Wann schlägt der Futsal in Deutschland ein? Teil 3

Für viele in Deutschland ist Futsal immer noch ein Fremdwort. Dabei ist der Futsal die offzielle Variante des Hallenfußballs der FIFA und UEFA. Trotzdem wird in Deutschland lieber der hier bekannte Hallenfußball mit Bande und Kunstrasen gespielt. Den wenigen Leuten, denen Futsal mehr oder weniger ein Begriff ist, haben häufig keine gute Einstellung zu dem Sport. Warum das allerdings so ist, weiß keiner. Doch wann schlägt der Futsal in Deutschland ein? Oder wird dieser Sport sich hier nie durchsetzen, egal wie stark sich die FIFA engagiert? Welche sind die entscheidenen Bausteine?

Teil 1: DFB als Katalysator?

Teil 2: Futsal und Fußball. Mit oder doch eher gegen?

Teil 3: Futsal und Schulen. Perfekte Grundlagenbildung?

Teil 4: Der Winter. Der Alliierte des Futsals?

Futsal und Schulen. Perfekte Grundlagenbildung?

Bei den vielen Baustellen, die es rund um das Themengebiet Futsal gibt, ist es nicht verwunderlich, dass einige Themen mehr und andere weniger Beachtung finden. Futsalspieler konzentrieren sich vorrangig auf das kommende Spiel und wollen unbedingt ein funktionierendes Ligasystem. Trainer haben oft genug mit der Beschaffung ordentlicher Hallenzeiten zu kämpfen und die Vorstände der Vereine sind mit der Koordination des Vereins und Akquisition neuer Mitglieder genug beschäftigt. Dabei wird oft vergessen, dass der Futsal in Deutschland einen viel größeren Stellenwert einnehmen kann, wenn man ihn dort anbietet, wo die künftigen Spieler, Sportler und Funktionäre herkommen: An den Schulen.

Wenn man sich ein bisschen mit dem Futsal und seinen Vorzügen beschäftigt hat, sind die Vorteile dieser Sportart für Kinder und Jugendliche eindeutig. Ein Futsalball zeichnet sich durch seine geringe Sprungfähigkeit im Vergleich zu einem herkömlichen Fußball oder gar Hallenfilzball aus. Dies vereinfacht die Kontrolle des Balles und erhöht damit als Konsequenz den Spielfluss. Dies ist auch das Ziel des Futsals bei seiner Entstehung im Jahre 1930 durch Juan Carlos Ceriani gewesen. Kinder und Jugendliche sollten eine altersgerechte Spielform angeboten bekommen, die unabhängig von Alter und technischen Fähigkeiten den Kindern ein Zusammenspiel ermöglicht. Schon 1942 empfahl der südamerikanische Lehrerbund den Futsal für den Schulsport. Es liegt demnach nahe darüber nachzudenken, Futsal anstatt Fußball in den Schulen anzubieten. Nicht mit dem Ziel, die Kinder für Futsal anstatt für Fußball zu begeistern und damit dem Fußball zu schaden. Das Ziel ist die Vereinfachung des Fußballs für die Kleinen.

Warum wird der Futsal also nicht in deutschen Schulen praktiziert? Eine kurze Google-Schuhe nach den Begriffen „Futsal Schule“ ergibt interessante Ergebnisse. Der erste Treffer ist eine im September 2007 erstellte Studie vom Institut für Sportwissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Im Auftrag vom DFB wird in dieser Studie untersucht, wie vorteilhaft der Einsatz eines Futsalballes im Sportunterricht ist. Die Idee Futsal und Schule ist demnach keine neue. Noch mehr verwundert es, dass die Studie im Zeitraum von 2003 bis 2007 durchgeführt wurde. Also verhätlnismäßig sehr früh, wenn man bedenkt, dass der erste DFB-Futsal Cup erst 2006 ausgespielt wurde. Schon der Titel der Studie liegt nahe, in welcher Position der Futsal künftig interpretiert werden könnte: „Futsal in der Schule – eine Chance für den Fußball?“ Und die Ergebnisse dieser Studie sprechen für sich. Hier ein paar Auszüge aus der Zusammenfassung der Studie.

Futsal in der Schule – eine Chance für den Fußball?*

[…] die üblicherweise verwendeten Leder- oder Filzbälle [geraten] aufgrund ihrer mechanischen Eigenschaften schnell [ins] rollen und leicht ins Springen. […]. Grundsätzlich ist jedoch die Annahme des Balles Ausgangspunkt für alle weiteren Offensivaktionen: ohne geglückte Ballannahme (einschließlich Direktspiel) keine Kontrolle und damit keine Ballführung, kein Dribbling, kein Passspiel und kein gezielter Torschuss.

Futsalbälle sind formstabil und zeigen gegenüber Fuß- oder Filzbällen ein um ca. zwei Drittel reduziertes Rückprallverhalten. Deshalb sollte der Futsalball leichter an- und mitgenommen werden können und die Folgaktionen am Ball sollten mit besserer oder zumindest gleicher Qualität möglich sein wie beim Spiel mit einem normalen Fußball oder einem Filzball.

Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: In fast allen untersuchten Parametern weist der Futsalball gute bis sehr gute Ergebnisse auf. So gelingt die Ballan- und -mitnahme springender Bälle mit dem Futsalball signifikant schneller als mit den anderen beiden Balltypen. Bedingt durch die bessere Kontrollierbarkeit kommt es im Spiel zu einer deutlichen Erhöhung der Anzahl der Aktionen mit Ball, die jeder Spieler im Verlauf des Spieles hat. Auch geht der Futsalball weniger ins Aus, was eine signifikante Verlängerung der effektiven Spielzeit zur Folge hat. Vor allem das Angriffspiel profitiert unmittelbar durch den Einsatz von Futsalbällen.

Was soll dem noch hinzugefügt werden? Diese eindeutigen Ergebnisse liegen seit 2007 vor. Es gibt demnach keinen Grund, den Futsal nicht in den Schulen zu etablieren. Ganz im Gegenteil spricht sogar sehr vieles dafür. Der DFB hat weiterführend auch die Initiative „20.000plus-Lehrkräfte für den Fußball“ ins Leben gerufen, bei dem die Lehrkräfte in einer Weiterbildung auch die Grundlagen und Vorteile des Futsals für den Fußball in der Halle vorgestellt bekommen. Ein klares Bekenntnis ist dies allerdings nicht. Natürlich kommt noch erschwerend hinzu, dass Bildung Ländersache ist. Eine großflächig koordinierte Aktion ist demnach nicht zu erwarten. Einzelne positive Fälle sind bekannt. So arbeitet der badische Futsalverband intensiv an dem Thema Futsal in der Schule.Bleibt nur zu hoffen, dass verschiedene Lehrkräfte selbst über den Futsal stolpern und die Vorteil erkennen. Wenn dann noch die Eigeninitiative einiger Futsaler hinzukommt, ihr Wissen weiterzugeben, könnte aus dem Teufelskreis (Sport unbekannt, kein Wissen, keine Materialien) eine fruchtbare Zusammenarbeit werden.

Was meint ihr zum Thema Futsal in Schulen? Ihr seid selber Lehrkräfte und bietet Futsal an? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Quellen: *

(von Christopher Heim, Ulrich Frick und Robert Prohl; http://training-wissen.dfb.de/uploads/media/Futsal_in_der_Schule_-_eine_Chance_fuer_den_Fussball_01.pdf:  September 2007)

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