Entfutsalisierung der Futsal-Bundesliga-Qualifikation im Westen? Holt die Bande raus!

Ein Kommentar vom futsalphilosoph

Nachdem sich drei von fünf Futsal-Regionalligen mit ihren Fußball-Regionalverbänden nach ausgiebiger Risiko-Nutzen-Betrachtung in Bezug auf die vorherrschende Pandemie, nach genauer Betrachtung der Regularien, im Vorausblick auf die Bundesliga-Planungssicherheiten ihrer Vereine und mit Hilfe von Feedback der Vereine für die Quotientenregelung zur Qualifikation ihrer Futsal-Teams zur deutschen Meisterschaft sowie zur bald startenden Futsal-Bundesliga entschieden hatten, gab es mehrfach Diskussionen um diese Lösungsstrategie. Nicht erst in unserem Podcast #84: 2mal20netto mit dem Titel „Bundesliga-Gönner und einäugige Futsal-Könige“ haben wir diese Regelung ausgiebig diskutiert und ihr einen größtmöglichen Betrachtungswinkel mit ökonomischen wie sportethischen Kriterien gewidmet. Schlussendlich und zugleich ließ sich diese unter den vorherrschenden Bedingungen als sinnhafteste Lösung bzw. als „kleinstes Übel“ definieren. Ein Übel, unter dem der deutsche Futsal den geringsten Schaden nimmt und den größten Nutzen in der aktuellen Corona-Pandemie in Vorbereitung auf die Bundesliga hat. Nun wirft der Westdeutsche Fußballverband entgegen der anderen Regionalverbände eine ebenfalls schon von uns diskutierte Lösungsstrategie auf den Tisch (siehe Podcast Podcast #80 2mal20netto: Bundesliga-Bewerber, Blasenturniere und deutsche Topspieler), jedoch in einer mehr als diskutablen Variante, auf den Tisch. In der amtlichen Mitteilung des WDFVs vom 25. Mai 2021 heißt es laut Fußballausschuss:

„die beiden Aufsteiger aus der Herren Futsal-Regionalliga West der Spielzeit 2020/2021 sowie die Teilnehmer für die Aufstiegsspiele für die Futsal-Bundesliga und die Endrunde um die Deutsche Futsal-Meisterschaft [werden] in einem Tagesturnier unter den Vereinen, die sich für die Futsal-Bundesliga beworben haben, ausgespielt:

Das Tagesturnier wird in einer Gruppe – jeder gegen jeden – am Samstag, 12.06.2021, in Duisburg ausgespielt. Die Spielzeit beträgt dabei einmal 15 Minuten. Alle Mannschaften starten bei „Null“[.] Alle Spiele werden nach den aktuell gültigen FIFA-Futsal Regeln ausgetragen. Die Abschlusstabelle dieses Tagesturniers bildet die Reihenfolge der Meldung an den DFB ab.

Haben zwei oder mehrere Mannschaften dieselben höchsten oder niedrigsten Punktzahlen, so entscheiden die Spiele der betreffenden Mannschaften gegeneinander. Besteht auch dann noch Gleichheit, entscheidet die Tordifferenz nach dem Subtraktionsverfahren. Bei gleicher Tordifferenz ist diejenige Mannschaft besser platziert, die mehr Tore erzielt hat. Ist auch die Zahl der erzielten Tore gleich, findet ein 9 Meter Schießen statt. Für die Organisation dieses Tagesturniers werden separate Durchführungsbestimmungen erstellt.“ (WDFV 2021)

Weiter heißt es: Sollte dieses Turnier am 12. Juni 2021 nicht durchführbar sein, greift die Quotientenregelung.

Der Fußballausschus des WDFV passt seine Futsal-Bundesligaqualifikation dem traditionellen Hallenfußball an: Nicht nur, dass die Verbandsverantwortlichen in diesem offiziellen Dokument von einem „9 Meter Schießen“ sprechen und sich somit – hart am Wind der Sache ausgedrückt – als Futsalfremde outen. Weiter wird vor allem die Wettkampfspielzeit zum einen dramatisch reduziert und zum anderen auch nicht als Nettospielzeit gekennzeichnet.

