Defensivarbeit – Die Jobs der Spieler

Im zweiten Teil der Serie „Defensivarbeit“ behandeln wir das Thema der taktischen Defensivhandlung. „Die Jobs der Spieler“ scheint im ersten Moment eine etwas kryptische Beschreibung für einen relativ natürlichen Vorgang in der Defensive. Doch die Bezeichnung Job trifft im Kern sehr genau die Idee der Defensivhandlung. Ein Spieler übernimmt eine Aufgabe im Abwehrsystem, um den gegnerischen Angriff zu unterbinden. Je besser der Spieler seinen Job macht, desto besser funktioniert der Defensivverbund.

  • Der Einstieg in die Futsaldefensive
  • Die Jobs der Spieler
  • Die Regeln der Abwehr
  • Rennen ist Silber, Kommunikation ist…
  • Je höher, desto besser!

Defensivhandlung? Was bedeutet das?

Unter dem Begriff der Defensivhandlung werden alle Aktionen zusammengefasst, die während der Verteidigung von einem oder mehreren Spielern realisiert werden, um den gegnerischen Angriff zu erschweren oder zu unterbinden. Damit fasst der Begriff eine Anzahl an verschiedenen Aktionen zusammen, darunter zum Beispiel die Deckung, das Tackling, der Wechsel von gegnerischen Spielern. In verschiedenen Lehrbüchern werden diese Handlungen allgemein in vier Arten unterteilt: Übergangs-, Unterstützungs-, Deckungs- und Eroberungshandlungen.

VErteidigungshandlungen

Defensivhandlungen im Überblick

Jede Handlung unterstützt das Defensivsystem des Teams auf eine bestimmte Art und Weise. Der wahre Mehrwert für die Defensive zeigt sich allerdings erst dann, wenn die Handlungen in einem kompletten Abwehrsystem miteinander kombiniert werden. Wie diese Kombination auf dem Feld aussieht, liegt an der Entscheidungsfähigkeit und Vorbereitung der Mannschaft sowie Spieler.

In diesem Artikel werden wir uns auf die Übergangs- und Unterstützungshandlungen konzentrieren. Als Beispiel nutzen wir erneut Bildmaterial aus der Vierteifinalpaarung zwischen Inter Movistar und Caja Segovia um die Copa de España im Jahr 2013.

Übergangshandlungen

Unter den Übergangshandlungen fallen alle Aktionen, die direkt nach einem Ballverlust der eigenen Mannschaft eintreten. Nach dem Übergang des Ballbesitzes an den Gegner stehen zwei Handlungen im Fokus. Neben dem Rückzug des Teams gilt die taktische Verzögerung als eines der Kernthemen im Futsal.

Rückzug BildDer Rückzug entspricht als eigene Defensivhandlung der ersten Phase der Verteidigung (Artikel 1). Bei dieser Handlung ziehen sich die Spieler nach einem Ballverlust als Team in die eigene Defensivformation zurück. Der Rückzug ist  dann erfolgreich abgeschloßen, sobald sich alle Spieler zwischem dem Tor und der Balllinie positioniert haben.Es wird zwischen dem positionellen und nicht-positionellen Rückzug unterschieden. Beim positionellen Rückzug bewegen sich die Spieler auf ihre vorher festgelegten Positionen zurück. Diese Art des Rückzugs verlangt eine klare Positionsverteilung der Spieler untereinander. Der voher definierte Fixo muss seine Rolle beim Rückzug erneut einnehmen, unabhängig davon, welche Position er gerade auf dem Feld bezieht. Diese Form bietet sich an, wenn ein Spieler eine gewisse Rolle hervorragend oder eben gar nicht beherrscht. Spieler mit schwächen in der Kommunikation werden dadurch zum Beispiel geschützt, die Verantwortung des Fixos als Defensivlenker übernehmen zu müssen.  Die weitaus häufigere, und der Geschwindigkeit des Futsals angepasste Art, ist der nicht-positionelle Rückzug. Bei diesem Rückzug nehmen die Spieler entsprechend der Situation die nächstmögliche Position im Abwehrverbund ein. Natürlich sollte ein Mindestmaß an Kommunikation und Spielübersicht bei allen Spieler gegeben sein. Der Vorteil liegt eindeutig in der Geschwindigkeit und Organisation des Rückzugs.

Bei der Verzögerung handelt es sich um eine der interessantesten taktischen Aktionen im Futsal. Mit der Verzögerung werden alle Handlungen bezeichnet, die den gegnerischen Angriff buchstäblich hinauszögern. Hierzu zählen in erster Linie nicht unbedingt unterbindende Zeitspiele bei Standards, sondern klare taktische Eingriffe in den gegnerische Angriffsaufbau, um den eigenen Mitspielern mehr Zeit beim Rückzug zu verschaffen. Deutlich werden die Vorteile und Nützlichkeit der Verzögerung beim Unterzahl- bzw. Umschaltspiel. Anders als im Fußball sollte der Verteidiger in solchen Situationen einen eher aktiven Part übernehmen und den Gegner bei einem Konter intelligent unter Druck setzen, so dass dieser seine Angriffbemühungen verzögert oder sogar unterbricht. Die gewonnene Zeit können Mitspieler nutzen, um die Unterzahlsituation auszugleichen. Bei einer passiven Haltung des Verteidigers, ohne den Angriff aktiv zu verzögern, würde das kurze Feld einen Abschluss des Gegners begünstigen, da die Unterzahlsituation unmöglich durch eine läuferische Leistung der Mitspieler auszugleichen wäre. Je nach Situation lassen sich somit zwei  Formen der Verzögerung ableiten: die pressende Verzögerung nach einem Ballverlust ohne direkte Torgefahr und die defensive Verzögerung mit direkter Torgefahr. Die pressende Verzögerung bietet sich bei Ballverlusten tief in der gegnerischen Hälfte an. In diesem konkreten Fall presst ein Verteidiger alleine gegen den ballführenden Spieler, um den Mitspielern mehr Zeit bei der Erlangung der Grundordnung zu ermöglichen. Das situative Pressing gegen den Ball kann die nötigen Sekunden verschaffen, um dieVerzögerung ersten beiden Phasen der Verteidigung zu verlängern. Im Gegensatz dazu ist das Ziel der defensiven Verzögerung, den Gegner nach einem Ballverlust in einer Gefahrenzone so zu stören, dass die eigenen Mitspieler hinter die Ballinie gelangen. In diesem Fall geht es darum, eine mögliche Unterzahl- und Gefahrensituation soweit zu stoppen, dass die Mitspieler sich in die Defensivarbeit integrieren können. Außerordentlich wichtig ist für die Spieler zu verstehen, dass es sich beim Verzögern um keine Balleroberungsaktion handelt. Denn der Versuch einer aggresiven Balleroberung kann zum gegenteiligen Effekt führen, wenn sich dadurch der Verteidiger ausspielen lässt. Heldentaten sich demnach nicht erwünscht.

