Let´s organize together – Futsalspiele als Multi-Sportevent

Der Futsal Economist ist endlich wieder zurück und beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Futsalteam die Halle füllen kann. Doch seht selbst!

Viele von Euch beschäftigen sich bestimmt immer wieder mit der Frage, wie das eigene Futsal-Liga-Spiel besser vermarktet und mehr Zuschauer in die Hallen gelockt werden können. Die meisten Liga-Spiele werden „klassisch“ als Einzelevent veranstaltet. Die auf niedrigem Niveau stagnierenden Zuschauerzahlen bereiten Euch jedoch sicherlich Kopfzerbrechen. Obwohl das spielerische Niveau zunimmt, werden weiterhin immer sind die gleichen Gesichter beim Spiel gesichtet. Eintritt ist bisher kaum ein Thema. Daher die Frage: wie bekommen wir mehr und andere Leute zu einem Futsal-Spiel? Um Euch die Augen für  „alternative Spieltage“ zu öffnen, möchte ich Euch  im folgenden die Möglichkeit von sogenannten Multi-Events vorstellen. Denn ein Spieltag muss nicht „klassisch“ bleiben.

Die Spieltagsorganisation

Gerade für neue Hallensportarten – wie für den Futsal-Sport in Deutschland – bestehen hinsichtlich der Spieltagsorganisation drei Hauptfragen: (1) wie senke ich die Spieltagskosten?, (2) wie bekomme ich die Top-Hallen der Stadt?, und (3) wie bekomme ich mehr Zuschauer zu den Spieltagen.

(1) Die Ausrichtung von Spieltagen ist mit sportstättenbezogenen Kosten (z.B. Miete, Strom, Reinigung) und spieltagsbezogenen Kosten (z.B. Schiedsrichter, Verpflegung Zuschauer) verbunden. Bei einigen Kosten wäre es möglich diese auf mehrere Teams aufzuteilen und somit die eigenen Kosten zu senken.

(2) Klar, jeder möchte in den besten und größten Hallen der Stadt spielen, da dies zum einen sportlich motiviert und zum anderen attraktiver für die Zuschauer ist. Jedoch sind diese zum einen teurer und zum anderen oftmals langfristig gebucht und nur durch große Vereine (mit guten Verbindungen zum lokalen Sportbund) buchbar.

(3) Steigende Zuschauerresonanz ist aus mehreren Motiven wünschenswert. Zum einen steigert die passive Zuschauernachfrage eventuell die Nachfrage nach einer aktiven Teilnahme am Sport. Zum anderen erhöht die Anzahl der Zuschauer die Stimmung bei den Spielen, welches wiederum wichtig ist um noch mehr Zuschauer zum Spieltag zu motivieren. Ein drittes Motiv sind finanzielle Vorteile wie direkte Einnahmen über Eintrittsgelder und indirekte Einnahmen durch eine höhere Attraktivität für Sponsoren. Zusammengefasst: mehr Zuschauer sind absolut notwendig, möchte man die Sportart langfristig selbstragend etablieren.

Eigenorganisation vs. Sammelspieltage

Bisher fahren die meisten Futsalvereine in Deutschland den Weg des „einsamen Wolfes“. Jedes Spiel wird alleine veranstaltet. Vorteil ist primär die volle Flexibilität. Dies führt jedoch oftmals dazu, dass die Kosten hoch, die besten Hallen aufgrund der Unbekanntheit und regionalen Unbedeutsamkeit des Events nicht buchbar sind und die Zuschauer einen langen Weg nur für ein Spiel auf sich nehmen müssen. Verpflegungsangebote lohnen sich aufgrund der geringen Zuschauer nicht. Ein bereits in Teilen Deutschlands praktiziertes Alternativmodell ist die Ausrichtung von Sammelspieltagen. Dadurch können zum einen Anfahrtskosten der Schiedsrichter geteilt werden. Auch die Miete fällt geringer aus, da die Spiele in kürzerer Zeit abgewickelt werden können. Die Mieter benötigen nicht insgesamt 2h (Zeit für Umziehen, Aufwärmen, Spielen und Verlassen) sondern nur noch 1,5h, da das kein Mieterwechsel stattfindet und so die Umzieh- und Aufwärmphase des einen Teams zeitgleich mit der Spiel- und Verlassenphase des anderen Teams stattfinden kann). Des Weiteren erleben die Zuschauer für den einmal absolvierten Anfahrtsweg 3-4 Spiele anstatt nur ein Spiel. Da derartige Massenspieltage jedoch nur für eine Mannschaft ein Heimspiel sind, kommt es selten zur positive Zuschauerspirale und Bekanntheitsaufbau in der Heimatstadt bzw. Heimatbezirk: viele Zuschauer -> gute Stimmung –> mehr Zuschauer -> mehr Fans -> bessere Sponsoren -> besser Spieler. Größere Hallen lassen sich ebenfalls selten buchen, da die Unbekanntheit des Sports für alle Teams gilt. Da nur reine Futsal-Fans erscheinen, werden die gleichen Personen für alle Spiele angesprochen (keine Fluktuation).

