Finale im Spiel 55: Niedersachsen gegen Hamburg

Das DFB Futsal-Landesauswahlturnier hatte sein erhofftes Endspiel. Im Spiel Nummer 55 trafen die beiden ungeschlagenen Auswahlteams aus Niedersachsen und Hamburg aufeinander. Der Gewinner der Partie würde als erster Futsal-Landesauswahlturniersieger in die Geschichtsbücher eingehen. Beide Teams konnten jeweils mit 12 Punkten zuversichtlich in die Partie gehen. Die Hamburger hatten sich auf dem Weg ins Finale gegen die Landesauswahlen aus Lothringen (0:1), Südbaden (1:2), Bayern (3:2) und Saarland (2:0) durchgesetzt. Die Niedersachsen verdienten sich ihre zwölf Punkte gegen Thüringen (0:1), Westfalen (2:1), Sachsen (0:2) und Schleswig-Holstein (2:4).

Pünktlich zum Anstoß war die Halle gefüllt, die Stimmung prächtig und die Erwartungen an das letzte Spiel des Turniers riesig. Auch das DFB TV war vor Ort. Die Zuschauer erwartete ein wahres Spitzen spielt. Und keiner auf der Tribüne wurde enttäuscht.

Das Spiel beginnt!

Die Niedersachsen begannen das Spiel mit Arne Ruff (12), Patrick Hiber (5), Roberto Cid-Valdes (10) und Albert Cardenas Alamillos (8) auf dem Feld. Bei den Hamburgern starteten auf dem Feld Sergiy Sharovara (2), Onur Ulusoy (8), Erdinc Orün (9) und Ugur Yasar (10). Die Niedersachsen übernahmen in den ersten Sekunden den Ball. Die Hamburger erwarteten die Niedersachsen in der Nähe der Mittellinie, hielten sich allerdings vorerst mit Vorstößen in der Defensive zurück. Die NFV-Auswahl versuchte im 3-1 System das Feld breit zu machen. Allerdings konnten sie keine Unruhe bei den Hamburgern provozieren, da die Fixos meist tief in der eigenen Hälfte für Sicherheit bei möglichen Kontern sorgen sollten. So fehlte den Niedersachsen in der A

Spiel 55 beginnt! Niedersachsen gegen Hamburg

Spiel 55 beginnt! Niedersachsen gegen Hamburg

nfangsphase etwas die Dynamik. Hamburg spielte bei der Balleroberung in ihrem gewohnten 2-2 (3-1 versetzt) System, bei dem Ulusoy oft den spielbestimmenden und aufbauenden Part übernahm. Dabei agierte er gewohnt überlegt, beinahe schon als Libero auf dem Feld. Doch sobald sich Ulusoy in die Angriffsrotationen einschaltete, erhielt das Spiel ein anderes Tempo. In der zweiten Minute konnten die Hamburger nach gekonnter Rotation über die Parallela mit Ulusoy als durchziehenden Fixo fast in Führung gehen.

Die Niedersachsen hielten der ersten Angriffswelle stand und versuchten anschließend selbst ihr Glück. Sie spielten ihre Stärken auch gegen Hamburg gezielt aus, in dem sie bei möglichen Kontersituationen mit schnellen Umschaltverhalten und unglaublicher Geschwindigkeit zum gegnerischen Tor zogen. So konnte sich Arne Ruff (12) in der dritten Minute durchsetzen und fast die Führung erzielen. Sobald die Niedersachsen den Ball sicher in ihren Reihen hatten, zogen sich die Hamburger sehr tief in ihre eigene Hälfte zurück. Dadurch verhinderte die HFV Auswahl, dass ihre Gegner die schnellen Spieler gewinnbringend ins Spiel einbrachten. Trotzdem konterte die Niedersachsenauswahl noch einige Male gefährlich.

