Das Finale beim Landesauswahlturnier 2016 – Sachsen gegen Mittelrhein

Die letzte Partie des Landesauswahlturniers versprach erneut eines des Highlights des diesjährigen Turniers in Duisburg zu werden. Nachdem sich in den letzten beiden Jahren die Auswahlteams aus Hamburg, Westfalen und Niedersachsen in der finalen Partie messen durften, spielten diesmal zwei neue Mannschaften um den begehrten Titel: Sachsen gegen Mittelrhein.

Ausgangssituation: Der Weg zum 55. Spiel

Die Partie versprach ein hohes Tempo trotz der sehr unterschiedlichen Spielphilosophien beider Mannschaften und Trainer. Die Sachsen überzeugten in ihren vorherigen Spielen mit einer außerordentlichen physischen Präsenz. Ohne Punktverlust erreichten sie das 55. Spiel mit Triumphen gegen Südbaden (3:1), Mecklenburg-Vorpommern (9:2), den favorisierten Berlinern (2:1) und dem Vorjahresfinalisten aus Westfalen (6:2). Die Auswahlmannschaft aus Mittelrhein um Daniel Gerlach, der zum Trainerteam der künftigen deutschen Nationalmannschaft zählt, zeigte in ihren Spielen die wohl beste Spielanlage im Turnier, obwohl sie gerade zur Beginn nur mit Mühe die wichtigen Punkte für den Endspieleinzug sammeln konnten. Nach einem Herzschlagfinale im ersten Spiel gegen Südwest (2:1), spielten sie img_3165Unentschieden gegen Württemberg (1:1), um sich anschließend gegen das Saarland (6:2) und Bremen (3:2) durchzusetzen. Mittelrhein musste dementsprechend auf Sieg spielen, um den Punkterückstand auf Sachsen aufzuholen.

Zwei Philosophien, zwei taktische Marschrouten: Anstoß im 55. Spiel

Ebenso gegensätzlich wie die grundlegende Spielphilosophie beider Mannschaften hatten auch die Trainer die finale Partie vorbereitet. Der Mittelrhein begann die Partie mit einer tiefen Defensive auf ¼-Feld, während die Sachsen ab der ersten Spielminute auf ein mannorientiertes, individuelles Pressing über das ganze Feld setzten. Die Zielsetzung beider Marschrouten wurde schnell sichtbar. Die Sachsen versuchten durch ihr Pressing die spielstarken Akteure vom Mittelrhein von ihrem gefährlichen Rotationsspiel abzuhalten. Dabei machten sie sich zum Vorteil, dass sie diese Taktik nur 20 Nettominuten durchzuhalten hatten. Auf der anderen Seiten wählte Daniel Gerlach eine raumorientierte Verteidigung auf ¼-Feld, um so die eher spielschwachen Sachsen zu einem eigenem Spielaufbau zu zwingen und deren auf langen Bälle ausgerichtete Spiel über ihre starken Pivots Nemec und Blankenburg zu verhindern.

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Spielsystem der Sachsen: Ein asymmetrisches 2-2, bei dem der lange Ball oder der Ala zum entscheidenden 1gg1 gesucht wird.

Folgerichtig waren die ersten Minuten von einem extremen Tempo geprägt. Die Spieler vom Mittelrhein versuchten auf das mannorientierte Pressings durch ihre Antipressingvariante über zwei kreuzende Ala´s bei eigenem Torabwurf zu lösen, um die Sachsen in die eigene Hälfte zu drängen. Die Sachsen waren hingegen bemüht, ein schnelles Umschaltspiel zu realisieren, um kein Aufbauspiel auf beiden Seiten aufkommen zu lassen. Dies führte dazu, dass das Spiel zu einem offenen Schlagabtausch wurde, bei dem wenig strukturierte Angriffe aufgezogen wurden. Dabei fiel auf, dass die Sachsen selbst mit dem Ball wenig Bewegung zeigten. Sie agierten bei eigenem Ballbesitz in einem asymmetrischen 2-2-System, bei dem ein Ala den Fixo direkt als Anspielstation diente (vorrangig der Linke), der wiederrum oft nach hinten abkippte und dann den langen Ball auf den anderen, tiefer gestaffelten Ala oder den Pivot Nemec/Blankenburg suchte. Der nähere Ala wurde dabei von ihren dribbelstarken Spielern Wittig, Fiedler und Benek für ein mögliches 1gg1 besetzt.

