Die Systemfrage: Formationen und Aufstellungen im Futsal

Der Futsal ist eine einfache und komplexe Sportart zugleich. Der Einstieg ist für Neulinge leicht, das Ziel des Spiels klar. Doch je länger man sich mit dem Futsal auseinandersetzt, desto eindeutig wird, dass der Teufel im Detail liegt. Jede Bewegung, jeder Pass und jede Aktion, also folglich jede Entscheidung der Feldspieler und Torhüter, hat eine enorme Auswirkung auf das gesamte Spiel. Deshalb ist die Taktik im Futsal viel wichtiger, als viele beim ersten Hinsehen vermuten. Denn wenn der Futsal auf zwei Eigenschaften reduziert werden kann, dann wären diese individuelle Technik und Gruppentaktik. Nicht unbedingt die besten individuellen Futsaler (oder Fußballer) gewinnen beim Futsal. Eine gut eingestellte und taktisch hervorragend eingespielte „Futsal“-Mannschaft ist immer im Vorteil. Zieht ein Spieler auf dem Feld nicht richtig mit, bedeutet dies einen Ausfall von 25% der Mannschaft auf dem Feld.

Wie wird man der Taktik Herr auf dem Feld? Im Futsal werden grundsätzlich fünf unterschiedliche Taktikblöcke unterschieden. Zu den gruppentaktischen Bereichen gehören Defensivsysteme, Offensivsysteme sowie strategische Spielzüge, darunter Standards. Diese werden durch die individualtaktischen Aspekte der taktischen Defensiv- und Offensivhandlungen, wie zum Beispiel der Block, ergänzt. Gewisse Formationen und Aufstellungen sind den Offensivsystemen zuzuordnen.

Das Offensivsystem: Die Aufstellung als Philosophie

Formationen/Aufstellungen im Futsal - Das 3-1

Formationen/Aufstellungen im Futsal – Das 3-1

Doch wie wird im Futsal angegriffen und wo lassensich Formationen im klassischen Sinne finden? Im Futsal kann auf drei unterschiedliche Arten angegriffen werden. Die hauptsächliche Art anzugreifen ist der positionelle/systematische Angriff (ca.60%). Bei diesem Angriff ist die eigene Mannschaft im Ballbesitz und versucht über einen längeren Zeitraum durch Passstaffetten oder Dribblings ein Tor zu erzielen. Die anderen beiden Arten sind der Konter und spezielle Situationen wie Standards.

Im Futsal einen systematischen Angriff aufzubauen ist keine leichte Aufgabe. Die Räume sind sehr eng vor dem Tor und alle Spieler sind gleichzeitig in den Angriff eingebunden, wodurch die Gefahr eines gegnerischen Konters besteht. Deshalb bestehen systematische Angriffe grundsätzlich aus geplanten Bewegungsmustern. Diese Bewegungsmustern haben einfach gesagt das Ziel, die gegnerische Verteidigung aus dem Gleichgewicht zu bringen, ohne dabei in das offene Messer des Kontrahenten zu laufen. Einen futsalspezifischen Ausdruck für die Muster ist auch vorhanden: Rotationen.

Und jetzt kommen die Aufstellungen bzw. Formationen ins Spiel. Wie eine Mannschaft ihre Rotationen durchführt, ist ihrem Spielstil überlassen. Manche Mannschaften bauen das Spiel mit drei Spielern auf, andere hingegen mit zwei oder gar mit vier Spielern. Die wiederkehrenden Positionsbelegungen können dementsprechend als Formationen bezeichnet werden. Beginnen die Teams klassisch mit einem Fixo und zwei Alas zum Spielaufbau mit einem dominanten Pivot im Angriff, wird von einem 3-1 System gesprochen. Drei Spieler hinten, einer vorne. Dem Ideenreichtum einer Mannschaft, komplexe Rotationen und Spielerwechsel auf dem Feld koordiniert durchzuführen, sind keine Grenzen gesetzt. Oftmals wird die Qualität einer Mannschaft im Futsal an der Komplexität und Feinheit derer Offensivsystem definiert. Spielt die Mannschaft ohne einen Pivot mit vier Spielern im Aufbau, wird von einem 4-0 gesprochen und so weiter und so weiter. Die Formation im Angriff entspricht also mehr der Philiophie, wie ein Team seine Angriffe durchführen möchte, als einer fußballtypischen Bezeichnung für die Raumaufteilung einzelner Spieler.

