Laut gedacht: Auswirkungen des Doppelspielrechts im Futsal

Es ist nur ein paar Jahre her, dass der Status von Futsal-Spielern durch die Einführung eines eigenen Futsal-Spielpasses geklärt wurde. Seitdem können Spieler parallele Spielberechtigungen im Fußball und Futsal besitzen und sind somit gleichermaßen spielberechtigt. Sportliche Konsequenzen (gelbe und rote Karten) sind jedoch nicht mehr disziplinübergreifend durchsetzbar. Im Vordergrund stand vorwiegend die organisatorischen Abgrenzung der beiden Disziplinen. In den meisten Fällen spielen die Spieler jedoch immer parallel – selten sind komplette Wechseln vom aktiven Fußballspielbetrieb in den Futsal-Spielbetrieb zu beobachten (Moore & Radford, 2014).

Die Fehlanreize des Doppelspielrechts

Obwohl das Doppelspielrecht grundlegend positiv aufgenommen wurden, wird sich aktuell weniger mit den Fehlanreizen hinter dieser Regelung auseinandergesetzt. Während Spieler aus anderen Sportarten (Handball, Hockey, Basketball) selten vom ersten Tag an als hoch produktive Futsal-Spieler gelten, avancieren Fußballspieler aus höheren Ligen oftmals ab dem ersten Einsatz in Futsal-Teams (besonders in schwächeren Teams) zu Leistungsträgern, da Sie grundlegende Technik und Physis mitbringen. In den letzten Jahren ist daher immer häufiger zu beobachten, dass Futsal-Teams in den heißen Phasen der Meisterschaft (Auf- oder im Abstiegskampf) gerne den „Joker“ Fußballspieler ziehen und sich temporär (teilweise nur für ein Spiel) verstärken (im folgenden „Kurzverpflichtungen“). Manche Teams haben derartige Spieler über Jahre in der Hinterhand und holen diese dann nach Gebrauch „hervor“. Da sich im Futsal nur 4 Spieler die Teamproduktion bestimmten, stärkt ein starker Fußballzugang die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich – der Wettbewerb wird verzerrt. In den meisten Fällen führen derartige Kurzverpflichtungen zum Erfolg (Aufstieg oder Klassenerhalt). Im Grunde ist gegen diese strategischen Verpflichtungen nichts einzuwenden, soweit die Spieler auch in der kommenden Saison für den Futsal-Verein aktiv bleiben.

Genau an der Stelle des fortwährenden Engagement des Fußballspielers scheinen jedoch die Annahmen nicht mehr zugreifen: Fußballer, welche Ihrem Team den Aufsteig/Klassenerhalt sichern, spielen in der folgenden Saison wieder Fußball und Vernachlässigen den Futsal. Dies führt dazu, dass derartige Team direkt durchgereicht werden und aufgrund der Ernüchterung weitere langjährige Spieler verlieren. In einigen Fälle kam es in der Vergangenheit sogar zu Mannschaftsauflösungen nach derartigen „Historien“. Teams, welche reine Futsal-Spieler und ein nachhaltiges Rekrutierungsmodell verfolgen (was wir langfristiges in Deutschland benötigen) und sich nicht kurzfristig verstärken, haben somit verstärkt in den Futsal-Ligen Deutschlands das Nachsehen. Derartige Strukturen sind aus unserer Sicht daher nicht Zielführend im Sinne der probagierten „langfristigen Entwicklung von Futsal-Spielern“ förderlich. Was auf den ersten Blick als ein Vorteil (Spielerquelle) für Futsal-Vereine erscheint, könnte  ein aktueller Grund für das langsame Wachstum in Deutschland sein. Ziel bei der Heranführung von Fußballern sollte immer ein langfristiger Wechsel des Spielers in den Futsal sein.

Lösungsmöglichkeiten

Nun stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten bestehen, um die Situation von Kurzverpflichtungen einzudämmen, ohne dem Futsal jedoch die Quelle „Fußballspieler“ vollständig zu versiegeln. Daher folgend mögliche Ansätze, beginnend mit den zwei Extrempositionen:

1. Vollständige Abschaffung des Doppelspielrechts: Dies würde das Problem der verzerrenden Kurzverpflichtungen beheben, aber die Entwicklung von Futsal stark beeinflussen. Fußballer werden kaum noch mit Futsal beginnen, wenn Ihnen vorher klar ist, dass Sie nur eine Sportart parallel im Ligabetrieb ausüben können.

2. Beibehaltung des Status-Quo ohne Einschränkungen: Ligaverzerrungen durch Kurzverpflichtungen bleiben weiterhin möglich, reine Futsal-Teams werden in den entscheidenden Saisonphasen „benachteiligt“, Aufsteiger mit Kurzverpflichtungen starten deutlich geschwächt in die neue Saison, es folgt der sofortige Wiederabstieg begleitet vom möglichem Exit weiterer Spieler und somit im Extremfall der kompletten Auflösung von Mannschaften.

