Der Ala – Genie und Wahnsinn auf dem Flügel

Die wohl interessanteste Position im Angriff in Bezug auf die Umsetzung einer Offensivaktion beim Futsal ist der Ala. Der Ala ist nicht nur auf der Außenbahn dazu prädestiniert, dass entscheidende Dribbling zum Torerfolg ala Ricardinho zu suchen, sondern ist ebenfalls in Bezug auf die Offensive sowie Defensive für den Großteil der Laufarbeit verantwortlich. Dieses Anforderungsprofil macht ihn oft zum Entscheider des Spiels und dies sowohl im positiven Sinne nach einem erfolgreichen Dribbling oder im negativen nach einem Ballverlust, der zu einem gegnerischen Konter führt.

Der Ala benötigt als Spezialist (um Missverständnisse mit dem starren Wort Position aus dem Fußball zu vermeiden) neben seinen Fachgenossen dem Fixo (span. Cierre) und Pivot eine Reihe an technischen und physischen Fähigkeiten, die ihn zu dem oben erwähnten Spielentscheider werden lassen. Jedoch ist an dieser Stelle nochmal zu erwähnen, dass mit der Position des Ala´s einerseits der Raum auf dem Feld gemeint ist und andererseits die Spielertypen, die auf Grund ihrer Fähigkeiten bevorzugt diesem Raum auf dem Flügel aufsuchen. Im Folgenden schauen wir uns deshalb den Aktionsradius des Ala-Raums an, um somit seine Relevanz für das Spiel, die nötigen Fähigkeiten der jeweiligen Spezialisten und damit beispielhaft einige Prototypen aus der Futsalwelt abzuleiten.

Der Raum des Ala´s

AlaraumDer Raum des Ala´s sich findet sich auf den beiden Flügeln des Spielfeldes. Der Begriff Ala leitet sich aus dem portugiesischem/spanischem ab und bedeutet schlichtweg Flügel/Flügelspieler. Als Ala wird dementsprechend ein Spieler bezeichnet, der sich im Spielaufbau gerade auf dem Flügel befindet. Ausgehend von der typischen Raumaufteilung des 3-1 im Offensivspiel agieren vorrangig zwei Flügelspieler gleichzeitig auf dem Feld. Dies wirkt sich dementsprechend auch auf die Kaderzusammensetzung aus.

Spielrelevanz und Fähigkeiten – Dosenöffner in der Offensive

Der Ala nimmt eine entscheidende Rolle im offensiven Spielgeschehen ein. Er eröffnet mit dem Fixo das Spiel, nutzt Rotationen zur Destabilisierung der gegnerischen Abwehr und sucht abschließend das Dribbling, um einen Torabschluss selbst oder in Kombination mit dem Pivot zu suchen. Gerade im Spielaufbau fungiert der Ala als Breitengeber und Raumöffner, wodurch ein hohes Laufpensum von diesem Spielertyp abverlangt wird.

Aus taktischer Perspektive soll der Ala in eine isolierte Dribblingsituation auf dem Flügel gebracht werden, die er zum Torabschluss nutzen soll. Aus diesem Grund sind oft sehr dribbelstarke und agile Spieler als Ala im Einsatz. Hier liegt die Stärke und gleichzeitige Schwäche dieses Spezialisten aus teamtaktischer Perspektive. Überwindet der Ala seinen Gegner auf der Außenbahn, kommt er überwiegend zu sehr gefährlichen Offensivaktionen, da die gegnerische Defensive kurzfristig mindestens mit einem Spieler in Unterzahl verteidigen muss. Umgekehrt bedeutet ein Ballverlust oft einen Konter in Unterzahl, da der Ala sowie mindestens der eigene Pivot nicht sofort hinter die Balllinie gelangen können. Genau dann kommt bei Gegner der letzte Aspekt des Ala´s zur Tage: die Konterfähigkeit auf Grund seiner Grundschnelligkeit.

Als Spezialist ist der Ala daher Laufstark, um den Spielaufbau mit vielen Läufen ohne Ball zu unterstützen, technisch stark und schnell, um die provozierten 1gg1 Situationen zu überwinden und stark im Torabschluss, um die Offensivaktionen und Konter erfolgreich abzuschließen.