Unterstützungshandlungen

Bei den Unterstützungshandlungen finden wir uns mitten in der strukturierten Verteidigungsphase wieder. Unter diesen Handlungen sind alle Aktionen zusammengefasst, bei denen mindestens zwei Verteidiger gemeinsam den gegnerischen Angriff unterbinden wollen. Es wird zwischen der Unterstützung, eine Art Doppeln des Gegners, der Deckung und dem Wechsel unterschieden.

Deckungshandlungen

Die drei Arten der Deckungshandlungen: Unterstützung, Abdeckung und Wechsel

Bei der Defensivhandlung „Unterstützung“ handelt es sich um eine Art Doppeln des Gegners. Anders als im Fußball wird dabei nicht wirklich gedoppelt, da der eigene Gegenspieler nicht komplett aus dem Zugriffsbereich gelassen wird. Es handelt sich mehr um eine Unterstützung bei der Deckung des Gegeners, in dem die Räume und Passlinien stärker bearbeitet werden. Der erste Defensivspieler erhält damit eine Pressingunterstützung bei der Verteidigung des Angreifers. Eine Szene aus dem Spiel aus der Viertelfinalpaarung aus Spanien kann die Wirkung des Defensivhandlung verdeutlichen (siehe Bild). In der Szene verteidigt Segovia in ihrem typischen 2-1-1 System. Dieses System arbeitet durchgängig mit einem unterstützenden Ala/Pivot, der den Druck auf den ballführenden Spieler erhöht, ohne dabei seinen eigenen Gegenspieler aus dem Zugriffsbereich zu verlieren.

Defensive Abdeckung Unterstützung

Mischform aus Unterstützung und Abdeckung: Der zweite Spieler der ersten Reihe in Segovias 2-1-1 verbindet die Ziele und Aufgaben der Unterstützung und Abdeckung. Er unterstütz den Mitspieler gegen den Angreifer, der sich in die Mitte bewegt. Dabei dominert er den Raum hinter seinen Mitspieler, deckt den gegenüberliegenden Ala ab und hat noch Zugriff auf den Fixo. Durch die Mischform nimmt er sozusagen drei Gegner aus dem Spiel.

Die Abdeckung ist eine Variante der Unterstützung. Im Gegensatz zur Unterstützung wird bei der Abdeckung kein Druck auf den Gegner ausgeübt, sondern nur durch eine leichte Positionierung hinter dem eigenen Mitspieler eine Absicherung vorgenommen, falls der Angreifer den Mitspieler überwindet. So kann der zweite Verteidiger zusätzlich den Weg zum Tor versperren. Diese Art der Defensivhandlung bietet sich gegen starke Einzelspieler an, die über herausragende Fähigkeiten im 1gegen1 besitzen. Oft findet sich bei taktisch fortgeschrittenen Mannschaft eine Mischform aus Unterstützung und Abdeckung statt. Diese Mischform kann am besten am Beispiel des 2-1-1 von Caja Segovia dargestellt werden. Denn die vorderen beiden Spieler arbeiten in ihren Aktionen abwechselnd unterstützend und absichernd.

Als weitere Unterstützungshandlung gilt der Wechsel. Beim Wechsel tauschen die Verteidiger ihre direkte Angriffsgegner. Der Grund dafür kann variieren. Der typische Fall ist die Übergabe oder Übernahme eines Gegners während der Verteidigung in einer Raumdeckung. Die schnellen Positionswechsel der Gegner können so kräftesparend verteidigt werden. Eine andere Form des Wechsels ist die Übernahme eines angreifenden Gegners des Mitspieler, wenn dieser Mitspieler umspielt wurde. In diesem Fall wird der Gegenspieler getauscht, um diesem den Weg zum Tor zu versperren. Der überwundene Verteidiger kann in der Zwischenzeit den Rückzug vollziehen und die Position des wechselnden Mitspielers einnehmen. Diese taktische Handlung erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit der Spieler sowie ein hohes Maß an Spielverständnis und Übersicht. Sowohl der ausgespielte Spieler muss die Ruhe bewahren, um die adequate Position im Spiel zu besetzt, als auch der unterstützende Verteidiger, der die Situation schnell erfassen muss, um den Angriff zu unterbinden.

 

Und nun seid ihr wieder am Zug! Trainert ihr spezielle Defensivhandlungen oder nutzt ihr sogar andere spezifische Aktionen? Ihr habt gute Beispiele für genau diese oder andere Aktionen bei Youtube gefunden? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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