Geführt von Ahnungslosen – 15 Minuten netto

Da wir – geführt von diesen ahnungslosen Entscheidern – jedoch immer erst positiv und wohlwollend denken wollen bzw. für unser inneres Glück müssen, gehen wir zunächst von 15 Nettominuten aus, d.h. wir reduzieren die Duelle auf 37,5% der regulären Futsal-Spielzeit. Betrachten wir so einfach mal die Zwischenergebnissen nach 15 Netto-Spielminuten der drei favorisierten Westteams (Sennestadt, Düsseldorf und Köln) und zwar im Rahmen der jeweils letzten beiden direkten Duelle (heim und auswärts), dann finden wir den MCH Futsal Club Sennestadt und die Futsal Panthers Köln oben auf den beiden direkten Qualifikationsplätzen im Westen – beide liegen aus Sicht der Statistik (Spielwertung) nach 15 Nettospielminuten vor Fortuna Düsseldorf. Wir betrachten nur diese Teams, dabei möchte ich jedoch erwähnen, dass nach 15 Minuten Spielzeit auch ganz andere Teams oben stehen könnten, ich aber nicht die ganze Liga auf 15-Minuten-Spielzeit überprüft habe.

Die Besten nach regulären 40 Nettospielminuten

Um eine verwertbare Einschätzung zu erhalten, müssen wir im Vergleich dazu auf die tatsächlichen Endergebnisse der jeweils letzten beiden Vergleiche (heim und auswärts) dieser drei Teams über reguläre 40 Futsal-Nettospielminuten blicken. Hier sind die beiden Teams vorne, welche übrigens auch über die Quotientenregelung an der Spitze stehen: Der MCH Futsal Club Sennestadt und Fortuna Düsseldorf Futsal. Die Futsal Panthers Köln sind auf 40 Nettospielminuten in den letzten beiden direkten Duellen (und nach Quotientenregelung) das schwächste dieser Teams. Dies ist für einen Ausblick auf die professionelle und leistungsgerechte Zukunft dieses Sports eine wichtige Erkenntnis, denn wir messen so eine gegenwartsgerechte Realität. Also 40 Nettominuten in den jeweils letzten beiden direkten Duellen heißt: Sennestadt und Düsseldorf sind die besten beiden Teams im Westen. Das ist so sicherlich in manch einer Perspektive nicht perfekt, aber es sind reguläre Ergebnisse, kein Hokus Pokus, kein Abrakadabra, keine Zahnfee, kein Glückspiel, keine Willkür, kein Zufall und vor allem keine damit verbundene ENTFUTSALISIERUNG. Diese 40-Nettospielminuten-Ergebnisse sind Futsalergebnisse in ihrer sportlich vollwertigen Natur und zudem aus der möglichst nahen Vergangenheit und somit als möglichst fairer Rückschluss für die Gegenwartseinschätzung unabdingbar.

Worst Case Szenario – 6 Minuten Futsal

Aber gut, ich möchte weiter ausführen und weitere Einblicke zur Reflexion der Situation ermöglichen: Gehen wir im Worst Case davon aus, dass der Fußballausschuss mit den 15 Spielminuten nur Bruttospielzeit meint, wird es natürlich noch zugespitzter. In intensiven westdeutschen Futsal-Topspielen (hier habe ich einfach mal meine Videoaufzeichnungen der letzten beiden Duelle zwischen Sennestadt und Köln sowie die Aufzeichnung des letzten Duells zwischen Köln und Düsseldorf als bestmögliche Messwerte genommen) beinhalteten die ersten 15 Bruttospielminuten des Spiels im Durchschnitt circa 7 Nettominuten und die letzten 15 Bruttospielminuten des Spiels durchschnittlich nur noch gut 5 Nettominuten. Nehmen wir hier den Mittelwert und übertragen diese auf die erwartete Spielzeit im Tagesturnier mit 15 Minuten Brutto, so können wir anhand dieses naheliegenden Beispiels im westdeutschen Qualifikationsturnier also von rund 6 Minuten realer Futsalspielzeit ausgehen. Ich wiederhole in Worten: SECHS Minuten Futsalspielzeit pro Duell.