Individual- und gruppentaktischen Fähigkeiten

Die oben aufgezeigten typischen Situationen auf dem Flügel lassen sich anhand einiger exemplarischer individueller- und gruppentaktische Fähigkeiten darstellen und im Training gezielt vorbereiten: 1gg1 auf dem Flügel, Torabschluss über den Parallelpass und Pivotspiel durch Hinterherziehen.

1gg1 auf dem Flügel

Die Paradedisziplin des Ala ist das 1gg1, das er nutzt, um über die Rückendeckung der Seitenlinie im offenen Duell den direkten Verteidiger zu überwinden. Entscheidend dabei ist die Wahl der Angriffsseite im Abhängigkeit vom führenden Fuß sowie ein explosives Dribbling, welches als „berührungsarm“ beschrieben werden kann. Das Dribbling vollzieht der Ala mit einer offenen Ballführung, um den Verteidiger zu einer Defensivaktion zu bewegen, auf die der Ala reagieren kann (bei der geschlossenen Ballführung wird der gegenüberliegende Fuß zum Verteidiger zum Dribbling genutzt, um den Körper als Abschirmung einzusetzen. Die Art kommt vorrangig bei Rotationen vor, da ein Ballverlust unwahrscheinlicher ist). Je nach Situation bietet sich ein Lauf entlang der Linie inklusive Torabschluss in Richtung des zweiten Pfostens an oder eine Bewegung in die Mitte, um ebenfalls zum Torabschluss zu kommen oder alternativ den Pivot anzuspielen.

Um den Vorteil der Reaktion auf die Aktion des Verteidigers auf seiner Seite zu haben, ist ein berührungsarmes, abwartendes Dribbling im Vorteil, wie es Miguelin im anschließenden Video zeigt. Der Ball wird durch die Annahme in eine offene Dribblingsituation geführt, um dann durch eine explosionsartige Bewegung auf die Körperausrichtung des Gegners zu reagieren. Hier zeigt sich schnell, dass ein Linksfuß vorrangig auf der linken Seite agieren sollte, wenn seine Hauptaufgabe im direkten Torabschluss besteht. Da die Wahl des Flügels jedoch durch die schnellen Positionswechsel oft nicht gegeben ist, bietet sich wie immer im Futsal die Beidfüßigkeit an.

Torabschluss durch Parallelpass

Den Torerfolg über den Flügel kann der Ala auch über den Parallelpass (Informationen zu den Passarten im Futsal findet ihr hier) suchen. Der Parallelpass oder auch paralela ist eine gruppentaktische Variante im Aufbauspiel, bei der der Ala über die Mitte einen Pass auf den Flügel abkippenden und sehr passsicheren Fixo spielt, der den Ball oft leicht gelobt die Linie entlang in den Lauf des Ala spielt. Der Ala verarbeitet den Ball in diesem Fall mit hoher Geschwindigkeit mit der zum Tor abgewandten Seite (geschlossenen Dribbling) und sucht den direkten Abschluss.

Der Vorteil bei dieser Ausführung ist die Nutzung freier Räume durch die Geschwindigkeit des Ala´s, um die gegnerische Deckung zu durchbrechen. In den folgenden zwei, fast schon historischen, Videos sind solche typischen Situationen zu erkennen. Im ersten Video kippt Ortiz, aktuell der Vorzeige-Fixo im spanischen Futsal, auf den Flügel ab, um seinen Mitspieler einen Parallelpass zu spielen, der den direkten Torabschluss sucht. In eine noch gefährliche Situation wird Alex im zweiten Video gebracht. Der Parallelpass zwingt den gegnerischen Torhüter zum Herauskommen, um die kurzfristig entstehende Unterzahl auszugleichen. Das Ergebnis spricht für sich.

