Eindrücke vom 1. Lehrgang aus Sicht der (National?-)Spieler – Teil 1

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Fünf aus 28! Sahel, Lehmann, Rüschenpöhler, Sarmie und Kenkel im Dress der Nationalmannschaft.

Wie gerne hätten wir diese Woche in Kamen-Kaiserau Mäuschen gespielt und uns den 1.DFB-Lehrgang zur Sichtung einer deutschen Futsal-Nationalmannschaft persönlich angeschaut. Doch wen besser fragen, wie die drei Tage waren, als die Spieler selbst! Wir haben uns auf den Weg gemacht und einige Spieler gebeten, uns ihre Eindrücke zu schildern.

In diesem ersten Teil standen uns Timo Heinze (Bayer Uerdingen, Niederrhein), Christoph Rüschenpöhler (UFC Münster, Westfalen), Asiel Massud Sarmie (BFC Braunschweig, Niedersachsen) und Co-Trainer Wendelin Kemper Rede und Antwort in einem kurzen Interview. Auf weitere vier Spieler dürft ihr euch die kommenden Tage freuen.

Mister Futsal: Hallo zusammen, vielen Dank, dass ihr uns eure Eindrücke vom ersten Lehrgang mitteilen wollt. Lasst uns direkt durchstarten: Wie fällt euer persönliches Fazit zum Lehrgang aus?

Timo Heinze: Alles in allem sehr positiv. Der erste DFB-Lehrgang überhaupt war für alle Spieler ein wichtiges Zeichen, dass sich endlich etwas tut in Richtung Bildung einer offiziellen Nationalmannschaft. Es bleibt nun zu hoffen, dass dies nun auch zeitnah weiter verfolgt und umgesetzt wird. Persönlich hatte ich sehr großen Spaß daran, mich mit den Besten zu messen und mit Leuten, die diesen wunderbaren Sport voranbringen wollen.

Christoph Rüschenpöhler: Es war eine große Ehre für mich, bei dieser allerersten Maßnahme einer deutschen Futsal-Nationalmannschaft dabei gewesen zu sein. Insgesamt waren die knapp zwei Tage anstrengend, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht, sich mit den besten Futsalspielern des Landes messen zu dürfen.

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Sarmie beim Lehrgang in Kaiserau

Asiel Massud Sarmie: Persönlich gesehen ziehe ich ein recht gutes Fazit. Tolle Jungs, netter Trainerstab und überragende Rahmenbedingungen. Mir hat es eine Menge Spaß gemacht. Vielleicht ein bisschen Pech, dass ich mir beim Aufwärmen vor dem Abschlussturnier eine leichte Knieverletzung zugezogen habe und nun ein paar Tage ausfalle. Aber ansonsten alles hervorragend mit coolen Erfahrung beim ersten DFB Lehrgang.

Wendelin Kemper (Co-Trainer): Mein persönliches Fazit fällt sehr positiv aus. Das sportliche Niveau (national gesehen) sowie die Leistungsbreitschaft waren extrem hoch. Die Spieler sind aggressiv zu Werke gegangen, blieben jedoch auf und neben dem Platz stets fair. Ich denke, dass der Lehrgang ein super Schritt in die richtige Richtung war und hoffe, dass auch der zweite Sichtungslehrgang das vorhandene Potential deutscher Spieler bestätigt – die Messlatte hängt in jedem Falle hoch.

Mister Futsal: Wie habt ihr die Trainingseinheiten empfunden?

Heinze: Unsere beiden Co-Trainer Daniel Gerlach und Wendelin Kemper haben das wirklich sehr, sehr gut strukturell aufgebaut und auch motivierend geleitet, gerade in Anbetracht der kurzen Zeit, in denen nur drei Trainingseinheiten möglich waren. Somit konnte sich Bundestrainer Paul Schomann ganz auf das Beobachten und Sichten der Spieler konzentrieren. Alles in allem war vor allem die Intensität im positiven Sinne außergewöhnlich hoch.

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„Rüschi“ in Aktion!