Die 6 Minuten Könige des westdeutschen Futsals

Schauen wir unter dieser 6-Nettominuten-Prämisse ebenfalls auf die 6-Minuten-Zwischenstände der jeweils letzten beide Duelle unter den drei favorisierten Teams (Köln – Düsseldorf: 0:0 & 1:1; Sennestadt – Köln: 0:0 & 1:0; Sennestadt – Düsseldorf 2:0 & 0:0) sehen wir nicht nur in 50% der Fälle ein 0:0, sondern wiederum entgegen der regulären 40-Nettospielminuten sowie Quotiententenregelung, dass sich die Futsal Panthers Köln vor Fortuna Düsseldorf Futsal platzieren.

SECHS Minuten Futsalspielzeit pro Duell, das sind 15,6% des regulären Futsalspiels. Da ich diese Thematik philosophisch betrachte, fragen wir uns doch einfach zur inneren Diskussion: Unter welchen Bedingungen würden wir uns einen Impfstoff verabreichen lassen, der lediglich mit 15,6%iger Sicherheit vor Covid-19 schützt? Oder anders: Würden wir 15,6% Wettkampfumfang und damit verbundene Fairness gegenüber der tatsächlichen 100% Übereinstimmung der Quotientenregel (welche übrigens rund 21% des westdeutschen Regionalligaspielbetriebs berücksichtigt hat, dies aber natürlich ein schwacher Vergleich wäre) mit den letzten direkten Heim- und Auswärts-40-Nettominuten-Duellen der favorisierten Teams als ausreichend empfinden?

Profiteure der westdeutschen Bundesliga-Qualifikation

Nun gut, statistisch betrachtet können wir so einen klaren Profiteur dieser „Entfutsalisierung“ ausmachen: Die Futsal Panthers Köln. Diese Perspektive wird insoweit interessanter, da die Kölner sich auf Basis der drohenden Realität (Nicht-Qualifikation über Quotientenregelung oder wie gesehen über direkte 40-Minuten-Duelle) als aktiver Antreiber gegen die Quotientenregelung gestemmt haben und somit ggf. Druck auf den WDFV ausübten. Dieser aus Eigennutzmaximierung befeuerte Zustand trifft bei mir auf den Vorwurf von Unsportlichkeit und Fahrlässigkeit. Warum? Da er nun zu einem katastrophalen Wettkampf um die Bundesliga-Qualifikation führen könnte, welcher als Ausgangslage eben nur den einen Profiteur und im wahrsten Sinne des Wortes einen absolut verzerrten Futsalsport mitsichbringt. Im Absoluten verzerrt, weil hier das für viele Futsalexperten absolut entscheidende an diesem Sport igonriert wird: 40 Nettominuten Spielzeit bzw. 2mal20netto. Ein Schelm, wer hier böses denkt. Aber abgesehen von den bisherigen Ausführungen schauen wir uns einfach weiteres Schadenpotential dieser Wettbewerbsform an.

