Vierter Eindruck zum Landesauswahlturnier 2016 – Topspiele aus Halle A

Die vierte Spielrunde des Landesauswahlturniers am Samstagnachmittag kann ebenso als inoffizielles Halbfinale bezeichnet werden. Zumindest der Sieger aus dem letzten Spiel des Tages in der Halle A darf sich auf einen Platz im Spiel 55, dem großen Finale, freuen. Wir haben uns daher auf zwei Spiele aus der Halle A konzentriert und uns die Duelle zwischen Württemberg und Berlin sowie dem „Halbfinale“ zwischen Westfalen und Sachsen etwas genauer angeschaut.

Halle A: Württemberg 0 – 5 Berlin

In der Partie Württemberg gegen Berlin erwischte das Auswahlteam aus der Hauptstadt den etwas besseren Start. Berlin versuchte früh in der Partie, seine schnellen und dribbelstarken Spieler in 1gg1 Positionen zu bringen, um den robusten Abwehrverbund aus Württemberg zu durchbrechen. Württemberg erwartete die Berliner zu Beginn tief in der eigenen Hälfte. Bei eigenem Ballbesitz konzentrierten sich die Offensivbemühungen auf Kevin Reinhardt, der oft das Dribbling über die Mitte und diagonal über das Feld suchte, um seinen Mitspieler auf den Flügeln kurz vor dem gegnerischen Tor zu bedienen. Allerdings führte diese Taktik zu einer etwas asymmetrischen Struktur im Aufbauspiel der Württemberger, die dementsprechend oft in gefährliche Konter gerieten.

Das erste Tor konnten die Berliner durch ein Dribbling von Elezi erzielen, der nach einem diagonalen Lauf Sejdic zum 1:0 in der fünften Minute bediente. Mit der Führung im Rücken erhöhte die Auswahl aus Berlin ihre Abwehrlinie, um in einer mannorientierten Abwehrstaffelung die Dribblingversuche von Kevin Reinhard zu unterbinden. Durch die Umstellung verloren die Berliner jedoch gleichzeitig etwas die Kontrolle über die Partie, die sich mehr zu einem direkten Abtausch beider Mannschaften entwickelte. Im Fokus rückten dabei stärker die Sechser beider Mannschaften, Mert Sipahi und Durim Elezi, die mit ihrer Schnelligkeit die größer werdenden Räume intelligent bespielten.

In der neunten Minute erhöhte die Auswahl aus Berlin auf 2:0 und sorgte damit für die frühzeitige Entscheidung der Partie. Württemberg setze sofort auf den Flying Goalkeeper, um einen schnellen Anschlusstreffer zu erzielen. Allerdings agierten sie beim 5gegen4 etwas unglücklich in der Wahl der Anspielstationen. Berlin offenbarte in der Defensive des Flying Goalkeeper zwar mehrfach Probleme in einem sehr tiefen 2-2, bei dem die Kommunikation zwischen den beiden Abwehrreihen nicht optimal funktionierte. Doch die taktische Schwäche glichen die Spieler aus Berlin durch einen hohen Laufeinsatz, der Übersicht von Walid Tamiaa und den Paraden des technisch staken Torhüter Pavlos Wiegels über weitere Strecken der Partie gut aus. Tamiaa erhöhte anschließend selbst auf 3:0 in der elften Spielminute. Die letzten Angriffe der Württemberger wehrten die „Fantastischen Vier“ aus Berlin (Sanid Sejdic, Walid Temiaa, Lennart Hartmann und Durim Elezi) souverän ab und erhöhten schlussendlich auf 5:0. Die Berliner treffen damit im kleinen Finale auf Niedersachsen und dürfen auf Platz zwei in der Abschlusstabelle hoffen.

Halle A: Sachsen 6 – 2 Westfalen

Mit Sachsen und Westfalen standen sich zwei sehr unterschiedliche Mannschaften im Spiel um den Finaleinzug gegenüber. Die Sachsen zeigten bisweilen ein sehr direktes Spiel, während die Westfalen überraschenderweise mit dem häufigen Einsatz des Flying Goalkeepers über weite Strecken des Turniers sehr statisch, jedoch ebenfalls sehr souverän agierten. Genau diesen setzten die Westfalen auch gegen Sachsen ein, um von Beginn an das Spielgeschehen zu bestimmen. Nach dreißig gespielten Sekunden tauschte Trainer Wendelin Kemper Torhüter Szymanski durch Mota aus.

img_3109Die Sachsen verteidigten das 5gegen4 ähnlich wie die Berliner zuvor in einem 2-2, dass jedoch besser funktionierte, da die Sachsen die Westfalen weit weg von dem eigenen Tor hielten. Sachsen stellte dabei ein sehr breites 2-2 in der Abwehr auf, um so direkten Zugriff auf die Aufbauspieler der Westfalen, erneut vorrangig Mota und links und Klems auf rechts, zu erhalten und nur den ausweichenden Pass auf den abkippenden Spieler in der Mitte zu ermöglichen. Auf das statische Spiel der Westfalen antworteten die Sachsen in der Offensive mit direkten und langen, teilweise hohen, Pässen. Das 2-2 System aus der Defensive nutzen sie dabei ebenfalls in der Offensive, um zum Beispiel Nemec oder Benek tief in der gegnerischen Hälfte anzuspielen und somit für Entlastungsangriffe zu sorgen.

So entwickelte sich ein etwas starres Spiel, dass einerseits von langen Bällen und andererseits von langen Ballstafetten geprägt wurde. In der siebten Minute erzielte dann die Sachsen überraschend das erste Tor. Roy Blankenburg verlängerte mit dem Hinterkopf einen langen Ball, der sich als Lupfer über den westfälischen Schlussmann in das Tor senkte. Den Rückstand versuchten die Westfalen mit ihrem Flying Goalkeeper postwendend zu neutralisieren. Es dauerte bis zur zehnten Spielminute, ehe Muhammet Sözer durch eine Einzelaktion den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte. Fast im direkten Gegenzug führte ein Fehler im Aufbau bei den Westfalen allerdings zum erneuten Rückstand.

Mit der 2:1 Führung im Rücken agierten die Sachsen Zusehens mutiger. Das 2-2 System in der Offensive wurde durch ein 3-1 getauscht, um längere Ballstaffeten zu kreieren und diese als Schutz vor dem 5gegen4 der Westfalen zu nutzen. Die Taktik ging auf. Die etwas nervös agierenden Westfalen begannen weitere Fehler zu machen. In kurzer Zeit erhöhten Fiedler, Wittig und Blankenburg auf 6:1 für die Sachsen. Die Westfalen liefen in ihre eigene Falle und verloren durch den durchgängigen Einsatz des Flying Goalkeeper das Duell um den Einzug in das Finale. In den letzten Spielminuten setzen sie wieder auf ihr altes System und konnten noch auf 6:2 durch Rüschenpöhler verkürzen. Dabei stellte sich in der Halle schnell die Frage, ob die Westfalen durch die taktische Entscheidung zum verstärkten Einsatz des Flying Goalkeeper möglicherweise ihre beste Waffe selbst genommen haben: Das fantastische Kombinationsspiel des letzten Jahres.

Auf der anderen Seite freuen sich die Sachsen auf den Finaleinzug. Spiel 55: Mittelrhein gegen Sachsen.

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