Rüschenpöhler: Die drei Trainingseinheiten waren schon sehr intensiv. Zum einen, weil es die Intention des Trainerstabs war, den Spielern auch unter körperlich hoher Anstrengung auf den Zahn zu fühlen. Zum anderen, weil alle Teilnehmer durchgängig Vollgas gegeben haben. Jeder wollte sich natürlich von seiner besten Seite präsentieren. Taktisch bzw. im Bezug auf die Spielphilosophie trafen erwartungsgemäß unterschiedliche Ansätze aus den verschiedenen Vereinen aufeinander. Es wurde in der Regel ein gelungener Mittelweg gefunden. Bezüglich der Trainingsinhalte und -leitung haben sich die beiden Co-Trainer Wendelin und Daniel ein großes Lob verdient. Das hat mir sehr gut gefallen.

Sarmie: Die Einheiten waren toll gestaltet. Umfang, Intensität und Trainingsaufbau waren gut abgestimmt. Insbesondere die beiden ersten Einheiten haben mir persönlich sehr viel Freude bereitet. Simulationen von relevanten Spielsituationen wie z.B. dem 1:1 wurden geübt gewürzt mit gut durchdachten Spielformen. Am Ende gab es nochmal ein sinnvolles Abschlussturnier. Das gehört zum guten Abschluss einfach dazu!

Kemper: Alle Teilnehmer sind in den drei Einheiten an ihre Grenzen gegangen, teilweise auch an ihre Grenzen gestoßen. Das Tempo und die Intensität habe ich in Deutschland so bislang noch nicht gesehen. Da das Angriff- und Abwehrverhalten im Vordergrund stand, sind taktische Facetten wie Rotation, Varianten etc. nicht gesondert geschult oder getestet worden. Allerdings haben sich in den vielen 1gg1 bis 5gg5-Übungen zahlreiche taktische Elemente wiedergefunden, was dem Trainerteam gute Einblicke in die sportliche Ausbildung der Spieler ermöglichte. Meinem Erachten nach haben wir aus eineinhalb Tagen das Maximum an Trainingsintensität und -möglichkeiten rausgeholt und alle Spieler optimal gefordert und gefördert.

Mister Futsal: Wie habt ihr das technische, taktische und physische Niveau der Spieler empfunden?

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Timo Heinze am Ball beim Lehrgangstraining.

Heinze: Natürlich gibt es in allen Bereichen noch Luft nach oben, schließlich stehen wir in Deutschland noch ziemlich am Anfang. Es war aber deutlich zu sehen, dass gemessen daran wirklich einiges an Potenzial vorhanden ist. Die Trainingseinheiten waren geprägt von hohem Einsatz, hohem Tempo und die eine oder andere Aktion zum Zunge schnalzen war dabei auch zu sehen. Taktisch war es gerade im ersten Training noch etwas holprig, was aber kaum überrascht, weil eben viele Spieler aus den unterschiedlichsten Teams mit verschiedenen Spielsystemen bzw. Spielphilosophien zusammentrafen. Ich denke aber, die taktische Feinarbeit macht dann auch erst so richtig Sinn, wenn der Kader weiter reduziert wurde. Insgesamt war jedenfalls das Niveau jetzt schon relativ hoch, wie ich finde.

Rüschenpöhler: Das technische und physische Niveau habe ich für deutsche Verhältnisse als enorm hoch empfunden. Alle Spieler haben trotz hoher körperlicher Belastung voll durchgezogen und auch technisch ist einiges geboten worden. Taktisch habe ich ebenfalls keine großen Schwächen erkennen können, allerdings ist in diesem Bereich aufgrund der begrenzten Zeit auch nicht so viel gearbeitet worden.

Sarmie: Ich denke das technische und physische Niveau ist ganz gut gewesen. Jeder Spieler hatte seine unterschiedlichen Stärken. Der eine ist körperlich stärker und der andere technisch besser. Im taktischen Bereich gab es öfter mal Missverständnisse, da die Spieler unterschiedliche Spielsystemen kennen. Aber ich denke, dass wenn sich am Ende ein Kader herauskristallisiert, man die unterschiedlichen Spieler bei regelmäßigen Lehrgängen auf eine Grundtaktik einschulen und die wichtigsten Grundzüge einstudieren kann.