Kurzfristiger Einsatz von Fußballern

Neben den oben beschriebenen Tatsachen bietet sich nach aktuellem Stand eine weitere Krux für die Qualifikationsgrundlage zur Futsal-Bundesliga: Und zwar die Leistungskompensation von Teams über die kurzfristige Verpflichtung sowie auch grundsätzlichen Einsatz von qualitativ guten Fußballern, die aktuell keinen Spielbetrieb und somit weder Doppelbelastung noch Interessenkonflikt im Verhältnis zwischen Fußball und Futsal vorfinden. Fußballer könnten unter der Bedingung von lediglich 15 Minuten Spielzeit (netto oder brutto) einen signifikanten und damit wiederum leistungsverzerrenden Einfluss auf das Ergebnis eines derartigen Wettbewerbes zur westdeutschen Bundesliga-Qualifikation nehmen. Bei Mister Futsal nennen wir diesen Effekt übrigens den „Futsal-Landesauswahlturnier-Effekt“ (kurz: FLATE). Ein Turnier, bei dem jährlich immer wieder Teams mit guten Fußballern vorzufinden sind, die bei lediglich (jedoch im Verhältnis zur aktuellen westdeutschen Perspektive „immerhin“) 20 Minuten-Nettospielzeit mithalten und für ergebnisspezifische Überraschungen sorgen. Andererseits lassen sich bei 40 Nettospielminuten in den Ligen vor allem in der zweiten Halbzeit deutliche taktische, technische wie kraftspezifische Vorteile bei Futsalern gegenüber besseren Fußballern erkennen. Fußballqualitäten vermögen in lediglich 15 Minuten u.a. durch Einsatz und Kraft futsalerische Defizite taktischer und technischer Natur zu kompensieren. Dies lässt sich wunderbar am Vergleich von Spielverläufen und Ergebnissen beim Landesauswahlturnier und im Ligafutsal-Spielbetrieb erkennen. Die Überlegenheit von Futsalern über Fußballer zeigt sich im Futsal also vor allem in der zweiten Halbzeit. Aber nicht nur die Futsalspieler, sondern auch die sich seit Jahren entwickelnden Futsaltrainer können unter einer derart reduzierten Spielzeit nicht ihre Qualitäten in Hinsicht auf den Futsal bzw. in einem damit verbundenen fairen Futsal-Wettkampf aufzeigen. Nicht zuletzt wird das DFB-Futsal-Landesauswahlturnier aufgrund dieser Verzerrungseffekte über das Hammes-Modell ausgespielt, da es so den einzig nachvollziehbaren Charakter eines derartigen Wettbewerbs zur Sichtung von Talenten wahren kann, während die sportliche Abschlusstabelle eines derartigen Wettbewerbes jedoch keiner grundsätzlichen futsal- und damit sportethischen Diskussion um Leistungsgerechtigkeit (Meritokratie) und Proporz (Chancengleichheit) standhalten kann. Wenn dies eine Instanz bewerten kann, dann unsere Plattform „Mister Futsal“, wo wir seit jeher Turnierformen wie das Futsal-Landesauswahlturnier mit ihren verkürzten Spielzeiten im Verhältnis zum regulären Futsal-Liga-Spielbetrieb als einzige unabhängige Futsalinstanz Deutschlands fundiert betrachten, inhaltlich diskutieren und so bestmögliches Wissen für den deutschen Futsal produzieren.

Und obendrein: Keine Anrechnung von vorherigen Leistungen

Da wir von einer Annulierung der Futsal-Regionalligen sprechen, reden wir zum einen auch nicht mehr von einer auszuspielenden Meisterschaft, sondern im westdeutschen Beispiel von einer ausgegrenzten Qualifikationsrunde zur DM und Bundesliga. D.h. während zuvor der Meisterschaftswettbewerb zur Qualifikation diente, haben wir nun nur noch Qualifikation, so dass die Leistungen aus der vorherigen Meisterschaft (auch nicht aus den direkten Duellen) nicht mehr einfließen. Die Strukturverhältnisse lassen dies nicht zu und wenn man im Verband schon strukturellen Mist baut, dann immerhin richtig. Zum anderen steht die Quotientenregelung allerdings in einem Verhältnis zum Meisterschaftswettbewerb und bezieht seine Werte aus diesem. An dieser Stelle werde ich mich jedoch nicht weiter zur Sinnhaftigkeit der Quotientenregel äußern, hierfür dient die Ausführung weiter oben und/oder die diskursiven Stellungnahmen in den zahlreichen 2mal20netto-Podcasts zu diesen Themen. Rechtlich scheint eine abgesonderte Spielrunde sowieso nicht im Einklang mit der Futsal-Ordnung zu stehen, da dort eindeutig von der „Regionalliga-West“ als Qualifikationswettbewerb gesprochen wird – nicht von einem Sonderturnier mit lediglich 6 Teams.

