Defensivarbeit – Die Regeln der Abwehr

In unserem dritten Teil der Serie „Defensivarbeit“ widmen wir uns dem Thema der Defensivregeln. Unter den Defensivregeln werden im Futsal gewisse Richtlinien für die Verteidiger verstanden, an die sie ihre eigene Position und Funktion in der Defensive ausrichten und prüfen können.

  • Der Einstieg in die Futsaldefensive
  • Die Jobs der Spieler
  • Die Regeln der Abwehr
  • Rennen ist Silber, Kommunikation ist…
  • Je höher, desto besser!

Doch warum werden überhaupt solche Regeln im Futsal eingesetzt? Wie so oft ist der Sinn und die Notwendigkeit dieser Regeln der hohen Geschwindigkeit und Dynamik geschuldet. Da jeder Spieler jederzeit auf jeder Position die Rolle des Verteidigers übernehmen muss, ist es für das ganze Team hilfreich, sich an gewisse Grundsätze zu halten. Anhand weniger Vorgaben kann so garantiert werden, dass das Grundsystem jederzeit funktioniert. Hilfreich ist dabei das kleine Feld und die geringe Anzahl an Spieler. Auf diese Art können oft durch einige Regeln viele relevante Mechanismen abgesichert werden. Und wie kann so eine Regel aussehen? Eine Regel könnte zum Beispiel lauten: „Du stehst richtig, wenn du zwischen Ball und Tor stehst.“ Einfache Regel, einfache Umsetzung, doch entscheidend für den Erfolg. Denn einserseits bildet diese Regel grob die Inhalte des Rückzuges nach einem Ballverlust ab. Andererseits sichert die Regel eine fest Grundstruktur ab, unabhängig davon, mit wie vielen Angreifer der Gegner seine Angriffsbemühungen vollzieht. Das bringt wiederrum Stabilität.

Es ist natürlich schwierig, allgemeine Defensivregeln aufzustellen. Die Regeln müssen an dem eigenen Defensivsystem jeweils angepasst werden. Doch viele der Regeln, die sich im Internet oder bei Trainerlehrgängen zu diesem Thema finden lassen, besitzen wiederkehrende und futsaltypische Aspekte. Wir möchten zwei von diesen Regelbündel vorstestellen.

FIFA-Basis-Regeln

Bei den FIFA-Basis-Regeln handelt es sich um sehr grundlegende Prinzipien, die zur Strukturierung der Defensive gerne bei Trainerlehrgänge, zum Beispiel der FIFA, vorgestellt werden. Der Name ist sozusagen Programm. Die vier Regeln können gewissermaßen auch als einfache Kontrollregeln für die Positionierung der Spieler bezeichnet werden. Denn die Regeln sind weniger auf stilprägende Defensivmechanismen ausgelegt, sondern konzentrieren sich mehr auf klassische Futsalgrundlagen, die in der Defensive fast in jedem System beachtet werden sollten.

  1. Ich stehe zwischen meinem Tor und dem Ball
  2. Meine Position ist korrekt, wenn ich meinen Gegenspieler und den Ball sehe
  3. Der ballführende Angreifer wird aktiv gepresst bzw. verzögert
  4. Kommunikation, Teamwork und Unterstützung sind das A und O
Foto 1

Negativbeispiel Regel 1: Ich stehe zwischen meinem Tor und dem Ball

Schauen wir uns die Regeln beispielhaft auf der Taktiktafel an. Team Rot verteidigt, Team Grün greift an. Die erste Regel fordert eine klare Positionierung aller Spieler zwischen dem Ball und dem eigenen Tor. Wir ziehen demnach eine imaginäre Linie am Ball und kontrollieren die Position der Spieler. Und was sehen wir sofort? Spieler 4 ist der ersten Regel nicht nachgekommen. Was bedeutet das nun für die Defensivbemühungen von Rot? Da nicht alle Spieler hinter der Ballinie positioniert sind, gibt die Verteidigung den Vorteil ab, in Überzahl den Angriff zu bremsen. Spieler 4 scheint Spieler 1 von Team Grün zu verteidigen, doch der hat mit den Angriffsbemühungen seiner Mannschaft nichts zu tun. Der Spieler hat in diesem Moment keine Funktion auf dem Feld. Damit schwächt er offenkundig die eigene Mannschaft, die er bei der Defensivarbeit hinter dem Ball unterstützen könnte. Im schlimmsten Fall stört der Spieler das komplette Abwehrsystem, da die Mitspieler nicht mehr die vorgegebene Grundformation einhalten können.

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Negativbeispiel Regel 2: Meine Position ist korrekt, wenn ich meinen Gegenspieler und den Ball sehe

Bei Regel Nummer 2 erweitern wir die erste Regel inhaltich. „Meine Position ist korrekt, wenn ich meinen Gegenspieler und den Ball sehe.“ Demnach sollte im Idealfall jeder Verteidiger über die Position seines direkten Gegenspielers und die des Balles sein. Denn nur dann kann er aktiv den Angreifer durch geschickte Deckungsbewegungen als Anspielstation aus dem Spielgeschehen nehmen. Was passiert diesmal bei Team Rot in unserem Negativbeispiel? Alle Spieler haben sich gemäß der ersten Regel hinter dem Ball positioniert, doch die Zuordnung zu den Gegenspieler stimmt nicht. Der Verteidiger mit der Nummer 2 muss sowohl den ballführenden Spieler, als auch den gegnerischen Spieler mit der Nummer 4 nahe der Eckfahne kontrollieren. Obwohl nun keine Unterzahlsituation entstehen dürfte, entsteht eine Teilunterzahl auf der linken Spielfeldhälfte, die unsere starke Seite in der Verteidigung sein sollte, da sich dort der Ball aufhält. Kommunikation und Zuordnung fehlen auf dem Platz und können zu einem gefährlichen gegnerischen Angriff führen. Für Team Rot ist es nun schwierig, so tief in der eigenen Hälfte die Zuordnung zurückzuerlangen. Spieler 3 müsste Spieler 4 klare Anweisungen zur Korrektur geben, damit dieser den ballführenden Spieler übernimmt, während Spieler 2 den Angriff und einen Pass nach außen verzögert. Diese zusätzliche Arbeit hätten sich die Spieler sparen können.