Hamburg pennt, Niedersachsen führt

Nach den ersten fünf Minuten hatten die Hamburger mehr vom Spiel. Die Niedersachsen setzten selbst überwiegend auf eine tiefe Abwehrformation im 3-1 System. Über weite Strecken des Spiels positionierten sich die Ala in der Defensive in der Nähe des Fixo. Der Pivot, oft von der Nummer 10, Cid-Valdes, gespielt, musste einige Meter vor der Dreierreihe die Gegner beim Aufbau stören. Dies war gegen die dribbelstarken Hamburger keine einfach Aufgabe und eine gefährliche oben drein. Denn oft verhielt sich der Pivot bei seiner Aufgabe zu ungestüm, so dass er leicht ausgespielt werden konnte. Dies bedeutete eine Überzahl der Hanseaten in der gegnerischen Hälfte, die vorerst nicht ausgenutzt werden konnte.

Trotz der Hamburger Vorteile erzielten die Niedersachsen das 1:0. Erneut verteidigten die Hamburger tief in der eigenen Hälfte. Alle Spieler versammelten sich ca. 8 Meter vor dem Tor. Die Gefahr dieses tiefen Systems wird bei dem Gegentreffer der Niedersachsen deutlich. Der sonst so souveräne Sergiy Sharovara (2) machte in einem Moment der Unaufmerksamkeit den Weg zum Tor durch die Mitte auf. Diesen Fehler wusste Lukas Kelle (4) eindrucksvoll zu nutzen. Sein unwiderstehlicher Zug zum Tor wurde mit dem 1:0 belohnt.

Hamburg hinten, was nun?

Die Hamburger mussten also reagieren. Auf der Uhr standen noch 14 Minuten. Ausreichend Zeit, um das Spiel zu drehen. Doch viel Zeit ist nicht verstrichen, bevor die Zuschauer erneut jubeln durften. Schon zwei Minuten nach der Rückstand erzielten die Spieler aus Hamburg den Ausgleich nach einer Ecke. Ulusoy legte eine kurz ausgeführte Ecke in den Rückraum. Dort wartete zehn Meter vor dem Tor Witalij Wilhelm (11). Eins zu eins! So einfach können Tore fallen, auch ohne ausgefeilte Eckenvariante.

Im Anschluss drückten die Hamburger weiter auf die Führung. Zwar setzen sie aus taktischer Sicht wenige Rotationen in ihrem Spiel ein, doch ihre unglaubliche Qualität im 1gegen1 und ihre exzellente Entscheidungsfindung sind so weit ausgeprägt, dass in Deutschland kaum ein Team mithalten kann. Deshalb sind die Hamburger auch unberechenbar. Ein Weitschuss hier, ein Doppelpass mit Abschluss über den Pivot dort. Die HFV-Auswahl hat ähnlich den Brasilianern ihre Stärke in der unteren Basis der Futsalpyramide. Auf diese Grundlage darf man ruhig neidisch sein.

Weitere Chancen folgten. Mit einer wahren Energieleistung versenke Maher Mazhoud (4) den Ball zum 1:2 ins Tor, nachdem ein vorheriger Schuß nach toller Kombination nur am Pfosten landete.

Niedersachsen muss reagieren!

1:2 Hamburg! Niedersachsen musste wieder aktiver werden. Und das wurden sie auch. Ihre tiefe Defensivstaffelung bewegte sich einige Meter nach vorne. Und erneut führte ein Konter beinahe zum Tor. Cid-Valdes eroberte durch die höheren Defensivlinie den Ball und erzielte „fast“ das 2:2. Vielleicht hätte etwas mehr Mut und eine noch höhere Defensivreihe ein noch besseres Ergebnis ermöglicht. Leider wurde diese Art der Defensive sehr selten im Turnierverlauf praktiziert. Das Spiel entwickelte sich in dieser Phase (noch ca. 9-7 min zu spielen) zum wahren Schlagabtausch. Das Tempo, das beide Teams beide gingen, ist kaum mit Worten zu beschreiben. Ein erneuter Konter der NFV führte ebenfalls nicht zu Erfolg. Im Spielaufbau hatten sie weiter Probleme. Die Rotationen hielten sich in Grenzen und ohne Ball bewegten sich die Spieler sehr wenig. Dies erleichterte die tiefe Defensivarbeit der Hamburger.

