2. Livebericht aus Halle B – DFB Futsal-Landesauswahlturnier

Der erste Turniertag ist vorbei. Alle 22 Mannschaften durften in nun insgesamt 22 Spielen ihr Können unter Beweis stellen. Neben gekonnten Kombinationen durften die Zuschauer einige tolle Szenen bestaunen. Es ist wirklich fantastisch, so viel Futsal auf einen Haufen konzentriert in Deutschland zu sehen.

Nach dem ersten Tag und zwei gespielten Runden zeichnen sich erste Trends ab. Einige positive und einige negative Überraschungen gibt es zu verbuchen. Zwar kann durch den Turniermodus nach dem Hammes-Modell noch alles passieren. Doch einige Teams haben am heutigen Tag gezeigt, dass sie als Favoriten für den Titel gehandelt werden dürfen.

Und was ist mit dem Futsal selbst? Technisch und körperlich befinden sich die meisten Teams auf einem sehr hohem Niveau, so dass die Zuschauer immer sehr viel Tempo und Unterhaltung in den Partien geboten bekommen. Bei der Taktik, sowohl bei den gruppen- als auch individualltaktischen Aspekten, gibt es leider noch viel Schatten und ein wenig Licht. So bleibt nach den ersten Spielen der Eindruck, dass noch etwas Luft nach oben ist. So scheint es oft, dass gerade die Teams, die sich mehr auf futsaltaktische Aspekte konzentrieren, aktuell eher den Kürzeren ziehen.  Aber das soll nicht den Eindruck auf die vielen tollen Partien trüben. Für Futsal-Deutschland war es ein sehr guter erster Turniertag.

Hier die Ergebnisse der zweiten Spielrunde:

Thüringen – Rheinland 6:0

Hessen – Lothringen 1:2

Mittelrhein – Niederrhein 0:1

Südwest – Württemberg 0:3

Saarland – Sachsen-Anhalt 2:0

Bayern – Mecklenburg-Vorpommern 3:1

Niedersachsen – Westfalen 2:1

Südbaden – Hamburg 1:2

Schleswig-Holstein – Bremen 4:0

Sachsen – Berlin 1:0

Baden – Brandenburg 1:3

Spielberichte Halle B – Rundsporthalle

Hessen 1:2 Lothringen

Die Nachmittagspartien wurde in der Halle B mit dem Duell Hessen gegen Lothringen eröffnet. Die beiden Auswahlmannschaften zeigten ein sehr unterhaltsames Spiel, bei dem sich die Gäste aus Frankreich mit 1:2 durchsetzen konnten. Gerade die Auswahl aus Lothringen gehört nach dem ersten Spieltag wohl zu den taktisch besten Teams im Teilnehmerfeld. Die technisch gut ausgebildeten Spieler aus Lothringen zeigten eine Reihe von Rotationen, vorwiegend im 3-1 System mit „falschen Pivot“ auf dem Flügel. Dabei war gerade die Bewegung ohne Ball erstaunlich gut ausgearbeitet. Die Ala´s konnten so viele Räume schaffen und oft den Pivot anspielen. Auf der anderen Seite versuchte Hessen sehr strukturiert eine Lücke im gegnerischen Abwehrverbund zu finden. Oft allerdings vergebens, da Lothringen eine exzellente Defensivarbeit zeigte. Dabei verschoben die Ala´s je nach gegnerischen Ballbesitz komplett auf eine Seite, so dass eine typische „strong side“ Situation enstehen konnte. Defensivarbeit auf sehr hohem Niveau. Da konnte auch die bullige Nr.6 der Hessen, Georgi Lovchev, von Eintracht Frankfurt trotz überzeugender Leistung wenig ausrichten.

Südwest 0:3 Württemberg

Nicht nur nach dem Ergebnis war diese Partie einseitig. Würrtemberg hat gegen Südwest sein großes Plus ausgespielt: die individuelle Klasse seiner Spieler. Es war ein hart geführtes Duell der beiden Teams, dass sich leider auf die Qualität der einzelnen Spieler konzentiert hat. Dies hängt damit zusammen, dass Württemberg mit seinem System 1gg1 Situationen ganz klar proviziert und fordert. Anders als die meisten Teams spielt die WFV-Auswahl ein etwas untypisches 2-2 System mit zwei tiefen Pivots und zwei aufbauenden Fixos. Sowohl die Fixos als auch die Pivots suchen jeweils die 1gg1 Situationen, um anschließend Überzahlsituationen zu generieren. Gegen Südwest hat dies eindrucksvoll geklappt. Beim WFV sind dabei die Spieler Reinhardt (10), Colic (9), Baur (8) und Baur (7) zu nennen, die über außerordentliche Dribblingfähigkeiten verfügen. Die Gefahren dieses 2-2 Systems sind allerdings allgegenwärtig. Ein Ballverlust endet oft in einer gegnerischen Torchance. Doch die Südwest-Auswahl war etwas zu ideenlos, so dass sich die meisten Angriffe auf Alex Ricardo do Nascimento (10) konzentrierten, der durch Dribblings Räume schaffen sollte. Somit ein verdienter Sieg für die WFV-Auswahl.