„Der ballführende Angreifer wird aktiv gepresst bzw. verzögert“. Die dritte Regel kann auch als Pressing- oder Verzögerungsregel bezeichnet werden. Ziel der Regel ist, den gegnerischen Angriff direkt zu stören und somit den Angreifern keine Zeit für den Aufbau von strukturierten Offensivaktionen zu lassen. Je früher und besser der ballführende Spieler unter Druck gesetzt wird, desto schwieriger wird es für ihn, einen kontrollierten Ball zu spielen. Desweiteren ist die Nähe des Verteidigers zum Ball für die Positionierung der weiteren Defensivspieler entscheidend. Wird gut gegen den Ball gepresst, können die Mitspieler die Passwege der jeweiligen Gegenspieler eher zustellen und dabei mehr im Raum agieren. Das ganze Defensivsystem erhält dadurch eine höhere Dynamik, wodurch eine schnelle Balleroberung viel wahrscheinlicher wird.

Bildervergleich

Foto 5

Beispiel Regel 4: Kommunikation, Teamwork und Unterstützung sind das A und O

Die letzte Regel könnte auch als Motivations- oder Teamgeist-Regel bezeichnet werden. Kein Defensivsystem funktioniert ohne „Kommunikation, Teamwork und Unterstützung“. Die Spieler können und sollten sich durch kurze Kommandos auf dem Feld ständig gegenseitig unterstützen. Wie wichtig die Kommunikation auf dem Platz ist, lässt sich nur sehr schwer beispielhaft darstellen. Doch wenn man die Gelegenheit hat, ein professionelles Futsalspiel live oder im Fernsehen zu sehen, sollte man darauf achten, wie viele Kommandos, sowohl körperlich als auch mündlich, zur Orientierung der Mitspieler gegeben werden. In unserem Negativbeispiel löst sich der Pivot von Team Grün, um eine ähnliche Teilüberzahl auf dem Flügel wie im vorherigen Negativbeispiel herzustellen. Der Fixo von Team Rot möchte seine zentrale Position nicht aufgeben. Deshalb unterstützt dieser seinen gegen den Ball agierenden Mitspieler, in dem er ihn mit dem Ausruf „Links“ signalisiert, dass eine Anspielstation auf der linken Seite entstanden ist. Der unterstützende Ala rückt durch dieses Kommando ebenfalls ein Stück in die Mitte, um dem Verteidiger gegen den Ball eine leichte Positionierung nach links zu ermöglichen. In diesem Fall spart Team Grün Kraft und Kondition, ohne dabei an Stabilität in der Defensive zu verlieren. Schlussendlich bleibt Kommunikation und Teamwork, wie in vielen anderen Sportarten auf höchstem Niveau auch im Futsal der Kern der Sportart.

Núñez-Gago-Regeln

Die Núñez-Gago-Regeln sollen an dieser Stelle nochmal beispielhaft darstellen, welche alternativen Möglichkeiten zur Definition von Defensivregeln zur Verfügung stehen. Carlos Cesar Núñez Gago ist einer der aktivsten Futsalcoaches im Internet. Auf seinen Youtubekanal stellt er in Dutzenden von Videos Trainings- und Taktikmethoden in akribischer Kleinarbeit vor. In seiner umfangreichen Videosammlung finden sich auch Materialen zur Defensivorganisation. Er formuliert vier Regeln, die für ihn den Kern hochwertiger Defensivsysteme ausmachen.

  1. Druck (Verzögerung) auf den Ballführenden Gegenspieler
  2. Unterstützung und Raumbeherrschung (Rückendekcung)
  3. Orientierung der Defensive durch Deckung der Passlinien
  4. Die Mitte schließen und beschützen (Mitte zu)
Bild für Regelset2

Núñez-Gago-Regeln in Aktion

Einige der Regelfragmente sind uns aus den FIFA-Basis-Regeln bekannt, wie der Druck auf den Ball und die Untersützung der Spieler. Die vier Regeln greifen allerdings stärker auf vorhandenes Futsalwissen zurück und setzen direkt einige Defensivhandlungen und Konzepte um. Die Qualität der Defensive kann ausgehend von dem System von Núñez Gago je nach Spielsituation anhand der vier Regeln kontrolliert werden. Setzen die Spieler die Defensivbemühungen ihrer Mannschaft perfekt um, sollten alle Regeln greifen. Vorrangiges Ziel ist der Schutz der Mitte, der als abschließende Regel festgehalten wird. Wie die Regeln auf dem Spielfeld umgesetzt werden, dass haben wir euch in einem kleinen Video zusammengeschnitten.

Und wie sieht es bei euch aus? Seit ihr schon an der Formulierung eurer internen Regeln? Was haltet ihr von diesen Regeln, kanntet ihr diese schon oder findet ihr die vielleicht sogar überflüssig? Lasst es uns den den Kommentaren wissen!

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