Sobald man diese Facette des Futsals verstanden hat, verändert sich der Blick auf jedes Spiel, dass man beobachtet. Denn nun sucht man automatisch bei allen Teams nach diesen Angriffsmustern. Greift eine Mannschaft im 3-1 an? Spielt der vordere Pivot klassisch in der Mitte oder handelt es sich im einen „falschen“ Pivot, der die Räume an der Seitenlinie öffnet? Wer eröffnet die Rotation im Spielaufbau und welche Positionwechsel finden statt? Wie ist die Sicherung der Mannschaft geregelt und wie viele Spieler agieren gleichzeitig im Angriff? Hier wächst der Futsal über die Grenzen einer einfachen Sportart hinaus. Der Futsal wird dann zu einer kleinen Wissenschaft.

Folgende klassischen Spielsysteme werden im Futsal im Normalfall eingesetzt:

  • 3-1
  • 3-1 mit falschen Pivot
  • 2-2
  • 2-2 mit Pivot
  • 4-0

Lasst uns einen Blick auf die Möglichkeiten beim 3-1 und 4-0 werfen.

Der Klassiker – Das 3-1

Das meistgenutzte Offensivsystem ist wohl das 3-1. In diesem System nutzt die Mannschaft einen klassischen Pivot als vorderste Anspielstation, um vorher das Spiel über eine Dreierlinie bestehend aus Fixo und den beiden Ala´s aufzubauen. Aus dieser Formation heraus können unzählige Bewegungsmuster/Rotationen durchgeführt werden. Dabei werden die Rotationen vorrangig ohne den Pivot durchgeführt, der erst beim Abschluss in die Spielsituation eingebunden werden soll. Da der Pivot meist ein Spezialist ist, soll dieser seine Stärken auch auf seiner Pivotposition perfekt ausnutzen, ohne ständig wegzurotieren.

Überkreuzter Angriff im 3-1

Überkreuzter Angriff im 3-1

Der Vorteil dieses Spielsystems äußert sich vorrangig in der perfekten Raumaufteilung der vier Spieler. Durch die Formation in einer gewissen Art von Raute, wird das komplette Feld perfekt ausgenutzt. Die gegnerische Defensive wird durch den Pivot ständig gebunden, denn ein Anspiel auf den Pivot sollte die Defensive unter allen Umständen verhindern. Wie eine mögliche Rotation aussehen könnte, zeigen das folgende Bild und ein beeindruckendes Videos aus Spanien mit einer Kombination aus vielen verschiedenen Rotationen in einer Dreierreihe, dessen ständiges Aufkommen, Auflösen und wieder Aufkommen hervorragenden zu beobachten ist.

Die hohe Kunst des Futsals – das 4-0

Das wohl schwierigste Offensivsystem ist das 4-0. Das 4-0 ist der König unter den Systemen. Extrem komplex mit ständigen Positionswechseln der Spieler, die eine extrem hohe Koordinations- und Orientierungsfähigkeit benötigen. Alle vier Spieler sind direkt am Spielaufbau beteiligt. Dabei bewegen sich alle Spieler aus einer tiefen Position über das Feld, so dass die gegnerische Abwehr keinen direkten Zugriff auf die Spieler erhält. Die gegnerische Defensive wird so vor enormen Problemen bezüglich ihrer Raumaufteilung und Deckungszuteilung gestellt.

Auch hier sind Videos erneut das beste Lernmaterial. Im ersten Video darf man eine exzellente Umsetzung des 4-0 Systems bestaunen. Auch wenn den Angriff schlussendlich nicht in einem Tor endet, kann man genau erkennen, wie effektiv das 4-0 sein kann, da die komplette gegnerische Abwehr aus ihrem grundlegenden Konzept und System gezerrt wird. In dem zweiten Video ist eine grundlegende 4-0 Rotation schematisch dargestellt. Aber: Solche 4-0 Systeme zu implementieren bedarf enorm viel Geduld und Training, Training, Training.

Und wie sieht es bei euch aus? Spielt ihr ein 3-1 oder sogar ein 4-0? Vielleicht bleibt ihr beim einfachen 2-2? Lasst ihr auch fleißig Rotationen üben oder haltet ihr davon doch eigentlich gar nichts? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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2 Kommentare

  1. Tikki Takka · · Antwort

    ja nach gegner. Gegen stärkere Gegner ist denke doch das 3-1 das meine Mannschaft spielen kann die bessere weil sichere variante. Gegen schwächere gegner kann man das 4-0 denke ich super ausprobieren und üben lassen. denn der wettkampf ist als übung besser geeignet als das training

  2. Kay Hempel · · Antwort

    Ich Spiele mit meiner Mannschaft ein 2-1-1 wobei die beiden Einzelpositionen versetz sind.
    und ganz klar bei mir in der Halle muss jeder mit nach Hinten Arbeiten genau so mit nach vorne.

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