Bayern 3:1 Mecklenburg-Vorpommern

Die wohl größte Überraschung des Tages sind die Bayern. Mit einem verdienten Punkt aus der ersten Partie gegen den Favorit Westfalen, wollten die Bayern ein weiteres Ausrufezeichen setzen. Gegner war Mecklenbrug-Vorpommern, dessen Spieler gegen die Bayern etwas orientierungslos auftraten. Vielleicht lag es auch an der Überlegenheit der Bayern, die sowohl auf taktischer als auch technischer Ebene überzeugten. Allen voran Danijel Majdancevic (10), der das erste Tor der Partie erzielte. Mit dem 1:0 im Rücken spielten sich die Bayern in einen wahren Rausch, den sie allerdings nicht in Tore umsetzen konnten. Nach dem 2:0 von Pelz folgt ein herrlicher Anschlusstreffer der Auswahl aus Mecklenburg-Vorpommern. Doch gegen die Bayern reichte es nicht. Denn die greifen nicht nur routiniert über ein 3-1 System an, in dem die Ala´s eine vorzügliche Arbeit leisten, in dem sie ständig Räume öffnen. Auch in der Defensive stehen die Bayern sicher. Neben Danijel Majdancevic ragen Tobias Lüft (2) und Sergio Rodriguez (11) aus der Mannschaft heraus. Beide bilden die Seele und das Herze des Teams. Durch das 3:1 sind die Bayern ein ernstzunehmender Titelkandidat.

Südbaden 1:2 Hamburg

Beim Thema Titel gibt es allerdings keinen Weg an den Hamburgern vorbei. Nach dem 1:0 Erfolg im ersten Spiel haben die Hamburger auch im zweiten Spiel ihre Hausaufgaben erledigt. 2:1 besiegten die Hanseaten das Team aus Südbaden, dass wohl etwas zu viel Respekt gegen den Titelaspiranten hatte. Denn Hamburg siegte zwar verdient, zeigte dabei aber keine taktisch überragende Leistung. Auch die Hamburger setzen auf die Qualitäten und „Skills“ ihrer einzelnen Akteure. Neben bekannten Gesichtern wie Ulusoy (8) und Yazar (10) überzeugte die Nummer 4, Maher Mazhoud, mit zwei Toren. Nachdem Südwest mit 1:0 in Führung gegangen war, konnte Hamburg mit einem phantastischen Tor über den Pivot, Michael Meyer (7), in Person von Mazhoud ausgleichen. Doch die Hamburger agierten gegen die tief stehenden Südbaden oft sehr statisch. Das System an sich ist sehr starr. Über den Fixo werden oft die Alas eingebunden, die im 1gegen1 den Weg zum Tor suchen sollen. Aus taktischer Sicht ist dies nicht gerade der interessanteste Futsal, aber die Hamburger haben Erfolg. Nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel sind sie ihrer Rolle als Favorit gerecht geworden.

Sachsen 1:0 Berlin

Im letzten Spiel der Halle B lieferten sich Sachsen und Berlin ein hitziges Duell. Beide Teams erreichen schon früh im Spiel die drei-Foul-Grenze. Es war ein ständiges Hin und Her, dass die Spieler beider Teams an ihre körperlichen Grenzen brachte. Dem neutralen Zuschauer konnte dies nur recht sein. Trotzdem musste ein Standard für die Sachsen als Torvorlage dienen. Josef Nemec (9) traf zum entscheidenden 1:0 für die Sachsen. Beide Teams konnten ihre vielen Konterchancen nicht nutzen. Sobald ein Team tief Stand, konnte kein Angriff sein Ziel erreichen. Somit darf sich nun auch Sachsen 6 Punkte auf sein Konto schreiben. Überraschung perfekt!

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