Pivotspiel durch Hinterhergehen

Die Entscheidung zu einem Dribbling in die Mitte nach dem 1gg1 folgert fast zwangsläufig die Einbeziehung des Pivots in die Angriffsbemühungen des Ala. Erneut nutzt der Ala seine überragende Physis und Geschwindigkeit, um den gegnerischen Verteidiger nach einem Anspiel des Pivots zu überwinden. Der Pivot soll in dieser Situation parademäßig als Wandspieler dienen, um den heranstürmenden Ala den Ball zum Torabschluss abzulegen. Der Ala kann sich individualtaktischer Feinheiten bedienen. Dazu zählt der Einsatz von Lauffinten, sogenannten openings, um die Defensive zu überwinden, da der Angreifer den Vorteil besitzt, den Ball sehen zu können. Der Verteidiger wiederrum hat nach dem Anspiel des Pivots nicht die Möglichkeit, seinen gegnerischen Ala und den angespielten Pivot gleichzeitig im Blick zu haben, so dass er einzig auf die Bewegungen des Ala´s und der Kommunikation seiner Mitspieler reagieren kann, um den Passweg zu schließen. Ein Nachteil, den der Ala auszunutzen versucht.

Teameinbindung und beispielhafte Prototypen

Die Vielseitigkeit des Alaspiels ermöglichen unterschiedliche Interpretationen der Rolle auf dem Feld und innerhalb des Teams. Die einen Spieler sind eher auf Geschwindigkeit aus, anderen zeichnen sich durch eine intelligente Interpretation des Spielgeschehens aus, während andere durch ausgeprägte Dribblingfähigkeiten auf der Position des Ala´s überzeugen können.

In Bezug auf die Teamzusammensetzung sollten sich die Spieler vor allem über ihre Funktion in Anbetracht ihrer Fähigkeiten bewusst sein. Wenn die Spieler ihre Rolle und Fähigkeiten anhand der Strukturierung nach zum Beispiel Fixo, Ala und Pivot kennen, können viel gezieltere Fortschritte bei der Trainingsarbeit erzielt werden. Die Spieler lernen des Weiteren dadurch, wie sie aktiv in das Spiel eingreifen können und verstehen besser Entscheidungen des Trainers, wenn es um taktische Auswechslungen und die Verteilung von Spielzeiten auf dem Feld geht.

An welchen Spielern kann man sich nun beim Ala ein Beispiel nehmen? Wir haben drei Spieler gewählt, die beim Futsal den Ala unterschiedlich interpretieren.

alas

Beispielhaft für einen sehr energischen und agilen Ala ist Miguelin von ElPozo Murcia. Miguelin überwältigt viele Gegner im 1gg1 auf den Außenbahnen durch seine explosionsartigen Dribblings und peitschenartigen Schüsse. Dabei fällt schnell auf, dass seine Dribblings sehr berührungsarm auffallen und die Geschwindigkeit in der Ausführung und Entscheidung im Vordergrund stehen. Einen anderen Typ stellt Bateria dar. Der brasilianische Ala vom FC Barcelona ist zwar ebenfalls extrem agil, nutzt für sein Spiel doch etwas mehr die Mitspieler, in dem er intelligente Entscheidungen in Bezug auf das Pivotspiel und mehr Variationen im Abschluss der Aktionen zeigt. Der etwas stärkere Fokus auf dem Bereich Spielintelligenz führt zum Beispiel zum charakteristischen Lob von Bateria (siehe Video oben), der perfekt für den Abschluss nach einem Parallelpass geeignet ist. Der wohl bekannteste Ala im Weltfutsal ist momentan Ricardinho. „O Magico“ ist die Verkörperung des Genies am Ball. Es wäre jedoch verfehlt, Ricardinho auf den Bereich der Tricks zu reduzieren. Der große Vorteil von Ricardinho ist eine Unberechenbarkeit. Während zum Beispiel schnelle Ala´s oft zu stark auf die Außenbahn ausweichen, sind die Bewegungen von Ricardinho kaum vorherzusehen. So kann ein vermeintliches Dribbling schnell zum scharfen Pass auf den zweiten Pfosten werden, die Einbindung des Pivots oder doch zum 1gg1 in Richtung Grundlinie.

Hier zwei Videos zum Spielstil von Ricardinho und Bateria

Und jetzt liegt der Ball bei euch. Nutzt ihr aktiv den Begriff des Ala im Training? Habt ihr Spieler, die darauf spezialisiert sind? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

 

Vielen Dank an Jose Antonio Valle, LNFS, Jomamehi 10 und Black Rj für das bereitgestellte Videomaterial auf YouTube.

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