Zwischenzeitlich Tore am Fließband: Mittelrhein versucht und Sachsen antwortet

Die Führung erzielte Sachsen nach dem furiosen Auftakt dann über Fiedler, der sich auf den linken durchsetzen konnte, um dann von Blankenburg als Pivot in der Mitte perfekt in Szene gesetzt zu werden. 1:0 für Sachsen in der dritten Minute. Mittelrhein hatte seine Probleme, längere und die für ihr Spiel so notwendige Ballzirkulation umzusetzen, da der Druck der Sachsen einen geordneten Spielaufbau unterbindete. Dies änderte sich allmählich ab der fünften Spielminute durch die stärkere Präsenz von John Rausch zwischen den Linien der Sachsen. Rausch als Nadelspieler im Aufbau sowie der läuferische Einsatz von Marvin Buß und die Ballsicherheit von Daniel Fredel brachte der Auswahl vom Mittelrhein nach etwa sechs Minuten mehr Sicherheit. Gleichzeitig nutzten sie das starre und bewegungsarme Spiel der Sachsen über den Fixo als ballhaltender Spieler vermehrt selbst zum Luftholen.

Die gewonnene Sicherheit zur Mitte der Partie nutzten die Spieler von Daniel Gerlach dann für zwei exzellent herausgespielte Tore, bei denen jeweils Niclas Hoffmanns die Hauptrolle im Torabschluss einnahm. In der siebten Minute erzielte Hoffmanns den zwischenzeitlichen Ausgleich nach einer sehenswürdigen Kombination über Buß auf den rechten Ala, der einen Pass nach vorne auf den vorrotierten Rausch spielte, der zwischen den Linien für Hoffmanns ablegte. Der Jubel verwährte jedoch nicht lange. In der achten Spielminute nutzte Nemec eine Umschaltsituation zur erneuten Führung mit einem trockenen Schuss aus zentraler Position ungefähr 12 Meter vor dem Tor von Tomasz Luzar. Fast im direkten Gegenzug spielte Hoffmanns eine vorbildliche Paralela mit Daniel Fredel, um den herausstürzenden Torhüter Marco Pohl, der ein fantastisches Turnier spielte, in der neunten Minute zu überlupfen.

Die Ruhe vor dem Sturm und das letzte Aufbäumen

Nach dem erneuten Ausgleich gönnten sich beide Teams etwas bis zur 15. Spielminute eine kurze Verschnaufpause. Danach häuften sich die Chancen auf beiden Seiten und sowohl Sachsen als auch Mittelrhein erhielten die Chance, das Spiel zu entscheiden. Die letzte Angriffswelle läutet Mittelrhein nach einem Timeout in der 17. Minute mit dem Flying Goalkeeper ein. Doch die Sachsen hatten schon gegen Westfalen gezeigt, dass sie auf Grund ihrer starken Physis ein sehr effektives 2-2 gegen die 5gegen4-Überzahl spielen konnten. Sachsen ließ dabei im 2-2 den gegnerischen mittleren Aufbauspieler etwas mehr Platz, um direkten Zugriff auf die vier Außenspieler zu erhalten. Der Plan ging auf, da Mittelrhein einerseits den Platz in der Mitte nur einmal für einen gefährlichen Angriff über Daniel Fredel und Fabian Schmidts nutzte und andererseits nicht konsequent genug die Bewegung ohne Ball im Flyingspiel suchte. Zwei Ecken kurz vor dem Abpfiff der Partie spielten die Spieler aus dem Mittelrhein zwar strategisch sauber aus, doch beide Male hielt die Defensive der Sachsen: Abpfiff – Endstand 2:2. Sachsen gewinnt das Landesauswahlturnier 2016!

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Post-Match: Die Überraschung ist gelungen

Mit Sachsen hat eine wahre Überraschungsmannschaft das Landesauswahlturnier 2016 gewonnen. Physis, Teamwork und das nötige Talent ihrer Führungsspieler beschert den Sachsen den Titel 2016. Auf der anderen Seite dürfen sich die Spieler aus dem Mittelrhein trotz der Niederlage über eine fantastische Bühne im Finale des Sichtungsturniers für die deutsche Nationalmannschaft freuen. Wir dürfen gespannt sein, wie die Ergebnisse des LAT2016 die Zusammenstellung der Nationalmannschaft beeinflussen wird. Glückwunsch nach Sachsen!

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3 Kommentare

  1. Futsaler · · Antwort

    kann man schon sagen, wann eine Liste der Spieler für die Sichtungslehrgänge vom DFB kommt? Wäre ganz interessant.

    1. Die Liste ist schon fertiggestellt seitens des Sichtungsteams rund um Paul Schomann als Nationaltrainer. Am 8.2 wird dann der erste Sichtungslehrgang gestartet, eine Woche später der zweite mit jeweils 25 Spielern.

      1. Futsaler · ·

        Gibt es dann auch vorab eine Liste wo man ersehen kann welche Spieler und aus welchen landesverbände für die Sichtung eingeladen worden sind ?

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