Und so konnte Hamburg die Inkonsequenz der Niedersachsen ausnutzen. Wilhelm eroberte sich nach eigenem Ballverlust im Angriff selbst den Ball zurück und bediente Orün, der das 3:1 erzielte.

Schlussphase. Der Flying muss her

Sieger des DFB Futsal Landesauswahlturniers: Hamburger FV

Sieger des DFB Futsal Landesauswahlturniers: Hamburger FV

Nach einem Timeout drei Minuten vor Schluss setzten die Niedersachsen alles auf einer Karte: Der Flying Goalkeeper. Diesen spielten sich auch inhaltlich gesehen sehr gut aus. Geduldig spielten sie sich zunächst den Ball zu, um eine Lücke im teilweiße gut organisierten, teilweiße flexible bewegenden Hamburger Block zu finden. Und diese Lücken wurden auch gefunden, da die Staffelung der Hanseaten oft nicht flexible, sondern sehr durcheinander war. Doch erneut fehlte es an der nötigen Ruhe vor dem Tor. So kam es, dass Ulusoy, wer auch sonst, nach einer Balleroberung in der eigenen Hälfte den Ball mit einem gezielten Schuß aus über 30 Meter, ins gegnerische Tor beförderte. Damit war das Finale entschieden. Zwar konnte Niedersachsen nochmal 49 Sekunden vor Schluss auf 2-4 verkürzen, doch der Treffer kam zu spät. Hamburg durfte damit den ersten Turniersieg im Landesauswahlturnier für sich verbuchen.

Ulusoy!

Der letzte Abschnitt in diesem Bericht widmen wir dem wohl besten Spieler des Turniers: Onur Kazim Ulusoy. Kaum ein anderer Spieler konnte einer Mannschaft so sehr seinen Stempel aufdrücken wie Ulusoy den Hamburger. Nicht nur, dass er im Finale der beste Mann auf dem Platz war. Das Spiel der Hamburger erhält eine andere Geschwindigkeit, wenn er sich einschaltet.

Der beste Spieler des Turniers: Ulusoy (8)

Der beste Spieler des Turniers: Ulusoy (8)

Dabei ist Ulusoy aus taktischer Sicht teilweiße ein Rätsel. Aber genau das macht ihn so unglaublich unberechenbar. Oft spielt Ulusoy als Fixo den aufbauenden und ballverteilenden Spieler. Er verteilt und dirigiert seine Mitspieler, unterstützt sie in der Vorwärtsbewegung und sichert hinten ab. Er agiert also wie eine Art Libero. Diese Spielart steht natürlich im Gegensatz zu den in Futsal praktizierten Rotationen, die eine Bewegung von Spieler mit und ohne Ball fordern. Doch Ulusoy kann auch anders. Denn sobald er die Bewegung ohne Ball bzw. mit Ball und nach dem Abspiel ohne Ball durchführt, ist er nicht zu bremsen. Sobald er den Ball auf Außen spielt und den Sprint an die Außenlinie für die Parallela zieht, ist ein Tor kaum noch abzuwenden.

Und was soll man zu seinen technischen Fähigkeiten und Dynamik noch sagen? Einfach atemberaubend! Legendär darf wohl schon jetzt sein Tor gegen die Bayern gelten. Und das 4-2 aus über 30 Meter wird der Futsalgemeinde auch noch länger in Erinnerung bleiben. Ulusoy was kannst du eigentlich nicht? Wir sind gespannt, wie seine spielerische Entwicklung voranschreitet und wie er seinen sehr speziellen Spielstil weiter mit dem deutschen Futsal entwickelt.

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