Kemper: Schon vorher war klar, dass beim Lehrgang die crème de la crème des west- und norddeutschen Futsals zusammenstoßen wird, dass die Qualität jedoch so hoch ist, hätte ich im Vorfeld nicht erwartet. In allen drei Bereichen haben wir zwar ein hohes Maß an starken Veranlagungen vorgefunden, dennoch hat sich mit zunehmender Trainingsdauer gezeigt, wer im geregelten Trainings- und Spielbetrieb ist und wer nicht, da insbesondere die physische Belastung spürbar wurde. Darunter haben folglich taktische und technische Fähigkeiten gelitten, auch wenn das Kritik auf hohem Niveau ist.

Mister Futsal: Was natürlich viele und auch uns brennend interessiert: Welche drei Spieler würdet ihr, selbstverständlich neben euch selbst, nominieren?

Heinze: Bei der Antwort kann man ja fast nur verlieren, deshalb antworte ich mal ganz brav und diplomatisch. Zum Glück bin ich ja nicht der Trainer und überlasse ihm das gerne. Ich möchte jedenfalls nicht mit ihm tauschen, denn wir haben sicher einige sehr gute Jungs, die infrage kommen.

Rüschenpöhler: Ich denke, dass sich viele Spieler auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen und dazwischen zu differenzieren ist keine leichte Aufgabe. Insbesondere wenn auch noch die Teilnehmer vom zweiten Sichtungslehrgang in Grünberg hinzukommen. Wenn ich allerdings drei Spieler aus unserem Lehrgang auswählen müsste, würde ich die Folgenden nominieren: 1. Nils Klems, weil er eine unglaubliche Übersicht, Präzision und Ruhe am Ball besitzt. 2. Meinen UFC-Kollegen Bartek Mazurkiewicz (der übrigens bald die deutsche Staatsbürgerschaft erhält), weil er physisch enorm stark und überaus ballsicher ist. Und 3. Michi Meyer, weil er das beste Gesamtpaket aus offensiver und defensiver Qualität mitbringt, auch wenn er beim Lehrgang verletzungsbedingt leider nicht mitmachen konnte.

Sarmie: Ehrlich gesagt möchte ich mich da gar nicht festlegen, denn es gab mehr als nur 3 überragende Spieler, die für mich in den Kader gehören. Insgesamt gefallen mir sieben bis zehn Spieler auf einem konstanten guten Niveau. Es wäre ungerecht gegenüber den anderen starken Spielern nur drei zu nennen.

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(National?-) Co-Trainer Kemper. Dieses Bild könnte der Beginn einer hoffentlich langen Karriere sein.

Kemper: So gern du nun konkrete Namen hören würdest, so langweilig fällt meine Antwort aus: Noch sind wir weit entfernt von einem letztendlichen Kader, zumal wir noch nicht mal allen Spielern die Chance gegeben haben, sich zu präsentieren oder auf sich aufmerksam zu machen. Natürlich haben sich jedoch einige Spieler, nicht nur bei diesem Lehrgang, durch überragende Leistungen in den Vordergrund gespielt, aber das hätte selbst Marcel Reif gesehen…

außerdem Kemper: Nach dem Sichtungslehrgang ist vor dem Sichtungslehrgang. Wer nun meint er könne sich ausruhen, liegt absolut falsch. Alle Spieler rücken noch mehr in den „Fokus der Futsalszene“ und müssen die starken Leistungen der Vergangenheit bestätigen, an ihren Schwächen arbeiten und die Stärken festigen. Nur wer an sich arbeitet und die entsprechende Einstellung hat wird es in die letztendliche Auswahl schaffen…

Mister Futsal: Wir bedanken uns bei euch für diese fantastischen Eindrücke!

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