3.Spieleranmeldungen von Fußballspielern nur zu Saisonbeginn: Dies würde überstürzte Kurzverpflichtungen ausschließen und somit „spontane“ Wettbewerbsverzerrungen verhindern. Fußballer könnten weiterhin langsam an den Futsal herangeführt werden. Probleme bestehen jedoch in „langfristig“ geplanten Spielerverzerrungen. Vereine könnten einen Ab-/Aufstiegskampf am Saisonbeginn antizipieren und Spieler „vorbehaltlich“ melden. Dem Spieler wird gesagt, dass er (sofern er nicht öfter spielen möchte) nur am Ende der Saison wichtig wäre. Eine langfristige Anbindung des Fußballspielers in den Futsal-Bereich wäre nicht das Ziel und die neue Saison wird ohne den Spieler beginnen.

4. Einschränkung von Kurzverpflichtungen auf Ligen unterhalb der Bezirksliga: dies könnte sehr starke Spielverzerrungen durch Kurzverpflichtungen schwieriger gestalten. Jedoch ist dem zu entgegnen, dass es auch in den unteren Kreisligen sehr fähige Hallenspieler gibt, welche im Futsal eine stärkeren Einfluss auf die Teamperformance haben Spieler aus höheren Ligen.

5. Doppelspielrecht nur für eine Übergangsphase: Zu Umgehung der Problematik von Fußballern die Jahrelang in der „Hinterhand“ von Futsal-Vereinen gehalten und nur in Spitzenpartien abgerufen werden, könnte eine 1- 2 Jährige Übergangsphase geschaffen werden. Nach dieser Phase muss sich aus dem Fußball abgemeldet werden bevor weiterhin der Spielbetrieb im Futsal möglich ist. Ein Vorteil: langfristige Stabilisierung – Spieler, betreiben nicht über Jahre hinweg ein Zwitterspiel, um sich am Ende doch gegen den Futsal zu entscheiden. Vereinen wird daher nach 2 Jahren Sicherheit gegeben, dass der Spieler nicht weiter oder nur noch im Futsal aktiv wird. Aus unserer Sicht und Erfahrung gilt: ein Spieler der sich nach einem Jahr nicht komplett für den Futsal entscheidet, wird sich nie vollständig für den Futsal entscheiden.

6. Begrenzung der Einsätze: Spieler mit Doppeleinsätzen in Fußball und Futsal sind nur für eine begrenzte Anzahl von Spielen im Futsal-Bereich oder nur in der Hinrunde einsetzbar. Verzerrungen durch Kurzverpflichtungen sind erschwert jedoch weiterhin möglich.

7. Übergreifende Spielsperren und „Strafvollzug“: Entgegen einer direkten Unterbindung von Kurzverpflichtungen, könnten auch Regelungen angedacht werden, welche die Anreize der Spieler zur Wahrnehmung des Doppelspielrechts reduzieren. So sollten rote und gelbe Karten disziplinübergreifend erfasst und vollzogen werden. Zur Verstärkung derartiger Restriktionen, könnten auch Spielsperren (z.B. zwei Wochen) in der jeweils anderen Disziplin angedacht werden. Spieler, welche sich dann ernsthaft für den Futsal interessieren, werden das Risiko und eventuelle Streitigkeiten mit dem Fußballtrainer eingehen, um sich im Futsal zu etablieren. Durch diese Regelungen wäre es nur eine indirekte Beeinträchtigung des Doppelspielrechts.

Fazit

Sicherlich sind Meinungen hinsichtlich der Größenordnungen von Spielverzerrungen durch Kurzverpflichtungen sehr heterogen. In vielen Fällen sind Spieler auch über Jahre hinweg in beiden Disziplinen regelmäßig aktiv und stellen keine kurzfristigen Verstärkungen dar.  Die Problemskizze soll  eher eine Anregung sein, Probleme von Wachstumssportarten zu erkennen und von Zeit zur Zeit auch über unpopuläre Restriktionen nachzudenken, wenn diese der langfristigen Stabilität von Futsal dienen. Aus unserer Sicht wäre eine Regelung kombiniert aus 3. und 7. eine denkbare und durchsetzbare Lösung der Problematik. Spieler die aktiv am Fußballspielbetrieb teilnehmen, sollten nur vor der Saison für den Futsal-Spielbetrieb registrierbar sein. Darüber hinaus sollten Resultate aus beiden Disziplinen übergreifend Wirkung entfalten. Sicherlich, die zeitliche Sperre für die jeweils andere Disziplin ist eine deutliche Einschränkung bestehender Verhältnisse, welche jedoch die notwendigen Anreize für ein langfristiges Engagement im Futsal-Bereich erhöht.

Wie steht Ihr zur Problematik? Teilt Ihr unsere Gedanken und wenn ja, welche Lösung würdet Ihr präferieren?

Moore, R., & Radford, J. (2014). Is Futsal Kicking off in England? A Baseline Participation Study of Futsal. American Journal of Sports Science and Medicine, 2(3), 117-122.

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