Futsalfremdes Zwitterprodukt zur Bundesliga-Qualifikation?

Wir müssen verstehen, dass das geplante westdeutsche Tages-15,6%-Futsal-Qualifikationsturnier in Duisburg einen futsalfremden Wettbewerb darstellt, der wie im Verlauf argumentiert keiner Natürlichkeit des Futsals entspringt. 15,6% oder auch 37,5% ist für manch einen Alkoholiker einer guter Alkoholanteil im Getränk, für den Futsal ist dies jedoch deutlich zu wenig. Eher finden wir hier ein futsalfremdes Zwitterprodukt: zum einen entstehend durch (am Futsal desinteressierte und aktuell überforderte) Fußballfunktionäre mit einem teilweise selbstverherrlichendem und überheblichen Fußballverständnis. Ich schreibe dies nicht aus der Luft gegriffen, ich selbst kämpfe als Futsal-Verbandsmitarbeiter, Kommissionsmitglied, Futsal-Trainerausbilder, Futsalreferent, Ligakonzeptschreiber und Landesauswahltrainer in unterschiedlichen Fußballverbänden seit einem guten Jahrzehnt gegen dieses Futsal-Desinteresse im Fußballverbandssystem an. Zum anderen lässt sich in Betrachtung der Hintergrundaktivität von bestimmten westdeutschen Vereinen leider ein starker eigennutzmaximierter Antrieb erkennen. Während ich dies durchaus kritisch beäuge, empfinde ich dennoch Empathie für den entstandenen Druck und der Verlustängste dieser Vereine. Ferner hege ich z.B. große Sympathie und Anerkennung für die Kölner Futsalarbeit der Vergangenheit und somit sogar großes Verständnis für ein derartiges Treiben der Kölner Futsal-Funktionäre. Allerdings liebe „benachteiligten“ Futsalclubs: Mer muss och jünne künne (man muss auch gönnen können), siehe Jahn Regensburg, deren Nicht-Qualifikation ein mehr als herber Verlust für eine authentische Futsal-Bundesliga darstellt. Im Gegensatz zu den gemeinten Vereinen haben sich die Regensburger diesem Umstand jedoch mit Größe in der Öffentlichkeit (mit Transparenz und Einblick) gestellt. Und weil die tatsächlich benachteiligten Vereine wie Jahn Regensburg es den anderen qualifizierten Teams gönnen, wird man vor allem Teams wie Jahn Regensburg jegliche Unterstützung für die zukünftige Zielsetzung „Bundesliga-Aufstieg“ gönnen. Ja, man muss es ihnen gönnen, denn sie haben sich als authentischer Bestandteil des deutschen Futsals offenbart und zur Präsenz ihrer Futsalidentität in der Öffentlichkeit gesorgt. Was wir aber aktuell aus anderen Regionen mitbekommen entzieht sich meinem Verständnis für Authentizität, so dass ich entsprechenden Aktivitäten zwar Verständnis, jedoch aufgrund der möglichen Auswirkungen keine Akzeptanz entgegenbringen kann. Aber bleiben wir im Westen: Selbstverständlich benachteiligt die Quotientenregelung auch die Futsal Panthers Köln – sie sind sportlich gesehen, d.h. in 40-Nettospielminuten (siehe die oben aufgezeigte Struktur der letzten Heim- und Auswärtsspiele im direkten Vergleich) das drittbeste Team in Westdeutschland, während die Quotientenregelung die Kölner auf Platz 5 im Westen herabstuft. Allerdings steht dies in einem verzerrten Verhältnis zu den aufgezeigten 15-Minuten-Spielen, welche ausschließlich Köln – wie zuvor aufgeführt – bevorteilen würde. Und das ist das Problem, dieser Gesamteindruck, dass hier wenig futsalinteressierte Verbandsentscheider und ein Paar westdeutsche Vereine in Kauf nehmen den Futsal zu ihren Zwecken zu entfutsalisieren und somit unseren Sport in seiner wichtigsten Entwicklungsphase seiner Autonomie zu rauben und somit Schaden auszusetzen. Solch eine Schädigung in Kauf zu nehmen ist nicht nur fahrlässig, sondern kann vor allem in Ausblick auf die Bundesliga betrachtet durchaus und mindestens als unethisch und als unprofessionell diskutiert werden.

