futsal-Cup 2006)

Jetzt deinen Kommentar verfassen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: