Und wie ich lernte die Sohle zu benutzen

Pivot Fernandao bei der Ballkontrolle mit der Sohle.

Pivot Fernandao bei der Ballkontrolle mit der Sohle.

Den Futsal als Fußball in der Halle zu bezeichnen ist nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch. Hinter Futsal steckt noch viel mehr als der etwas andere Ball. Die Idee und das Ziel sind natürlich identisch, keine Frage: Das Runde muss ins Eckige. Allerdings gibt es einige wichtige Unterschiede, die sich zum Beispiel durch den Einsatz anderer technischer Mittel als im Fußball äußern.

Eine sehr spezielle Technik, die im Fußball eher seltener eingesetzt wird, ist die Annahme und Ballführung mit der Sohle. Der Einsatz der Sohle kann und wird als eines der charakteristischen Merkmale des Futsals bezeichnet. Ohne den Einsatz der Sohle wäre der professionelle Futsal in seiner hohen Geschwindigkeit undenkbar. Doch gerade für Fußballer, die ihre ersten Schritte in der Halle versuchen, ist der Einsatz der Sohle zunächst ungewohnt. Oft wird auch der Mehrwert dieser außerordentlichen Technik nicht sofort erkannt. Doch die Umschulung lohnt sich!

Wieso sollte ich die Sohle einsetzen?

Die Frage nach dem „Wieso“ ist schnell zu beantworten. Die Ballannahme ist der Ursprung jeder Offensivaktion. Das verhält sich im Fußball genau so wie im Futsal. Die Spieler, die schneller und besser den Ball kontrollieren, haben mehr Zeit und eine bessere Ausgangsposition für die nächste Offensivaktion. Beim Futsal ist der Raum eng, so dass die Spieler den Ball noch schneller unter Kontrollen bringen müssen. Anders gesagt: Die Ballannahme ist alles. Der Futsalball selbst hilft durch seine sprungreduzierenden Eigenschaften bei der Annahme (deshalb macht ein Filz- oder Lederball in der Halle auch weniger Sinn). Doch nach kurzer Zeit wird klar, dass die Annahme mit der Sohle diesen Vorteil noch erhöht. Liegt der Fuß einmal auf dem Ball, hat der Spieler die volle Kontrolle. In diesem Moment hat der Spieler die Freiheit, sich in alle Richtungen zu drehen, den Ball abzuschirmen oder sogar einen direkten Pass zu spielen. Eine Annahme mit dem Innen- oder Außenrist kann diese Möglichkeit nicht aufbringen. Die Sicherheit, die die Sohle ermöglicht, ist mit keiner anderen Technik zu erreichen.

Wofür setze ich die Annahme mit der Sohle ein?

Die vollständige Kontrolle über den Ball und die damit verbunde Bewegungsfreiheit mit der Sohle ermöglicht eine Reihe unterschiedlichen Aktionen. Dabei geht es nicht nur um die einfach Annahme. Die Frage nach dem „Wofür“ hat also viele Antworten. Die Sohle ermöglicht es, ganze Dribblings mit nur einem Ballkontakt orientiert auszuführen. Das ist Effektivität pur! Interessante Techniken mit der Sohle bei der Annahme zum Beispiel sind die orienterte Annahme mit Abschluss, der Seiten- und Richtungswechsel und der Pivotpass. Das folgende Video fasst euch alle diese Situationen einmal zusammen.

Im Video ist eindrucksvoll zu sehen, wie effektiv die Sohle im Futsal eingesetzt werden kann. Die orientierte Annahme ermöglicht einen enormen Raumgewinn beim ersten Ballkontakt. Dabei wird der Ball so eng am Körper geführt, dass der Gegner keinen Zugriff erhält. Desweiteren kann der Gegner bei der Annahme selber gar nicht sehen, ob der Fuß für einen Schuß, Pass oder eine Annahme eingesetzt wird. Diese Kleinigkeit verschafft der nötigen Zeit- und Raumvorsprung. Der Schuß aus vollem Lauf wertet diese Technik noch mehr auf. Der Spieler kann den vollen Schwung aus einem Lauf mitnehmen und diese Kraft in einem Schuß umsetzen. Der Seitenwechsel anhand die Sohle ermöglicht eine extrem schnelle Verlagerung des Spielgeschehens. Durch eine Bewegung wird der ganzen Körper ansatzlos in eine neue Position gebracht, um so zum Beispiel die Spielverlagerung durchzuführen. Vorteil: Die Spieler brauchen für die Drehung kaum Raum. Durch diese spezielle Annahme liegt der Ball vor dem Spieler, so dass auch Dribblings an der Seitenlinie durch extreme Geschwinidigkeitswechsel möglich werden. Als letztes Mittel ist im Video auch der Pivotpass zu sehen. Die Position des Pivot ist ohnehin eine Wissenschaft für sich, denn der Pivot ist der eigentliche Sohlenspezialist. Ein guter Pivot kann den Ball mit der Sohle vor den Verteidigern beschützen. Durch den intelligenten Einsatz des Köpers und der Sohle schirmt der Pivot den Ball ab. Rollt er den Ball mit der Sohle zu einem anstürmenden Ala, handelt es sich um einen sogenannten Pivotpass.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie hilft es mir und der Mannschaft?

Eigentlich immer. Im Video ist sehr gut zu erkennen, dass ohne die Sohle diese speziellen Aktionen kaum durchzuführen wären. Die Vortele der Sohle helfen auch dem ganzen Team im Spielaufbau. Eine verbesserte Annahme bedeutet bessere Angriffe. Natürlich gibt es Situationen, in denen die Annahme mit der Sohle mal nicht möglich oder sinnvoll erscheint. Aber ein Futsalspieler gewöhnt sich irgendwann an die Annahme mit der Sohle und entwickelt selbst unterschiedliche Arten der Ballmit- und Annahme. Der Angriff im Futsal ist viel durch Seitenwechsel und einem bestimmten Spielrythmus geprägt. Das Team, dass beides am besten umsetzt, besitzt mehr Variationen im Angriff. Der Rythmus stellt sich am besten durch eine gerine Anzahl an Ballkontakten pro Spieler ein. Ähnlich wie im Fußball (allerdings noch extremer) ist das Team mit weniger Ballkontakten pro Spieler durch eine höhere Dynamik im Vorteil. Professionelle Trainer sprechen beim Futsal von zwei Ballkontakten: Annahme und Pass. Annahme und Pass. Tiki-Taka eben. Natürlich wird in so einem Spielfluss die Annahme zur entscheidenden Komponente. Schaut euch Spiele und Videos zum Futsal an, die Sohle wird nie fehlen. Hier ein schönes Beispiel für eine gelungene Kombination mit verschienenden Sohlentechniken

Und jetzt seid ihr dran! Nutzt ihr auch die Sohle? Wie sind eure Erfahrungen? Nutzen eure Spieler auch die Sohle? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

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