Und die FIFA-Regeln?

Ich könnte hier nun noch weiter vertiefen und auch den Hinweis des westdeutschen Fußballausschusses zu den FIFA-Futsal-Regeln als problematisch näher beäugen, denn die FIFA schreibt sich nicht ohne Grund die 40-Nettominuten-Spielzeit auf die Brust. Wir werden dieses Jahr keine FIFA-Weltmeisterschaft mit 15-Minuten-Bruttospiele sehen, eher wird so ein Wettbewerb anders gewertet oder verschoben. Weder bei der FIFA oder UEFA noch – mit zunehmender Futsalexpertise – beim DFB sollte man einem 15-Minuten-Spiel-Wettbewerb als Bundesliga-Voraussetzung Wohlwollen gegenüberbringen. Und wenn der WDFV mit solchen Plänen nicht auf Gegenwind stößt, dann offenbart sich der Opportunismus: Er nutzt zur Eigennutzmaximierung Rückenwind, und zwar egal aus welcher Richtung und egal was auf der Fahne steht, die durch den Wind sichtbar wird. Daher mein satirisches Plädoyer an alle beteiligten westdeutschen Verbands- und Vereinsopportunisten: Nutzt doch den aktuellen Rückenwind des Schweigens und fordert noch die Bande zur Qualifikation. Holt die Banden raus! Und wie wäre es mit 5-Meter-Toren? 9 Meter Schießen haben wir ja schon.

Fazit – eine unvorstellbare und beispiellose Verschlechtbesserung

In keiner unserer kritischen 2mal20netto-Podcastfolgen oder auch Bundesliga-Gesprächsrunden hätten wir je gedacht, dass ein Verband tatsächlich derart entfutsalisiert und rückschrittig wird. Bewegungslos, verwaltend und alles andere als progressiv, das kennen wir, das überrascht uns nicht. Aber jetzt einen derartigen Rückschritt in schon längst vergessene dunkle Tage des Futsal-Spielbetriebes auf höchstem Niveau zur Bundesliga-Qualifikation? Wie weit muss es kommen, damit wir uns dieser futsalfremden und unprofessionellen Herangehensweise auf eine die Bundesliga-Qualifikation im Westen bewusst werden? Im spanischen Futsal wurde mir wie in keinem Sport verdeutlicht: „Profis überlassen nichts dem Zufall“, doch im westdeutschen Fußballverband wird der Futsal demnächst wieder in einem 15- bzw. 6-Spielminuten-Tagesturnier dem Zufallsprinzip ausgesetzt.

Eine Vorgehensweise, eine unvorstellbare und beispiellose Verschlechtbesserung, denn nicht nur, dass die Futsalverantwortlichen im Westen die Futsal-Bundesligaqualifikation auf 37,5% bzw. 16,5% der tatsächlichen Spielzeit rückschrittig herabstuft. Diese bedenkenlose Spielzeitreduktion gleicht einer massiven Abwertung unseres Futsalsports, so dass wir hier eigentlich eine faktische wie fachliche »Entfutsalisierung« des Futsals diskutieren müssten. Der westdeutsche Futsal, einst Pioniere des Futsals (wobei wir hier wohl eher einem Georg von Coelln und seinen Mitstreitern vom UFC Münster zu danken haben). Der WDFV, für den Futsal in seiner Bewährung ein desolater Verband, der es vor und über die gesamte Corona-Zeit nie geschafft hat, dem Futsal die richtige Aufmerksamkeit und inhaltliche Bedeutung zu schenken und nun zeigt, dass er diesen Sport nie richtig verstanden hat.

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