Multi-Sportevents: ein alternativer Weg für Futsal?

Aufgrund der Wachstumsphase des Futsals, möchte ich Euch einen alternativen Ansatz vorstellen, welcher in den vergangenen Jahren vermehrt von Vereinen bzw. Sportarten bevorzugt wird: das sogenannte „Bundling“ von Sportarten bzw. die Ausrichtung von Multi-Sportevents. Die Idee ist einfach: mehrere Sportarten der gleichen Stadt mit denselben Probleme (geringe Zuschauerzahlen, schlechtere Hallenzeiten, hohe Kosten) organisieren einen gemeinsames Sportevent. Alle Sportarten einzeln locken nur die gleichen (wenigen) Begeisterten. Gemeinsam lassen sich aber zahlreiche Synergieeffekte erzielen. Bestes Beispiel sind die X-Games. Nicht zuletzt durch die Bündelung von Sportarten wie BMX, Skateboard oder Motorcross (welche erstmal kaum vergleichbar waren) wurden aus einzelnen, unbedeutend Events eines der größten Fun-Events weltweit. Daher, warum nicht einen Futsal-Spieltag mit einem Spieltag anderer Hallensportarten verbinden?

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Die X-Games als Vorbild? Der Erfolg spricht für sich. Foto: urbanstore.com.br

Denken wir uns folgendes Szenario: Ihr fragt bei einem lokalen (nicht unbedingt der größte) Basketball-, Volleyball-, Badminton- und Frisbeeverein an, das „Große Hallensportevent 2014“ gemeinsam zu veranstalten (passend kann es noch mit einem sozialen Zweck verknüpft werden). Dabei tragen alle Vereine ein Ligaheimspiel Ihrer Sportart aus. Vorteile: Mietkosten und Reinigungsaufwand wird geteilt. Mietkosten sind, wie für Sammelspieltage beschrieben, geringer da die Ligaspiele schneller nacheinander ausgeführt werden können. Des Weiteren wird gemeinsam für eine ordentliche Verpflegung gesorgt (lohnt sich auch nur bei mehr als 300 Zuschauern). Zusätzlich wird wenigstens einer der alten Vereine gute Verbindungen zum lokalen Sportbund haben bzw. das Event an sich die lokale Administration überzeugen, euch die beste Halle zur Verfügung zu stellen. Ist erst einmal alles organisiert, haben die Zuschauer einen großen Gewinn: einmal Anfahrt um maximal fünf Sportarten zu erleben. Außerdem bringt jede Sportart neue (andere) Fans in die Halle, was schon systematisch zu einem durchschnittlich höheren Zuschauerandrang führt (hohe Fluktuation). In den Übergangsphasen zwischen den Spielen bekommen die Zuschauer immer ein wenig von der anderen Sportart mit. Größter Unterschied zum Modell Sammelspieltag: das Event findet in Eurer Stadt/Bezirk statt. Ihr erreicht somit potenzielle Fans für die Zukunft. Eine große Presseresonanz ist Euch ebenso sicher. Ferner können Eintrittsgelder verlangt (bei den meisten Futsalspiele noch nicht möglich) und extra Eventsponsoren akquiriert werden (am Ende wird alles geteilt). Grenzen sind vor allem in der Langfristigkeit der Planung, die Einmaligkeit und Abstimmung zu sehen. Die Events müssen min. ein halbes Jahr im Voraus geplant werden, da Hallen reserviert und Spielpläne mit den eigenen Ligaverantwortlichen abgestimmt werden müssen. Außerdem sollte ein derartiges Event (entgegen Sammelspieltagen) max. 2 mal jährlich stattfinden, damit die Einmaligkeit und damit der Reiz für lokale Presse nicht verloren geht. Letztens wird nicht jeder involvierte Sportverein gleichartig an der Organisation mitwirken. „Shirking“-Effekte, also die Kompensation der Minderleistung eines Vereins durch eine Mehrleistung eines anderen, ist anzunehmen und sollte „eingeplant“ werden.

Trotzdem, so finde ich, solltet Ihr die Veranstaltung eines Multi-Sportevents überdenken. Da draußen gibt es zahlreiche Sportvereine bzw. Sportarten, welche dieselben Probleme haben wie wir. Also lasst uns alle gemeinsam unsere Sportarte promoten. Vielleicht können derartige Events den Futsal in Eurer Stadt den notwendigen Schwung geben.

Was haltet Ihr von diesem Ansatz bzw. habt Ihr bereits ein derartiges Event organisiert bzw. teilgenommen?

Chalip, L., & McGuirty, J. (2004). Bundling sport events with the host destination. Journal of Sport & Tourism, 9(3), 267-282.

Mallen, C., Stevens, J., Adams, L., & McRoberts, S. (2010). The assessment of the environmental performance of an international multi-sport event. European sport management quarterly, 10(1), 97-122.

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